Ayrton Senna: Die letzte Runde

Vor 21 Jahren verunglückte die Formel 1-Legende Ayrton Senna

Foto: StuSeeger. Source: Flickr. Lizenziert unter CC BY 2.0
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Der Tacho zeigt über dreihundert Sachen. Die langezogene Linkskurve Tamburello kurz nach Start und Ziel ist nichts für schwache Nerven: Nur wer hier alles gibt, kann gewinnen.  Ayrton Senna ist als dreimaliger Formel 1-Weltmeister ein Siegertyp und drückt das Gaspedal ganz durch - auch in dieser siebten Runde des Großen Preises von San Marino in Imola. Aber in dieser Kurve verliert Senna alles: Plötzlich lässt sich sein Williams-Bolide nicht mehr lenken und auch eine Vollbremsung kann den  Einschlag in der Mauer nicht  verhindern.

Biografie Ayrton Senna

Foto: Instituto Ayrton Senna, Lizenz: CC BY 2.0
Foto: Instituto Ayrton Senna, Lizenz: CC BY 2.0

Ayrton Senna ist 1960 in Sao Paulo geboren. Früh eintdeckt er seine Bestimmung als Rennfahrer. Er macht Karriere im Kart und kämpft sich durch die unteren Serien bis in die Königsklasse des Motorsports: 1983 besteigt er erstmals als Testfahrer ein Formel 1-Cockpit. Ein Jahr später macht er im Regen von Monaco von sich reden: 

Im den Straßenschluchten des Fürstentums nimmt auch die Dauerfehde zwischen Senna und dem französischen Piloten Alain Prost ihren Anfang. Immer wieder rasseln die beiden aneinander, selbst als Teamkollegen bei McLaren: rhetorisch, aber auch auf der Strecke. Prost, der nicht wahrhaben will, dass Senna der Schnellere ist, greift immer häufiger zu unfairen Mitteln. Dennoch ist es Ayrton Senna, der zur lebenden Legende reift; in Brasilien ist er ein Volksheld. Welcher Schock, als ein junger Deutscher ausgerechnet in Sao Paulo den Saisonstart 1994 für sich entscheidet. Auch das zweite Rennen gewinnt Michael Schumacher. Der ehrgeizige Senna ist fuchsteufelswild: Angeblich setzt Schumachers Team Benetton Ford verbotene Elektronik ein, um das Auto zu stabilisieren, während er seinen Boliden geradezu bändigen muss, um ihn unter Kontrolle zu halten. So oder so: Senna ist im dritten Saisonlauf in Imola bereits unter Druck. Zwei schwere Unfälle erschüttern den Formel 1-Zirkus an diesem Wochenende. Am Freitag überlebt Rubens Barrichello knapp einen schweren Crash. Am Samstag hat Roland Ratzenberger weniger Glück. Trotzdem wird das Rennen gestartet, dass Sennas Leben beendet...

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Michael Schumacher: Benzin im Blut

Michael Schumacher im Ferrari (1997): Foto: Cord Rodefeld, Lizenz: CC-BY-SA-2.0
Michael Schumacher im Ferrari (1997): Foto: Cord Rodefeld, Lizenz: CC-BY-SA-2.0


Foto: emperornie on Flickr. Lizenziert unter CC BY 2.0
Foto: emperornie on Flickr. Lizenziert unter CC BY 2.0

Er hat Benzin im Blut: Michael Schumacher. Der Startschuss zu seinem Vollgasleben fällt am 3. Januar 1969 - heute vor 45 Jahren. Sein Rennfahrertalent deutet sich früh an. Schon als Knirps begeistert Schumi im Miniflitzer auf der väterlichen Kartbahn und driftet in Kerpen immer als Schnellster um die Kurven. Am liebsten fährt Schumi bei Regen, "da macht es besonders viel Spaß!" Über die Formel König (und kleinere Rennserien) gelangt Schumacher 1991 in die Königsklasse: Beim Großen Preis von Belgien in Spa-Franchorchamps überlässt der junge Teamchef Eddie Jordan dem noch jüngeren Nobody ein Cockpit - und der zieht durch. Ohne das Gaspedal auch nur zu lupfen rauscht er durch die berüchtigte Kurve Eau Rouge und lässt schon im Qualifying die meisten Konkurrenten hinter sich. Zwar scheidet er im Rennen (nach einer Nacht in der Jugendherberge) früh aus, aber er hat bleibenden Eindruck hinterlassen:

Eddie Jordan freut sich über das große Los, das er gezogen hat. Doch auch er sieht nach dem Debut nur noch Schumis Rücklichter. Der braust ab zu Benetton. Dort hat mit Flavio Briatore ein Mann das Sagen, der wie Schumacher immer gewinnen will - und um jeden Preis. Schon 1992 gewinnt Schumacher seinen ersten Grand Prix (wieder in Belgien). Zwei Jahre später wird er zum ersten Mal Weltmeister. Aber sein Stern strahlt nicht nur hell. Wegen technischer Regelverstöße wird er für zwei Rennen gesperrt, in zwei weiteren Läufen wird er disqualifiziert. Das Wort vom "Schummel-Schumi" macht die Runde. Weil Schumacher viermal nicht punkten kann, bleibt es spannend bis zu letzt. Im australischen Adelaide kommt es zum Showdown mit Damon Hill. Dann macht Schumi einen Fehler und korrigiert ihn auf dramatische Weise:

Anschuldigungen und Verdächtigungen können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Schumacher der beste Rennfahrer weit und breit ist. 1995 wird er wiederum (und überlegen) Weltmeister. Das Regen-Duell mit Damon Hill in Spa Franchorchamps macht  Motorsportgeschichte - Schumacher war von Startplatz 16 ins Rennen gegangen und feiert erneut einen strahlenden Triumpf in den Ardennen:

1996 wechselt Schumi zu Ferrari und muss in Sachen Weltmeistertitel erst mal einen längeren Boxenstopp einlegen. Kraft tankt er vor allem in einem bis  heute unauffälligen und skandalfreien Familienleben. Dennoch zehrt es an seinen Nerven, dass er auf der Piste vier lange Jahre Anderen den Vortritt lassen muss. Im Zweikampf mit Jacques Villeneuve wird er wieder zum Rambo, schiebt den Widersacher von der Strecke und verliert dafür alle Saisonpunkte. Ab 2000 aber führt Schumacher die Scuderia Ferrari zu altem Glanz zurück. Die Weltmeistertitel 2000, 2001, 2002, 2003 und 2004 machen den Deutschen endgültig zum besten Formel 1-Piloten aller Zeiten. Spa-Franchorchamps bleibt Schumis Schicksalskurs. Hier kracht er beim Training rückwärts in die Bande und beim Überholmanöver in David Coulthard:

Was Schumi in seinem Leben am Limit nicht gelernt hat: Aufzuhören, wenn es am schönsten ist. Sein erster Rücktritt war halbherzig. Das Comeback des Adrenalin-Junkies bei Mercedes erfüllte weder seine Erwartungen, noch die seiner Fans und Chefs. Dazu kommen spektakuläre Unfälle. Schumi sucht den Kick der Geschwindigkeit immer und immer wieder. Sein Ausflug in die Welt des Motorradsports endet mit einer Halswirbelfraktur und Schädelbasisverletzungen. Schumi kennt die Gefahren, denen er sich aussetzt: In Silverstone ist er einmal ungebremst in einen Reifenstapel gerauscht und hat sich den rechten Unterschenkel gebrochen. Wie die Rennpiste ist auch die Skipiste eine Risikozone. Aber es sind diese Risikozonen, in denen Schumacher (auch) zuhause ist. Auch deshalb besteht gute Hoffnung, dass das Rennen seines Lebens nicht schon nach 45 Runden von der schwarzen Flagge abgewunken wird. Am besten weiß das seine Familie: "Michael ist ein Kämpfer und wird nicht aufgeben."

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