Thomas Tuchel: Selbstgerechtigkeit im Endstadium

Fußballtrainer Thomas Tuchel leidet an chronischer Dünnhäutigkeit, häufigen Jammeranfällen und heftigen Arroganz-Schüben. Man muss dem armen Mann helfen, dass er das ganze Mitleid nicht selbst tragen muss! Eine Polemik.

Thomas Tuchel by Schnederpelz - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32557082
Thomas Tuchel by Schnederpelz - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32557082

Der arme Thomas Tuchel. Da wenden sich plötzlich die Chefs von ihm ab, obwohl er als Trainer von Borussia Dortmund gute Arbeit macht. Das hat ihn tief getroffen. Thomas Tuchel versteht die Welt nicht mehr: Warum nur die rüffeln ihn Vereinsbosse in in aller Öffentlichkeit dafür, dass er öffentlich über ihre Entscheidung gejammert hat, das Championsleague-Spiel gegen den AS Monaco nicht zu verschieben? Und warum erzählen die ganzen Spieler nur so einen Unsinn über ihn?

Leute, lasst Milde walten! Thomas Tuchel leidet an Selbstgerechtigkeit im Endstadium. Die Symptome häufen sich: Chronische Dünnhäutigkeit, häufige Jammeranfälle und heftige Narzissmus-Schübe.

Das bittere Los der Selbstgerechtigkeit legt sogar schwarz-gelbe Schleier auf das Erinnerungsvermögen von Thomas Tuchel. Vielleicht können wir ihm was Gutes tun, wenn wir seinem Gedächtnis ein bisschen auf die Sprünge helfen: Thomas Tuchel war mal Trainer bei einem anderen Bundesliga-Verein: dem 1. FSV Mainz 05. Da war die Selbstgerechtigkeit noch nicht voll ausgebrochen. Er war  Nachwuchs-Coach und hat dann die erste Mannschaft übernommen. Das hat er gut gemacht, wirklich gut. Aber es hat ihm nicht gut getan. Der Rausch des Erfolges hat die Selbstgerechtigkeit genährt. Zuerst haben dass die Schiedsrichter mit ihren ganzen unfairen Entscheidungen zu spüren bekommen, dann die Medien mit ihrer ungerechten Berichterstattung. Die Loyalität zum Verein war aber nie gefährdet. Um den FSV Mainz 05 vor seiner Selbstgerechtigkeit zu schützen, hat Thomas Tuchel die Reißleine gezogen und sich einfach geweigert, seinen bestehen Arbeitsvertrag zu erfüllen. Er hat sogar freiwillig auf Gehalt verzichtet, obwohl er so toll auf sich und den Verein geachtet hat. Das muss ihm doch erstmal jemand nachmachen! Und jetzt können sie seine Selbstlosigkeit auch in Dortmund nicht würdigen. Nein, die Fußball-Welt wird Thomas Tuchel wirklich nicht gerecht. Deshalb bleibt das alles an ihm selbst hängen. Und deshalb sind dieses eine Mal wirklich nur die Anderen schuld daran, dass die Selbstgerechtigkeit den armen Thomas Tuchel überwältigt...

Thomas de Maziére: Ein Zeichen gegen den Terror

Innenminister Thomas de Maizére besucht das Spiel Dortmund-Monaco

Victoria Ocampo
© www.thomasdemaiziere.de

Dieser Stadion-Besuch dürfte Teile der Bevölkerung beruhigen: Innenminister Thomas dé Maiziere schaut sich im Moment das Champions-League-Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem AS Monaco an. Damit setzt er ein starkes Zeichen gegen den Terror: Wir lassen uns keine Angst machen. Oder auf Fußball: Auf geht's, kämpfen und siegen!

Lizenz: CC BY-SA 2.0 de
Lizenz: CC BY-SA 2.0 de

Nicht immer hat Thomas de Maiziére in der Krisenkommunikation gut ausgesehen, obwohl er ein  Polit-Profi ist: Er war Redenschreiber von Richard von Weizsäcker, hat die Deutsche Einheit mitverhandelt, war Chef der Staatskanzleien von Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, Kanzleramtsminister, Bundesinnen- und Verteidigungsminister - und mittlerweile wieder Innenminister.  Im November 2015 hat der Bundesinnenminister die Absage des Länderspiels Deutschland gegen Niederlande denkbar unglücklich erklärt. Die Frage nach den Gründen hat er auf verstörende Weise offen gelassen: "Die Antwort würde einen Teil der Bevölkerung verunsichern." So bringt man keine Ruhe rein. Ganz anders heute: "Ein letztes Maß an Unsicherheit wird bleiben", sagt Thomas de Maiziére - und lässt dann Taten sprechen: Er geht ins Stadion und gibt damit die beste aller Antworten: Dieses makabre Spiel gewinnt der Terror nicht!

Carlo Ancelotti: Personaler auf der Trainerbank

Carlo Ancelotti trainiert den FC Bayern München. Er führt aber nicht ein Fußballlehrer, sondern wie ein Personalentwickler.

Bayern-Trainer Carlo Ancelotti im Biografien-Blog
Carlo Ancelotti. Foto: Светлана Бекетова, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Bücher von Fußballern machen sich in meiner Biografien-Bibliothek wie Groschenromane zwischen Klassikern der Weltliteratur: Sie sind etwas versteckt platziert - aber deutlich abgegriffener als die meisten anderen Titel. Zwei meiner Lieblingsautoren unter den Kickern sind Helmut Rahn und Stefan Effenberg - der mit dem Mittelfinger... Und direkt daneben steht neuerdings Bayern-Trainer Carlo Ancelotti, der am Samstag ebenfalls seinen Mittelfinger gezeigt hat...

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Aber Ancelotti ist anders. Er erzählt nicht von dramatischen Spielen, sondern von strategischen Zielen; nicht von von begnadeten Ballkünstlern mit Tigerfrisuren, sondern von akribischen Datenauswertungen; nicht von großen Gefühlen, sondern von taktisch dosierten Wutausbrüchen (wie am Samstag?);  nicht von ewiger Vereinsliebe, sondern von Projekten. "Loyalität gilt Menschen, nicht Organisationen", heißt es einem der kapitelweise eingestreuten Merksätze, "Organisationen geht es nicht um Persönliches, sondern ums Geschäft." Dieses Geschäft hat Carlo Ancelotti verinnerlicht. Sein Buch stellt nicht einzelne Trainerstationen und -erfolge in den Mittelpunkt. Ancelotti hebt stattdessen die Vereinswechsel als jeweils nächste Karriereschritte hervor. Angefangen er bei kleineren italienischen Vereinen: dem AC Reggiana und dem AC Parma. Die Erfolge führten ihn auf die harten Trainerbänke der zum Erfolg verdammten Spitzenklubs Juventus Turin und AC Mailand. Danach hat Ancelotti die besten Teams der besten europäischen Ligen trainiert: den FC Chelsea in England, Paris Saint-Germain in Frankreich, Real Madrid in Spanien - und jetzt also den FC Bayern. Jeweils analysiert er weniger die Seele des Klubs, den er gerade trainiert, sondern die Mechanismen der Organisation.

 

Victoria Ocampo im Biografien-Blog
Lizensiert unter Gemeinfrei

Carlo Ancelotti, geboren 1959, stammt aus den unter Biografen berühmten kleinen Verhältnissen. Auf gewisse Weise ist er immer der fußballverückte Junge geblieben ist, der darüber staunt, dass er in den größten Stadien der Europas die wichtigsten Titel abräumt. Sein Erfolg beruht allerdings auch darauf, dass er sich selbst aus diesem Traum aufwecken kann. Er weiß, dass Fußballvereine international nur noch wettbewerbsfähig sind, wenn sie wie global agierende Konzerne geführt werden. Dieses Prinzip ist in den Vorstandsetagen längst angekommen. Ancelotti lebt es aber auch im sportlichen Bereich. Er schult seine Mannschaften nicht wie ein Fußballlehrer - dafür hat er Spezialisten, die er auch gerne von Verein zu Verein mitnimmt. Ancelotti betreibt Personalmanagement auf hohem Niveau. Er spricht nicht als Sportler zu Sportlern, er spricht als Führungskraft zu Fachkräften: ruhig, überlegt, immer auf Respekt bedacht  Und er geht davon aus, dass sein Führungsstil nicht nur im Spitzensport ein Erfolgsmodelll ist: Deshalb hat er das Buch über seine "ruhige Philosophie" als eine Art Ratgeber für Führungskräfte geschrieben. Kapiteln über Kultur, Verantwortung oder Zusammenarbeit sind zusammenfassende Merksätze angehängt, die für sich zwar - typisch Ratgeber - wie Allerweltsweisheiten daherkommen, aber im Gesamtzusammenhang mit Ancelottis Beispielen und Anekdoten doch Überzeugungskraft entfalten. Das gilt allerdings nicht für die ebenfalls eingestreuten Lobhudeleien von allen möglichen Superstars von David Beckham über Zlatan Ibrahimovic und Cristiano Ronaldo bis zu Toni Kroos. Fast scheint es, als müsse sich Ancelotti den Erfolg seines Stils nochmals bestätigen lassen, um glaubwürdiger zu werden. Das Gegenteil ist der Fall. Soviel überschwängliche Verehrung macht eher skeptisch - jedenfalls mehr, als die lange Titelliste in Ancelottis Lebenslauf.

Fazit: Unterhaltsamer und bisweilen lehrreicher Ratgeber für Führungskräfte mit Fußball-Faible.

Hoeneß und Landauer: Sterne des Südens

Uli Hoeneß steht vor seinem Comeback als Bayern-Präsident. Aber ihm fehlt das Format seines Vorgängers Kurt Landauer.

Foto: Harald Bischoff,  Lizenz: CC BY-SA 3.0
Foto: Harald Bischoff, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Heute wählen die Bayern ihren neuen Präsidenten. Es dürfte ein  alter Bekannter werden: Uli Hoeneß. Nach verbüßter Haftstrafe kehrt der Meister-Macher und Millionen-Betrüger zurück an die Vereinsspitze. Schon einmal ist ein Bayern-Präsident triumphal zurückgekehrt: Kurt Landauer. Aber sein Comeback endete tragisch...

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Uli Hoeneß ist eine lebende Legende: Weltmeister 1974, tragischer Elfmeterschütze im EM-Finale 1976, Sportinvalide, erfolgsverwöhnter Bundesliga-Manager, Millionen-Macher als Wurstfabrikant und Millionen-Betrüger als Steuer-Sünder: Präsident des FC Bayern zu sein hätte sein Lebenswerk krönen sollen. Aber dann kam es anders: Hoeneß hat im großen Stil Steuern hinterzogen und dafür im Gefängnis gesessen. Juristisch hat er seine Strafe verbüßt, auch wenn manche über den vermeintlichen Promi-Bonus lästern. Das ist Quatsch. Der Rechtsstaat will ja gerade bewirken, dass Straftäter resozialisiert werden. Das gilt natürlich auch für Uli Hoeneß. Und er hat seine Strafe auch unerwartet demütig aufgenommen und - anders als viele andere Gefangene - unter öffentlicher Beobachtung angetreten. Das war eher ein Promi-Malus. Wie dem auch sei. Hoeneß hat rechtlich für seine Verfehlungen gerade gestanden. Ob er aus moralischer Perspektive noch einmal in das honorige Amt des Bayern-Präsidenten zurückkehren sollte, steht auf einem anderen Blatt. Wer wie er anderen jahrzehntelang die Leviten gelesen hat - dem Trainer Christoph Daum für dessen Drogen-Missbrauch, den eigenen Fans für die maue Stimmung im Stadion - würde wahre Größe beweisen, nach solchen Verfehlung nicht in eine öffentliche  Vorbildrolle wie die des Bayern-Präsidenten zurückzukehren. 

Ganz anders liegt der Fall bei Kurt Landauer. Der erste große Bayern-Präsident hat mit seiner unermüdlichen Arbeit das Fundament des späteren Rekord-Meisters gelegt. Landauer hat die Bayern in den 1920er Jahren aus dem Amateurfußball in die Professionalität geführt. Als gewiefter Geschäftsmann und leidenschaftlicher Sportsmann hat er moderne Strukturen etabliert, den den Wirtschaftsfaktor Vereinsfußball erkannt, die Marke FC Bayern geschaffen und als Präsident die erste Meisterschaft geholt. 1932 war das. Dann wird es dunkel in Deutschland. Hitler greift nach der Macht und Bayerns Meister-Macher landet im Konzentrationslager - Landauer ist Jude und unter den Nazis seines Lebens nicht mehr sicher. Er kann fliehen und geht ins Exil. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrt er zurück - und wird noch einmal zum Bayern-Präsidenten gewählt. Dieses Comeback hat Stil. Landauer zeigt echte Größe und ist - trotz mancher bissiger Bemerkung - nicht nachtragend, auch wenn er jeden Grund hätte. Trotzdem endet dieses Comeback tragisch. Landauer wird zwar zunächst gefeiert, verliert aber dann seine Wiederwahl - und geht verbittert.

Kurt Landauer
Foto: Blowjoe98 Lizenz: CC-BY-SA 4.0

Es gibt viele Bücher über den FC Bayern und auch Biografien über Uli Hoeneß sind keine Mangelware. Trotzdem möchte ich heute ein anderes Buch empfehlen: Die Lebensgeschichte von Kurt Landauer. Erzählt hat sie der Journalist Dirk Kämper - und er hat das richtig gut gemacht. Dieses Buch ist eine lange und zugleich kurzweilige Reportage. Im szenischen Präsens teilweise rasant geschrieben ist das Landauer-Porträt eine gelungene Mischung aus solide recherchierter Biografie und Sport-Roman. Nicht jedes Details - beispielsweise die Gestiken und Mimiken in Gesprächen - kann wirklich quellengetreu überliefert sein. Aber das macht den Charme dieses Buches aus. Landauer und seine Zeitgenossen kommen lebendig rüber und man kann richtig mitfiebern: zum Beispiel bei den Überedungsversuchen, endlich Spielergehälter einzuführen oder beim Meisterschaftsfinale 1932. Trotzdem hat man am Schluss eine fundierte Vereinsgründungsgeschichte gelesen - und noch ein bißchen mehr Respekt vor den Bayern... 

Thomas Müller: Dahoam is dahoam

Thomas Müller hat beim FC Bayern München verlängert. Das ist ein schönes Bekenntnis zur Heimat und zur Bundesliga

Foto:Harald Bischoff /. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0
Foto:Harald Bischoff /. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0

Ein Vorbild-Fußballer bleibt der Bundesliga erhalten. Thomas Müller hat seinen Vertrag beim FC Bayern München verlängert - trotz lukrativer Angebote aus dem Ausland. Damit bekennt sich Müller zu seiner bayerischen Heimat und verzichtet auf noch mehr Geld....

Foto: Michael Kranewitter. Lizenz: CC BY 3.0
Foto: Michael Kranewitter. Lizenz: CC BY 3.0

Es gibt nicht viele Gründe, den FC Bayern München zu mögen. Thomas Müller ist einer. Thomas Müller lebt den Fußball. Seine Leidenschaft und sein Witz sind ansteckend. Er ist eine fast immer gut gelaunte Stimmungskanone, ein kluger Spiele-Analytiker (in Interviews) und ein sympathischer und unkomplizierter Typ (nach allem, was man so hört, auch abseits von Kameras und Mikrofonen). Und er ist ziemlich erfolgreich: Weltmeister, Champions-League-Gewinner, je dreifacher Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger. 

Thomas Müller ist treu. Stichwort Beziehung: Müller hat mit nicht einmal 21 Jahren geheiratet und über Skandale im Liebesleben gibt es keine Schlagzeilen. Stichwort Verein: Seit über 15 Jahren ist er beim FC Bayern, davor hat er beim oberbayrischen TSV Pähl gekickt. Stichwort Gesamtpacket: „Der FC Bayern ist mehr als nur ein Arbeitgeber, mit der Stadt und dem Umfeld. Das kann nicht jeder bieten.” sagt Müller der BILD. Aber auch nicht jeder kann dem ganz großen Geld  widerstehen. Toni Kroos, Samy Khedira, Mesut Özil, Miroslav Klose und auch Bastian Schweinsteiger: Viele deutsche Spitzenfußballer verdienen in England, Spanien und Italien weit mehr als es in der Bundesliga möglich wäre. Zugegeben: Auch die hiesigen Topklubs zahlen horrende Summen. Aber allein die Möglichkeit, immer mehr und noch mehr verdienen zu können ist sicher verlockend. Thomas Müller ist ihr nicht erlegen. Im Gegenteil: er nimmt soziale Verantwortung wahr (was allerdings auch andere Spitzenfußballer wie Lukas Podolski tun). Thomas Müller unterstützt schon mehrere Jahre das Projekt YoungWings, das für Kinder und Jugendliche da ist, die Trauerfälle zu verarbeiten haben. "Mir geht es sehr gut", sagt Thomas Müller auf seiner Homepage, "sodass ich versuche, etwas an die Gesellschaft zurück zu geben." So einer tut Fußball-Deutschland gut. Schön, dass er bleibt!

Alle Fußballer im Biografien-Blog...

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Lukas Podolski: Der unterschätzte Weltmeister

Lukas Podolski hat eine Autobiografie geschrieben, in dem Fußball nur eine Nebensache ist - ihm geht's ums Engagement

Lukas Podolski im Biografien-Blog
Foto: Marcello Casal Jr/Agência Brasil, lizenziert unter CC BY 3.0 br

Er ist der Spaßmacher in der deutschen Nationalmannschaft: Lukas Podolski. Der Mann mit dem starken linken Fuß ist immer zum Scherzen aufgelegt. Oft genug hat auch ganz Fußball-Deutschland über ihn geschmunzelt - wenn er vor dem Mikrofon gestanden hat. Dabei hat Podolski viel zu sagen. Er ist nicht nur ein erfolgreicher Profisportler. Er ist ein deutscher Weltmeister mit Migrationshintergrund. Und er kümmert sich um benachteiligte Jugendliche, die den Sport nutzen wollen, um wie er durchzustarten. In der Autobiografie von Lukas Podolski ist Fußball jedenfalls fast nur Nebensache. Ein Blick hinein:

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Der deutsche Weltmeister Lukas Podolski  ist über ein Aufnahmelager nach Deutschland gekommen. Ende der 1980er Jahr siedelt seine Familie aus Gliwice in Südpolen aus. Im Grenzdurchgangslager Friedland erlebt der knapp dreijährige Lukas, was heute viele Flüchtlinge durchmachen müssen: "Es war vollkommen überfüllt, alle redeten in Sprachen, die ich nicht kannte, alle waren wir wie entwurzelt und fremd. Es gab Essen, das wir nicht gewohnt waren, und ein eigenes Zimmer hatten wir auch nicht, weil so viele Menschen in Deutschland bleiben wollten." Die Podolskis kommen in Bergheim bei Köln unter. Dort wird der Fußball zum Integrationshelfer für Lukas: Mit dem Ball unter dem Arm traut er sich zu den anderen Jungs auf dem nahegelegenen Bolzplatz und findet Anschluss. Seine Eltern fördern das sportliche Talent, das sich früh abzeichnet. Aber sie bestehen auch darauf, dass er die Deutsch lernt und sich einbringt. Irgendwann wird der traditionsreiche 1. FC Köln auf Podolski aufmerksam und seine Fußballkarriere nimmt ihren Lauf. Sie führt ihn über  Bayern München und Arsenal London bis zu Galatasaray Istanbul. Podolski hat es geschafft: Er ist ein Fußballweltbürger, der aber nie vergessen hat, welchen Anfang seine Lebensgeschichte genommen hat. 

Deshalb setzt er sich vorbildlich für Jugendliche ein, die es schwerer haben als andere. Seit vielen Jahren ist Podolski Botschafter des christlichen Kinderprojekts Die Arche, das sich um sozial benachteiligte Jugendliche kümmert.

Dieses Engagement ist ihm nicht genug. In seiner eigenen Lukas Podolski Stiftung setzt Podolski auf den Sport, um Kinder von der Straße zu holen, ihre Integration und Inklusion zu fördern und  ihnen Selbstsicherheit und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu vermitteln. Aber auch das reicht noch nicht. Denn  Podolskis Botschaft an die Jugendlichen lautet wie der Titel seiner Autobiografie: Dranbleiben. Talent  ist nur der Anfang...

Foto: Ronnie Macdonald (CC BY 2.0)
Foto: Ronnie Macdonald (CC BY 2.0)

Als Mutmacher in dieser Sache erzählt Podolski in seinem Buch nicht nur von sich, sondern von vielen Kindern und Jugendlichen, die jetzt in ähnlichen Situationen stecken wie er früher. Keine Sorge! Die großen Emotionen, die der Fußball schreibt, die wichtigen Karriereschritte, Spiele und die Augenzeugenberichte aus den berühmtesten Stadien der Welt kommen nicht zu kurz. Aber es geht auch um die Probleme und Sorgen, Träume und Wünsche von Jakub vom Balkan und Jona aus Afrika, von Fernando aus Rumänien und Seyed aus dem iranisch-türkischen Grenzgebiet, die er alle in Steckbriefen und Anekdoten vorstellt. Und mittendrin - auch als Steckbrief - der private Podolski: verheiratet, ein Sohn, Handelsschule besucht, liebt HipHop und RnB, polnisch und kölsch. Diese Autobiografie ist anders als manche selbstverliebte Fußballererinnerung. Nicht "Ich hab's allen gezeigt" (wie Stefan Effenberg) oder sogar nur "Ich" (wie Oliver Kahn) - hier geht's um mehr - und das ist vorbildlich!

Alle Fußballer im Biografien-Blog

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Gut, besser, Best!

Fußballlegende und Lebemann: Vor zehn Jahren ist George Best gestorben. Eine Erinnerung:

Andy Welsh - http://www.flickr.com/photos/wallrevolution/68020004/in/photostream/. Licensed under CC BY 2.0
Andy Welsh - http://www.flickr.com/photos/wallrevolution/68020004/in/photostream/. Licensed under CC BY 2.0
Nationaal Archief Fotocollectie Anefo. Licensed under CC BY-SA 3.0 nl
Nationaal Archief Fotocollectie Anefo. Licensed under CC BY-SA 3.0 nl

Maradonna good, Pelé better, George Best: der Mann ist ein  Mythos, ein Idol der Insel, ein Playboy in Fußballstiefeln. Der Nordire in Diensten von Manchester United hat auf dem Rasen alles erreicht: Englischer Meister, Europapokalsieger der Landesmeister, Europas Fußballer des Jahres. Unerreicht sind seine sechs Tore in nur einem Spiel (siehe Clip). So locker und leicht sein Antritt und seine Dribblings wirken, so lässig gibt sich die Legende auch im Hotelbett, schreibt Autogramme und pflegt seinen Ruf als Lebemann: "Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst." Aber ach, wie wahr: Anders als auf dem Platz  läuft es privat nicht rund für Best. Er verfällt ähnlich wie vor ihm Helmut Rahn seinen Lastern, aus den zwei, drei Bierchen am Abend werden vier, fünf Whiskeys am Morgen. Das hält die beste Leber nicht aus. Doch selbst eine neue Leber lässt Best nicht innehalten. So wird man nicht alt. Am 25. November 2005 ist George Best im Alter von 59 Jahren gestorben - heute vor zehn Jahren.

George Bests Biografie weiterzwitschern:

Wolfgang Niersbach: Der tragische Fußball-Funktionär

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ist zurückgetreten. Das ist konsequent. Aber um Fußball geht es schon lang nicht mehr.

Foto: Smokeonthewater - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0
Foto: Smokeonthewater - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0

Nicht nur Fußballspiele können tragisch enden. Auch Fußballkarrieren.  Wolfgang Niersbach hat schon beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gearbeitet, da waren die meisten heute aktiven Fußball-Profis noch nicht auf der Welt. Über ein Vierteljahrhundert hat Niersbach im Spiel seines Leben für den deutschen Fußball gearbeitet: mit Theo Zwanziger, mit Franz Beckenbauer - auch mit Sepp Blatter. Jetzt ist das Spiel aus - und alle gehen als Verlierer vom Platz.

Wolfgang Niersbach kennt die Medien, seit er  bei der Nachrichten-Agentur Sport-Informations-Dienst gelernt und gearbeitet hat. Und Niersbach liebt den Fußball. Jahrelang hat er das Stadionheft von Fortuna Düsseldorf gemacht. Beim DFB war Niersbach Pressesprecher, Medien-Direktor und Generalsekretär. Präsident zu sein, war die Vollendung seiner Karriere als Fan und Funktionär. Sein Rücktritt ist ein Drama, zum einen für ihn selbst: Vor wenigen Wochen noch ist er als UEFA-Chef (Nachfolge Platini) oder gar als FIFA-Chef (Nachfolge Blatter) gehandelt worden. Daraus wird nichts, weil er nun genauso ins Zwielicht rückt, wie die Spitzen des europäischen und des Weltfußballverbandes - auch wenn man ihm vielleicht noch am ehesten glaubt, dass er sich "persönlich absolut nichts vorzuwerfen habe". Ganz kann das aber auch nicht stimmen. Entweder er  hat gewusst, was da im Organisationskomitee gedacht, notiert und eventuell sogar praktiziert wurde oder er hat sich jetzt eine gewisse Naivität vorzuwerfen.

Zum anderen ist es aber auch ein Drama für den DFB. Der Imageschaden für den Deutschen Fußball ist jetzt schon enorm, ganz gleich, ob die Weltmeisterschaft 2006 nun gekauft worden ist oder nicht. Wolfgang Niersbach hat jedenfalls die richtigen Konsequenzen aus den Ermittlungen zum Korruptionsskandal gezogen - anders als  Ex-Präsident Theo Zwanziger, der den Verband gezielt und systematisch beschädigt, anders auch  als der sonst so redselige Beckenbauer, der sich auffällig rar macht und ganz anders als FIFA-Patron Sepp Blatter, der viel schärfere Vorwürfe einfach aussitzt. Niersbach scheint es wirklich darum zu gehen, Schaden vom Fußball zu nehmen, unabhängig von persönlicher Verantwortung. Er darf jedenfalls nicht darauf hoffen, dass etwaiges Fehlverhalten seinerseits nun nicht aufgeklärt würde. Es ist schade, dass Wolfgang Niersbach sein Amt und wahrscheinlich auch einiges Ansehen so verliert, denn um Fußball geht es in der Nachspielzeit des Sommermärchens schon lange nicht mehr...

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Wolff Christian Fuss: Diagnose Fußball-Fieber

Wolff-Christoph Fuss (geb. 1976) erzählt aus seinem Reporteralltag

Foto: Nadine Rupp, Quelle: C. Bertelsmann

Das Warten hat ein Ende: Heute spielt Deutschland. Seit Wochen diskutieren wir Jogi Löws Truppe: Wer ist fit? Wer darf mit? Das Verletzungspech von Marco Reuss trifft das DFB-Team sicher hart. Aber auch über dem grünen Rasen müssen wir Deutschen einen echten Ausfall verkraften: Fußballreporter Wolff-Christoph Fuß arbeitet beim falschen Sender und wird daher keine Weltmeisterschaftsspiele kommentieren. Wer ihn vermisst (angesichts der Alternativen in den Kommentatorenkabinen dürften das nicht weniger Fußballverständige sein), kann die spielfreien Stunden nutzen und "Diese verückten 90 Minuten" lesen: So hat Wolff-Christoph Fuss sein erstes Buch genannt: Herausgekommen ist eine süffige Sammlung von Fußballerinnerungen mit einem Schüsschen Autobiografie. 

Wolff-Christoph Fuss

Diese verrückten 90 Minuten

Das Fuss-Ball-Buch

Erschienen bei C. Bertelsmann im März 2014. 288 Seiten kosten in der gebundenen Ausgabe 19,99 €.


Das Reden ist der Job eines Fußball-Reporters. Wolff-Christoph Fuss redet viel und gut - nur nicht über sich selbst.  Jedenfalls verliert er in seinem Fuss-Ball-Buch nur wenige Worte über seinen eigenen Werdegang in Hunderttausende von deutschen Wohnzimmern. Im Grunde beschränkt er sich darauf, die Frage zu beantworten, die er wohl am häufigsten hört: Wie wird man erfolgreicher Reporter? Wer mit einer schnellen Antwort zufrieden ist, der kann sie bei Fuss nachlesen: Es gibt keinen Königweg in die Reporterkabinen der Königsklasse. So nichtssagend diese Phrase ist, so eindrucksvoll ist die Art und Weise, in der sie Fuss erläutert - und genau darin liegt die eigentliche Antwort: Witzig, selbstironisch und mit einem sicheren Instikt für Dramatik und Pointen erzählt Wolff-Christoph Fuss seine Geschichte. Diese mitreißende Erzählgabe ist der Stoff, aus dem Reporter gemacht werden: Da ist es beinahe unwichtig, dass der 1976 geborene Fuss sein Studium abbricht, aus einem Praktikum eine freie Mitarbeit beim Deutschen Sportfernsehen (DSF) macht und zu unchristlichen Urzeiten lateinamerikanische Ligen kommentiert (nur mithilfe des Fernsehbilds). Locker und lässig, so scheint es, eignet sich Fuss in langen Fußballnächten die gleichermaßen abgeklärte und leidenschaftliche Routine an, mit der er später Champions League-Finals wie das Münchner Drama doaham kommentieren wird. Dabei ist seine praktische Ausbildung echte Kärrnerarbeit unter widrigen Bedingungen. Vom Casting weg erlebt und erzählt Fuss diese Zeit als reine Realsatire:

Es wurde ein Ritt auf der Kanonenkugel. In der Hauptrolle ein hyterisch jauchzender Jüngling, verzaubert vom Spiel und noch mehr von sich selbst, gefangen von der Atmosphäre des Fernsehbilds in einem kargen Ismaniger Tonstudio. [...] Ich wusste alles: Familienstand der Spieler, Berufe der Eltern, Stationen der Trainer, Wetter, Zuschauer, Stadionhistorie, alles, alles, alles. Ein zehnminütiges Feuerwerk der guten Laune, und alles musste sofort unter die Leute. Dann war Anpfiff...

Für den mittlerweile gefeierten Reporter sind diese Erinnerungen schmerzlich. Den Redakteuren allerdings gefällt sein Talent und der junge Heißsporn darf bleiben. In gewisserweise steigt er nun Liga für Liga auf, bis er schließlich als Livekommentator eingesetzt wird. Ab dann geht's im Fuss-Ball-Buch  konsequent um einzelne Spiele (etwa ab Seite 50). Der besondere Reiz für Fußball-Fans: Fast durchweg sind es Spiele, an die man sich wegen ihrer Bedeutung oder Dramatik ohnehin erinnert. Dadurch mischen sich eigene Erinnerungen an diese und jene verrückten 90 Minuten mit dem Anekdoten- und Hintergrundwissen des Reporters, der seine Leser mitnimmt in die Katakomben der großen europäischen Stadien und neben den eigentlichen Geschichten vom grünen Rasen die Herausforderungen rund um Liveübertragungen einfließen lässt. Das alles lässt vergangene Fußballspiele neu erstehen, man bangt mit den Bayern, man diskutiert mit Trainerlegenden, man hadert mit der Übertragungstechnik - kurzum: man lebt Fußball beim Lesen dieses Buches.

Fazit: Der Ball ist rund und das Buch dauert (gefühlte) 90 Minuten. Denn Wolff-Christoph schreibt, wie er kommentiert: Peppig (nicht nur über Guardiola), rasant und leidenschaftlich. Das sind schöne Leseminuten für Fußballfans.

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Silvia Neid: Die (fast) Unbesiegbare

Silvia Neid (geb. 1964) ist deutsche Fußballnationaltrainerin.

Silvia Neid, Foto:  xtranews.de, Lizenz: CC-BY-2.0
Silvia Neid, Foto: xtranews.de, Lizenz: CC-BY-2.0

Sie ist das Gesicht des deutschen Frauenfußballs: Silvia Neid. Wann immer die DFB-Kickerinnen einen großen Titel geholt haben, war Silvia Neid dabei: zuerst als Spielerin, dann als Trainerin. Europameisterin ist sie fast im Abonnement, auch zur Weltmeisterschaft hat sie die deutschen Fußballfrauen schon geführt. Heute feiert sie ihren 50. Geburtstag.

Silvia Neid wird am 2. Mai 1964 in Walldürn (bei Karlsruhe) geboren. Von Kindesbeinen an spielt sie leidenschaftlich und ausgezeichnet Fußball. Noch ist nicht zu erahnen, dass sie aus dieser Passion einmal eine Profession machen kann. Der Frauenfußball steckt Anfang der 1970er Jahre wie Silvia Neid selbst noch in den Kinderschuhen. Nach der Schule lernt Neid, wie man Wurst und Fleisch verkauft - eine zeitlang jobbt sie auch im Blumenladen. Das sind aber nur Übergangslösungen. Silvia Neid bleibt am Ball und schafft beim SSG 09 Bergisch Gladbach den Durchbruch: Nach der Deutschen Meisterschaft und dem Pokalsieg wechselt sie Mitte der 1980er Jahre zum TSV Siegen. Dort reift sie zur Seriensiegerin und setzt sich auch in der Nationalmannschaft durch: Mit 48 Tore in 111 Spielen stellt sie sich selbst das Zeugnis einer Führungskraft aus. Nach ihrer aktiven Karriere verlässt Silvia Neid den grünen Rasen nicht - sie wechselt nur auf die andere Seite der weißen Kreidelinie. Im Trainerstab macht sie die ganz große Karriere. Sie formt aus einer sehr guten Mannschaft eine konstante Elf auf Weltklasseniveau. Wieder folgt Titel auf Titel. Aber oben wird die Luft dünn und selbst die große Silvia Neid ist nicht ganz unbesiegbar: Als die DFB-Frauen bei der WM im eigenen Land 2011 überraschend früh ausscheiden, gerät die Trainerin sofort in die Kritik. Aber die Frauen scheinen nicht so schnell die Nerven zu verlieren wie die Männer. Neid bleibt Trainerin und wird zwei Jahre später zum zweiten Mal zur FIFA-Trainerin des Jahres gewählt. Silvia Neid weiß also, wie man aus einer Krise gestärkt hervorgehen kann. Vielleicht sollte sie Pep Guardiola mal zum Abendessen einladen? Silvia Neid würde wohl nicht ablehnen, denn sie schätzt den smarten Bayern-Coach (siehe Clip).

Silvia Neids Biografie weiterzwitschern:

Toni Schumacher: Glanzparaden und Skandale

Toni Schumacher (geb. 1954) war deutscher Nationaltorwart

 © Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0
© Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0

Er war ein Typ im Tor: Harald "Toni" Schumacher. Auf dem grünen Rasen stand er zwischen den Pfosten des 1. FC Köln und hütete den Kasten der deutschen Nationalmannschaft. Außerhalb machte Schumacher vor allem mit seiner Enthüllungsautobiografie "Anpfiff" Schlagzeilen. Heute wird er 60 Jahre alt.

Geboren und aufgewachsen ist Schumacher als echtes Arbeiterkind in Düren. Bei seinem Heimatverein Schwarz-Weiß probiert sich der kleine Harald auf allen Positionen aus und stellt sich schließlich zwischen den Pfosten. Dort macht seine Sache so gut, dass der große 1. FC Köln bei dem Teenager anklopft. Mutter Schumacher öffnet die Tür und vertröstet die Talentscouts: Erst soll der Harald mal eine anständige Lehre machen. Die Kölner nicken verständig, warten ab und stehen zwei Jahre später wieder auf der Matte. Diesmal schlägt Schumacher, der frisch gelernte Kupferschmied, ein und unterschreibt seinen ersten Profivertrag.


In Köln gibt es schon einen Harald (Konopka) und kurzerhand macht man den jungen Torhüter zum Toni. Die Bundesliga-Karriere startet auf der Ersatzbank. Aber Schumacher ist ambitioniert, um nicht zu sagen: verbissen ehrgeizig. Er trainiert hart (und wie in seiner gesamten Karriere ohne Rücksicht auf Verletzungen). Bald erarbeitet er sich einen Stammplatz, den er lange innehat. 422 Mal läuft er für den FC auf - das ist Vereinsrekord. Es sind goldene Jahre für den 1. FC Köln und seinen Keeper: Dreimal holen sie den DFB-Pokal, zweimal werden sie Deutscher Meister. 1978 gewinnt die Geißbock-Elf das Double (unter dem Trainer Hennes Weisweiler). Toni steigt zum Nationaltorhüter auf. Aber auf international läuft es nicht ganz so gut: Schumacher ist so etwas wie der Vize-Toni: Im UEFA-Pokalfinale scheitern der FC und er an Real Madrid und mit der DFB-Auswahl verliert er zwei Weltmeisterschaftsendspiele (in Spanien 1982 und in Mexiko 1986). Noch mehr verliert er in der Nacht von Sevilla: seinen guten Ruf. Bei einer waghalsigen Abwehraktion trifft er den französischen Stürmer Patrick Battiston so hart, dass der zwei Zähne und das Bewusstsein verliert. Schumacher entschuldigt sich nicht. Nach dem Abpfiff bietet er gewollt lässig an, die Jacketkronen zu bezahlen. Ein ungeheurer Hass entlädt sich auf den "hässlichen Deutschen". Erst im Nachhinein söhnen sich die beiden Fußballer aus. Seinen größten Skandal landet Schumacher allerdings nicht auf dem Platz, sondern am Schreibtisch. Scham- und schonungslos schreibt er über Missstände im Profifußball: Er enthüllt den alltäglichen Dopingeinsatz und prangert faule und selbstgefällige Kollegen an (Olaf Thon zum Beispiel). Auch die Nationalmannschaftskameraden müssen Peinliches aus dem Trainingslager lesen: "Nicht selten wurde um 20.000 bis 30.000 Mark gepokert. Andere bumsten bis zum Morgengrauen und kamen wie nasse ­Lappen zum Training gekrochen. Wieder andere gossen reichlich Whisky in sich rein, schlimmer als Quartalssäufer." Diese brechend ehrliche Analyse in bestem Stammtischplauderton kommt nicht gut an (das Buch ist trotzdem bis heute ein Hochgenuss). Beim 1. FC Köln und bei der Nationalmannschaft wird er vor die Tür gesetzt. Nach einem traurigen Intermezzo auf Schalke (Abstieg) startet Toni Schumacher in der Türkei noch einmal durch, ehe er als spielberechtigter Torwarttrainer in Dortmund die Handschuhe an den Nagel hängt. Ein Skandälchen gibt es auch vom Trainer Schumacher zu berichten: Bei Fortuna Köln hat er kein Glück - und wird in der Halbzeitpause gefeuert. Dafür gibt es ein Happy-End in der Beziehung zum geliebten FC. Seit 2012 ist er dort wieder willkommen und verantwortet als Vizepräsident den Aufgabenbereich Sport. Und wieder bewahrheitet sich das kölsche Grundgesetz: Et hätt noch emmer jott jejange!

Franck Ribéry: Europas Fußballer des Jahres

Foto: Football.ua. Licensed under CC BY-SA 3.0
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Er war der erste Franzose auf dem bayrischen Thron: Franck Ribéry. Jetzt hat er eine weitere königliche Weihe empfangen. Ribéry ist in Monte Carlo zu Europas Fußballer des Jahres gekürt worden. Seine bayrische und europäische Herrschaft sind zwar nicht von Gottes, sondern nur von Sponsors Gnaden (siehe Bild) beziehungsweise dank der meisten Stimmen von 53 wahlberechtigen Sportjournalisten; aber im Profifußball sind Werbung und Medien ja ohnehin zumindest Halbgötter. Dabei ist Ribéry keineswegs königlich aufgewachsen. Seine Kindheit ist von einem Autounfall überschattet, der schon den Zweijährigen für mit Narben für das Leben zeichnet. Auch die Karriere startet holprig: Selbst als sich bereits abzeichnet, dass Ribéry das Zeug zum Profifußballer hat, da muss er sich noch mit Gelegenheitsjobs auf dem Bau über Wasser halten. Beim FC Metz gelingt ihm dann der Durchbruch, es folgen Stationen bei Galatasaray Istanbul und Olympique Marsaille, ehe Ribéry 2007 in München gekrönt wird. Selbst mit seinem großen Vorbild Zinedine Zidane spielt er zusammen. Denn wenn er gerade mal nicht im blauen Samt des Märchenkönigs Ludwig und mit dem Eckfahnenzepter vom Werbeplakat an der Münchner Theatinerkirche grüßt, dann wirbelt der kleine Franzose für die französische Nationalmannschaft und im roten Leibchen des deutschen Rekordmeisters die linke Außenbahn auf und ab: Kaiser Franz (Beckenbauer) schwärmt von seinem blaublütigen Kollegen im Dress des FC Bayern:  „Ich weiß nicht, wie viele Lungen er hat. Er hat sicher drei Pferdelungen. Das gibt es nicht. Er geht in jedem Spiel bis ans Maximum. Seine Spielweise, seine Leichtfüßigkeit, in jedem Zweikampf kriegt er eine mit. Und trotzdem setzt er sich durch. Was das Kraft kostet, ist unglaublich.” Und König Franck weiß, wie man sich in München die Untertanen-Fans erhält: "Ich habe noch nie in meinem Leben so ein gutes Gefühl gehabt wie hier in dieser Stadt, in diesem Verein. Es ist meine zweite Heimat." Das kommt an und da werden ihm manche Sünden gerne vergeben: Mal sind das unkontrollierte Frust-Fouls, mal private Unpässlichkeiten wie die Sex-Affaire mit einer minderjährigen Prostituierten. Dabei ist der bekennende Muslim Ribéry (muslimischer Name: Bilal Yusuf Mohammed) mit Wahiba verheiratet und hat mit ihr drei Kinder. Seine Familie und seine Fans aber sind ihm treu geblieben und er dankt es mit guter Laune (siehe Clip) und Toren. Was für ein Jahr für Franck Ribéry: Im April hat er seinen 30. Geburtstag gefeiert, die schönsten Geschenke waren die Deutsche Meisterschaft, der DFB-Pokal und die Championsleage. Nach dem Londoner Finale gegen Borussia Dortmund musste er den Henkel-Pott noch mit seinen Mannschaftskameraden teilen. Die Trophäe des europäischen Fußballers des Jahres gehört ihm seit heute ganz alleine.

Franck Ribérys Biografie weiterzwitschern:

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14. Aug. 2003: Helmut Rahn (†)

Bundesarchiv, Bild 183-41853-0007 / Franck/Opitz / CC-BY-SA 3.0
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www.rot-weiss-essen.de
Nijs, Jac. de / Anefo - Dutch National Archives. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 nl

Er war einer der Helden von Bern: Helmut Rahn.  Im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 hat die deutsche Elf völlig unerwartet einen 0:2-Rückstand gegen die favorisierten Ungarn aufgeholt. Nach einem Eckball von Fritz Walter war es Rahn, dem der Ausgleich gelungen ist. Geschichte schreibt er aber vor allem mit seinem zweiten Tor in diesem Finale. Wir schreiben die 84. Spielminute. Im Berner Wankdorfstadion regnet es in Strömen. Zuhause, in den trockenen Wohnstuben, lauschen Millionen an den Radiogeräten, wie Herbert Zimmermann die Sekunden kommentiert, die Helmut Rahn zu Weltruhm verhelfen: "Schäfer nach innen geflankt – Kopfball – abgewehrt – aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt! – Tooooor! Tooooor! Tooooor! Tooooor!" (siehe Clip).

Helmut Rahn ist 1929 in Essen geboren. In seinen Sonntagsschuhen (andere hat er nicht)  bestreitet er sein erstes Fußballspiel für die Jugend von Altenessen 12  – und schießt prompt drei Tore. Das macht Lust auf mehr und schon bald buhlen die Essener Stadtteilklubs um den stets gut gelaunten Draufgänger, dessen linke Klebe den gegnerischen Torwart schon mal sechs Zähne kosten kann. Es dauert nicht lange, da nennt man ihn den "Boss". Über den SC Oelde und Essen-Katernberg führt ihn der Weg zu Rot-Weiß Essen.  „Man merke sich den Namen Rahn“, schreibt die Zeitung. Einer merkt sich den Namen ganz genau: der Bundestrainer - und so wird Helmut Rahn zum Nationalspieler. Die rechte Außenbahn ist sein Revier, sein Hobby aber ist das Toreschießen. Dieses eine Tor aber, das 3:2-Siegtor gegen Ungarn, wird dem Feierbiest zum Verhängnis. Immer wieder wollen alte und neue Freunde mit ihm ein Pilsken trinken:  "Helmut, erzähl' mich dat dritte Tor..." Der Boss bestellt dann Schnäpse, stellt das Tor mit den leeren Gläschen auf dem Tresen nach, immer und immer wieder. Das hat ähnliche Folgen wie bei George Best


Er fährt seinen Wagen betrunken in eine Baugrube, verprügelt die herbeigerufen Polizisten, gerät ins Gefängnis - und in Vergessenheit. Heute vor zehn Jahren, am 14. August 2003, ist der Mann, der Deutschland aus dem Nachkrieg schoss, einsam und verbittert gestorben. Wenigstens der Pfarrer hat bei der Beisetzung das Wesentlichge gesehen. "Helmut Rahn war mehr als jene Sekunde..."

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9. Aug. 1938: Otto Rehhagel (*)

Thomas Hilmes / http://www.der-betze-brennt.de. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de
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Beek100derivative work: Joyborg (talk) - Otto_Rehhagel_01.jpg. Licensed under CC BY-SA 3.0
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Er ist ein Kind der Bundesliga: Otto Rehhagel. Im Ruhrpott geboren, macht Rehhagel als beinharter Verteidiger erst beim Zechen-Betriebssportverein TuS Helene 28, dann beim berühmten Rot-Weiß Essen auf sich aufmerksam, wo kurz zuvor noch Helmut Rahn gekickt hatte (der mit dem Siegtor beim Wunder von Bern). Rehhagel glaubt an sich will früh hoch hinaus: Ich werd' es zu was bringen. Für mich gibt es nur Fußball. Und wenn es die Bundesliga gibt, bin ich dabei, dann steig' ich da ein.“ Und tatsächlich: Pünktlich zum Ligastart vor einem halben Jahrhundert (Saison 1963/64) heuert Rehhagel bei Hertha BSC Berlin an und startet damit in eine 50jährige Doppelkarriere als Spieler und Trainer. Die Ausbildung zum Fußball-Lehrer absolviert er Anfang der 1970er Jahre bei Hennes Weisweiler. Obwohl er fast die halbe Bundesliga trainiert hat (Kickers Offenbach, Borussia Dortmund, Arminia Bielefeld und Fortuna Düsseldorf), ist sein Name vor allem mit zwei Vereinen verbunden: mit Werder Bremen und mit dem 1. FC Kaiserslautern. 

An der Weser wird Rehhagel zum Dauerbrenner (1981-1995) und anvanciert zum Fußball-Monarchen. König Otto, wie er bald gerufen wird, holt Meisterschaften und Pokale nach Bremen (sogar den Europapokal der Pokalsieger). Auch außerhalb des Platzes macht Rehhagel von sich reden. Seine markigen Sprüche sind bald sein Markenzeichen: "Die sollen sich nicht so anstellen", weist er Journalisten bei der Frage nach dem hohen Krankenstand seiner Spieler zurück, "bei mir zählen nur glatte Brüche als Verletzungen." Wer den Mund vollnehmen so kann, der ist wie gemacht für den Job des Trainers von Bayern München. Dort aber scheitert er schon nach einer Saison (1995/96). "Otto Rehhagel ist ein guter Trainer für einen Provinzverein wie Kaiserslautern oder Werder Bremen", ätzt Bayern-Manager Uli Hoeneß, "aber nicht für einen Weltverein wie Bayern München." Kaiserslautern - gerade  abgestiegen - nimmt Rehhagels Dienste gerne an. Der direkte Wiederaufstieg ins Fußball-Oberhaus gelingt wie erhofft. Was aber dann folgt, ist ein Fußballmärchen. Am 1. Spieltag der Saison 1997/98 müssen Rehhagels Rote Teufel ausgerechnet im Münchner Olympiastadion ran. In der 80. Spielminute nimmt die Sensation ihren Lauf. Michael Schjönberg schießt das Siegtor für die Lauterer (siehe Clip).


Nicht nur diese Revanche-Schlacht entscheidet König Otto für sich - auch der Krieg wird gewonnen: Der Aufsteiger vom Betzenberg wird Deutscher Meister 1998. Noch einmal gelingt Otto Rehhagel ein solches Schelmenstück: Bei der Europameisterschaft 2004 führt er die griechischen Außenseiter zum Titel. Dass ihm dabei veralteter und langweiliger Defensiv-Fußball vorgeworfen wird, lässt den gelernten Verteidiger kalt: "Die Entscheidungen, die ich treffe, sind immer richtig!" Die letzte (bislang) Karrierestation hat den alten Meister zurück zur Alten Dame Hertha geführt. Auch wenn er deren Abstieg vor einem Jahr nicht hat verhindern können, wird Rehhagel immer ein Großer der Bundesliga bleiben. Heute, am ersten Spieltag der Jubiläumssaison, feiert Rehhagel sein eigenes Jubiläum, denn vor 75 Jahren ist Otto Rehhagel geboren worden.

Übrigens: Wer jetzt schon wissen will, wer der nächste Deutsche Meister wird und welche Trainer gehen müssen, der nehme sich Otto Rehhagel zu Herzen (siehe Clip):

Otto Rehhagels Biografie weiterzwitschern:

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Zinedine Zidane: Frankreichs Fußballgott

Raphaël Labbé - Zinedine Zidane. Licensed under CC BY-SA 2.0
Raphaël Labbé - Zinedine Zidane. Licensed under CC BY-SA 2.0

Er führte Frankreich zum ersten Fußball-Weltmeistertitel: Zinedine Zidane. 1997/98 ist die Saisons seines Lebens: Der geniale Mittelfeldstratege mit dem Spitznamen Zizou gewinnt so ziemlich alle Auszeichnungen, die man auf dem grünen Rasen gewinnen kann. Mit Juventus Turin holt er die italienische Meisterschaft und daneben feiern ihn Frankreich, Europa und die Welt jeweils als ihren Fußballer des Jahres. Der größte Triumpf für den Sohn algerischer Einwanderer aber ist die Weltmeisterschaft im eigenen Land. Schon in der Vorrunde drehen les Bleus (die Blauen) auf: Südafrika, Saudi-Arabien werden abgefertigt, mit Dänemark tut man sich schwerer. Das liegt auch daran, dass der Heißsporn Zidane im zweiten Gruppenspiel völlig überflüssig die Sense auspackt und dafür die rote Karte sieht - insgesamt fliegt Zizou in seiner Karriere sage und schreibe 15 Mal vom Platz. Auch im Achtelfinale gegen Paraguay ist es ohne Zidane knapp. Danach darf er wieder mitkicken und dabei helfen, Italien aus dem Turnier zu kegeln. im Halbfinale unterliegt Kroatien. Das Endspiel im heimischen Stade de France wird zur großen Gala der Équipe Tricolore: 3:0 fegen die Gastgeber den amtierenden Weltmeister Brasilien vom Platz - Zidane selbst steuert zwei Tore bei. Beinahe gelingt ihm dieses Kunststück acht Jahre später ein zweites Mal. Mittlerweile läuft Zidane für Real Madrid auf. Die Königlichen hatten über 70 Millionen Euro Ablöse locker gemacht - der bis dahin teuerste Transfer aller Zeiten. Der französischen Nationalmannschaft hat er trotz eines zwischenzeitlichen Rücktritts die Treue gehalten - mit durchschlagendem Erfolg: Beim deutschen Sommermärchen stehen sich Franzosen und Italiener im Weltmeisterschaftsfinale in Berlin gegenüber. Wieder hat Zizou alle Fachleute überzeugt und ist schon vor dem Anpfiff zum Spieler des Turniers gewählt worden. Jetzt freut er sich auf sein letztes Länderspiel - auch das hat er vor Spielbeginn angekündigt. Einen denkwürdigeren Abgang kann man sich kaum vorstellen. Alles beginnt nach Plan: Der geniale Techniker Zizou schlenzt einen dreist-verwegenen Elfer unter die Latte und bringt die Franzosen in Führung (siehe erster Clip).

Dann aber zeigt Zidane auch seine dunkle, launische, cholerische Seite. Eine kleine Rangelei mit dem italienischen Innenverteidiger Marco Materazzi hat große Folgen. Materazzi ruft dem Franzosen eine unflätige Bemerkung über dessen Schwester hinterher - und Zidane sieht erst rot, dann Rot. Ein wuchtiger Kopfstoß fällt den Italiener und lässt dem Schiedsrichter keine Wahl. Er beendet Zidanes Karriere mit einem Platzverweis (siehe zweiter Clip). Besser kann ein einziges Spiel die Karriere dieses Ausnahmefußballers nicht zusammenfassen. Höhepunkt dieser Laufbahn aber war und bleibt der Weltmeistertitel, den Zidane am 12. Juli 1998 gewonnen hat - heute vor 15 Jahren.

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Hennes Weisweiler: Der Meistertrainer

Foto: J. Küch. Lizenziert unter CC BY 3.0
Foto: J. Küch. Lizenziert unter CC BY 3.0

Er formte die legendäre Fohlen-Elf: Hennes Weisweiler. Als der Trainer die junge Mannschaft von Borussia Mönchengladbach Mitte der 1960er Jahre übernimmt, ist er schon eine mittelgroße Nummer im deutschen Fußball. Die aber ist er ausgerechnet beim rheinischen Rivalen aus Köln geworden. Dort ist Weisweiler 1919 geboren und aufgewachsen, dort hat er  in Vororten und Stadtteilen früh Erfahrungen in verschiedenen Vereinen gesammelt und dort ist er an der Sporthochschule zum Fußballlehrer ausgebildet worden. Da er zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal 30 Jahre alt ist, läuft er bald als Spielertrainer für den 1. FC Köln auf. In den späten 1940er Jahren feiert er seine ersten Erfolge: die Meisterschaft in der Rheinbezirksliga und den Aufstieg in die Oberliga. Die Kölner setzen ihm ein eigenwilliges Denkmal: Als ein Zirkus dem FC einen Geißbock als Maskottchen schenkt, benennen sie ihn (wie alle seine Nachfolger) nach dem Trainer: Hennes. Dabei ist schon der erste Hennes länger im Amt als sein Namesvetter auf der Trainerbank. Anfang der 1950er Jahren bleiben der Erfolg und Weisweilers Vertragsverlängerung aus. Das spornt den Ehrgeiz des jungen Trainers an: "Zeige mir einen zufriedenen Zweiten, und ich zeige dir einen ewigen Verlierer." Weisweiler ist kein Verlierertyp. Um in die Erfolgsspur zurückzukommen, begibt er sich als Assistent in die praktische Ausbildung bei Deutschlands oberstem Fußballlehrer: Sepp Herberger. Der hatte gerade mit der Nationalmannschaft um Fritz Walter und Helmut Rahn das Wunder von Bern geschafft und Deutschland zum Weltmeister gemacht. Aber auch hinter Herberger will Weisweiler kein Zweiter sein. Deshalb kehrt er nach kurzer Zeit nach Köln zurück, wo er zunächst wieder beim FC anheuert, dann bei Victoria Köln. Der große Durchbruch aber gelingt in Mönchengladbach. Weisweiler übernimmt 1964 eine geschwächte Regionalligamannschaft, setzt auf junge Talente wie Günther Netzer (damals gerade 20 Jahre alt) und hat damit Erfolg. Die Elf vom Niederrhein steigt in die Bundesliga auf (1965), gewinnt die Meisterschaft (1970 und 1971), den DFB-Pokal (1973) und den UEFA-Pokal (1975). Weisweilers Erfolgsrezept ist es, seine zu Weltstars gereiften Jugendspieler auf dem Boden zu halten. Selbst den genialen Gladbacher Passgeber Güntzer Netzer hat Weisweiler im Griff. "Abseits ist, wenn das lange Arschloch zu spät abspielt." Nun ist der Meistertrainer auf dem Zenit. Beim FC Barcelona sammelt er erste Auslandserfahrung, um später seine Bundesliga-Karriere dort ausklingen zu lassen, wo sie begann: beim 1. FC Köln. Wiederum holt er beide nationalen Titel - und wiederum zieht es ihn in die Ferne: Nach New York und Zürich. Doch aus dem anvisierten Lebensabend in der Schweiz wird nichts. Am 5. Juli 1983, heute vor 30 Jahren, stirbt der 63jährige Weisweiler. Er bleibt über den Tod hinaus einer der größten deutschen Fußballlehrer.

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Fritz Walter: Der Ehrenspielführer

Bundesarchiv_Bild_183-41853-0008. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0
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Die Pfalz war seine Heimat, der Fußball sein Leben: Fritz Walter. Obwohl ihm der Zweite Weltkrieg die besten Sportlerjahre raubte, avancierte der bescheidende und bodenständige Walter zum Jahrhundertkicker, der zeitlebens nur für kaum mehr als drei Mannschaften auflief - allen war er Kapitän: Sein Herz hing am 1. FC Kaiserslautern, für den er fast 400 Spiele machte und mit dem er 1951 und 1953 Deutscher Meister wurde. Seine Freiheit erspielte er sich im dramatischen Kräftemessen einer Kriegsgefangenen-Elf gegen ungarische und slowakische Wachsoldaten. Seinen Weltruhm verdankte er dem Weltmeistertitel 1954 mit der deutschen Nationalmannschaft (und mit Helmut Rahn). Fritz Walter ist seinen Mannschaften auch verbunden geblieben, als er sie nicht mehr selbst aufs Feld führte: Als DFB-Ehrenspielführer war er Sympathieträger des deutschen Fußballs in der ganzen Welt. Das Stadion auf dem Kaiserslauterer Betzenberg trägt Fritz Walters Namen und als Botschafter der Sepp-Herberger-Stiftung half er mit, Gefangene wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Am 17. Juni 2002, heute vor zehn Jahren, ist Fritz Walter gestorben. 


Übrigens: Heute kümmert sich die Fritz-Walter-Stiftung um die sozialen Projekte und die Nachwuchsförderung, die dem Jahrhundertfußballer immer am Herzen lagen. Mit einem Klick auf das Logo geht's zur Stiftung...

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