Kelsang Wangmo: Ein Lebensweg zur Erkenntnis

Aus Kerstin Brummenbaum wird Kelsang Wangmo: Eine neue Biografie zeigt den langwierigen Weg von der Rucksacktouristin zur buddhistischen Gelehrten – auch für die Leser ist der Weg nicht ganz leicht...

Abi – und ab nach Indien: Kerstin Brummenbaum ist auf der Suche. Sie weiß noch nicht, was sie werden will. Von der Reise in eine ganz andere Kultur erhofft sie sich die entscheidenden Impulse. Ihre Hoffnungen erfüllen sich; allerdings anders als gedacht. Indien zeigt ihr nicht den Lebensweg, Indien ist ihr Lebensweg. Die spirituelle Atmosphäre weckt in ihr ein Gefühl des tiefen Friedens und des Angekommenseins. Heute heißt Kerstin Brummenbaum Kelsang Wangmo und ist die erste Frau, die den hohen buddhistischen Gelehrtengrad der Geshe erreicht hat. Eine neue Biografie stellt diese Pionierin vor.   

Selten hat ein Schokoladenkuchen Schicksal gespielt. Aber wegen dieses Kuchens reist Kerstin Brummenbaum nach Dharamsala. Ganz in der Nähe lebt der Dalai Lama. Kerstin Brummenbaum weiß noch nicht viel vom geistlichen Oberhaupt der Tibeter. Aber die Aura, die ihn und die vielen Nonnen und Mönche vor Ort umgeben, zieht auch die Abiturientin auf Sinnsuche in ihren Bann. Anstatt die Rückreise nach Deutschland anzutreten, beginnt sie, ihr eigenes Bewusstsein zu bereisen. Sie setzt sich mit den Lehren des Buddhismus auseinander und fühlt sich von seinen spirituellen und metaphysischen Erklärungen verstanden. "Der Buddhismus hat mich wirklich gepackt." Im tiefer versinkt sie in der Gedankenwelt und in der entschleunigten Lebensweise, die aus Ruhe und Gelassenheit ihre Kraft schöpft. Bald ist ihre Sehnsucht nach Erkenntnis so groß, dass sie erst Nonne, dann Gelehrte werden will. Meditative Einsiedelei stillt ihr Verlangen nicht. Sie will ganz grundsätzlich lernen, wie man Erkenntnis erlangt. Deshalb beginnt sie, am Institute of Buddhist Dialectis in Dharamsala zu studieren. Jetzt wird ihre Entschleunigung und Gelassenheit auf eine ernste Probe gestellt. Siebzehn Jahre dauert ihre Ausbildung zur Geshe: Erst dann sind sie, der Dalai Lama und der Buddhismus bereit für eine weibliche Geshe (vergleichbar mit einer Doktora der Metaphysik). Als Geshe ist Kelsang Wangmo auf Logik, Texte, Rituale und korrekte Abläufe spezialisiert. Das geht übrigens aus dem hilfreichen Glossar hervor, das ihre Biografie um buddhistische Grundbegriffe auf einen Blick ergänzt.     

Tatsächlich ist dieses Glossar ein literarischer Rettungsring. Die Biografie von Anne Siegel zeichnet den Werdegang von Kerstin Brummenbaum zu Kelsang Wangmo nach, richtet sich aber eher an Kenner und Könner. Dieses Buch ist voraussetzungsvoll: Es thematisiert innerbuddhistische Strömungen wie den tibetischen Exilbuddhismus und Entwicklungen wie die Rolle der Frau im Buddhismus und setzt einen engagierten und interessierten Leser voraus, den Fachbegriffe und -diskussionen nicht schrecken. Allerdings erleichtert neben dem Glossar auch ein ausführliches Interview mit Kelsang Wangmo den Zugang zu vielen spannenden und aktuellen Herausforderungen des Buddhismus.