Raymond Unger: Lange Schatten des Krieges

Raymond Unger leidet unter den Kriegstraumata seiner Familie und arbeitet sie in Gemälden und zwischen Buchdeckeln auf.

Raymond Unger
Lizenz: Raymond Unger

Am Volkstrauertag gedenken wir den Opfern der Kriege. Nicht alle sind im Feld gefallen oder in den Bombennächten umgekommen. Manche Kriegsgeschädigte haben selbst gar keinen Waffengang erlebt - so wie Raymond Unger. Der Maler nennt sich Kriegsenkel arbeitet und die Traumata seiner Vorfahren auf.

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An Krisen und Katastrophen mangelt es nicht in Raymond Ungers Familienchronik: Ein Großvater erleidet im ersten Weltkrieg erst im Schützengraben, dann im U-Boot schwerste Verwundungen, eine Großmutter wird erst als ihrer Heimat (der Wölfe) in Bessarabien umgesiedelt, und dann vertrieben. Ein Onkel erlebt, wie Hamburg ausgebombt wird, der Vater ertränkt die Erinnerungen an Krieg und Elend im Alkohol, während die Mutter eine Affäre mit dem Nachbarn beginnt. Die Cousine, die all das Elend eigentlich schon überwunden und sich einen Millionär mit Villa in Italien geangelt hat, geht fremd, verliert ihr Leben im Luxus und stirbt früh.

So eine Familiengeschichte härtet ab. Tatsächlich sieht Raymond Unger nicht gerade sensibel aus. Sein grimmiger Blick hat etwas bedrohliches, seine Glatze und sein angegrauter Vollbart verleihen ihm ein markantes, selbstsicheres Erscheinungsbild. Auch viele seiner Bilder kommen düster, aggressiv oder blutrünstig rüber (hier geht’s zur Galerie auf der Künstlerhomepage). Zwischen den Buchdeckeln seiner Autobiografie zeigt sich Raymond Unger ganz anders: Verunsichert und verstört, verletzlich und auch ein bisschen verbittert. Er nimmt sich seiner tragischen Familiengeschichte an, um sie endlich zu überwinden.

Bessarabische Bäuerinnen bei der Ernte (Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F016200-34 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0)
Bessarabische Bäuerinnen bei der Ernte (Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F016200-34 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0)

Für Raymond Unger sind die verdrängten Erlebnisse seiner Familie von klein auf präsent. Seine Eltern findet er wenig empathisch, der Vater habe sogar seine Tauben mehr geliebt als seine Kinder. Unger bricht für alle seine Vorfahren das Schweigen und erzählt in fesselnder Sprache von den kleinen und großen Fehlern und dem Versagen seiner Angehörigen. Der Vorwurf wiegt schwer: Traumata seien nicht aufgearbeitet, sondern verschleppt und vererbt worden: Von der Kriegsgeneration an deren Kriegskinder bis hin zum ihm, dem Kriegsenkel, der in Bildern und Büchern die Scherben aufkehren muss (auch viele von Ungers Bildern wirken wie Scherben-Mosaike). In kurzen, nicht chronologisch angeordneten Kapiteln, die kollektiven Erinnerungsfetzen gleichen, wühlt sich Unger durch die einzelnen Episoden und Anekdoten seiner Familienvergangenheit. Dabei überlässt er es seinen Leserinnen und Lesern, sich ein Gesamtbild zu verschaffen – das macht die Lektüre nochmals lebendiger und spannender. Recht nüchtern berichtet Unger auch davon, dass er selbst kurz davor gewesen ist, auf die schiefe Bahn zu geraten. 

Nicht immer kann man sich des Eindrucks einer emotionalen Abrechnung erwehren. Das ist einerseits verständlich, andererseits scheinen manche angedeutete Zusammenhänge zwischen den Lebensgeschichten von drei Generationen etwas zu sehr aus der Gegenwart gedacht. Bis zum zweiten Weltkrieg hat jede Generation mindestens einen Krieg erlebt. Kriegserlebnisse wurden hingenommen. Eine professionelle psychologische Aufarbeitung ist nicht nur unüblich, sondern auch weitgehend unbekannt gewesen. Auch die beiden vorangegangenen Generationen, vor allem die Kriegskinder, sind in gewisser Weise Opfer. Ihre eigene Hilflosigkeit und Ohnmacht in Sachen Aufarbeitung – unter der sie wahrscheinlich selbst schwer gelitten haben - macht sie nicht zwingend zu verantwortlichen Mittätern. Das heißt nicht, dass die Kriegsenkel nicht auch ein schweres Päckchen zu tragen haben. Aber dieses Päckchen ist ihnen genauso ungerechterweise auferlegt worden, wie ihren Eltern (über die Verantwortung der Kriegsgeneration muss natürlich anders nachgedacht werden). Vielleicht hätte Raymond Unger etwas weniger in Kategorien von Schuld und Verantwortung denken können. Denn darauf aufmerksam zu machen, das längst nicht alle Wunden verheilt sind und dass es einer vernünftigen Aufarbeitung bedarf, ist ein großes Verdienst von Raymond Unger. Er hat ein heißes Eisen angepackt und auf berührende Art bearbeitet.

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Franco: der gnadenlose Generalissimus

Francisco Franco spaltet die Spanier bis heute. Man ist für oder gegen ihn. Ein Biograf wagt sich jetzt zwischen die Fronten.

Bundesarchiv, Bild 183-H25224 / Unbekannt / CC-BY-SA 3.0
Bundesarchiv, Bild 183-H25224 / Unbekannt / CC-BY-SA 3.0

Die Ruinen des spanischen Baskensstädtchens Gernika lassen keinen Zweifel: Dem aufständischen General Francisco Franco ist jedes Kriegsmittel recht, um die Republik zu stürzen. Er lässt sich sogar von Hitler helfen. Hitler schickt die Bomber, die im spanischen Bürgerkrieg wehrlose und zivile Ziele wie Gernika in Schutt und Asche legen. Franco geht im spanischen Bürgerkrieg - dem Kampf des Faschismus gegen die Demokratie - über die Leichen seiner Landsleute. Wenige Jahre später hat Franco seine Mission erfüllt: Spanien liegt ihm zu Füßen (auf oder unter der Erde) und aus dem General ist der Generalissimus und sogar der Caudillo geworden - der Führer. 

Franco Biografie

Lizenziert unter Gemeinfrei
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Franco, Jahrgang 1892, ist ein geborener Militär. Der Vater ist Marineoffizier und er selbst zieht in jungen Jahren mit der Fremdenlegion nach Afrika. Die Fronterlebnisse auf dem schwarzen Kontinent prägen ihn: Gewalt ist das Mittel seiner Wahl, und jeder Gegner ist ein Feind. Aber um Afrika geht es ihm nicht. Es geht ihm um Spanien, seine geliebte und glorifizierte Heimat. Franco leidet unter dem Bedeutungsverlust, den die einstige Weltmacht erlitten hat (zum Beispiel im Kampf mit England). Er fühlt sich berufen und als Militär gewissermaßen verpflichtet, sein Land zu altem Glanz zurück zu führen. Historische Größe erringt er dabei nur scheinbar: Vier Jahrzehnte herrscht er als Diktator über Spanien und gibt sich genauso so prunkvoll, absolut und unnahbar wie die großen Könige der ruhmreichen spanischen Vergangenheit. Dafür hassen ihn die einen, dafür verehren ihn die anderen. Franco selbst schafft was längst nicht allem Tyrannen vergönnt ist: Er wird nicht umgebracht und muss keinen Selbstmord begehen. Sein natürliches Ende 1975 macht es möglich, dass er seinen Bürgerkrieg bis heute führen kann - nunmehr als Mythos und unter anderem zwischen den Buchdeckeln vieler Biografien.

Biografie Besprechung

Klick aufs Cover: Direkt zum Verlag
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Als Mythos ist Franco in kollektiver Erinnerung, bei der Wirklichkeit und Vorstellung ineinander fließen. Daran hat Franco selbst kräftig mitgewirkt und dabei wirkmächtige Legenden gestrickt: Zum Beispiel habe er nur zu den Waffen gegriffen, um Spanien vor dem Kommunismus zu schützen. Und Hitler habe er heldenhaft getrotzt, um Spanien nicht in den Zweiten Weltkrieg zu verwickeln. Carlos Collado Seidel lässt sich davon nicht beeindrucken - und auch nicht von den vielen Vertreufelungen Francos. Im Krieg der Deutungen ist er so etwas wie der Kriegsberichterstatter. Er lässt die Stimmen von Francos Freunden und seinen Feinden zu Wort kommen und ordnet sie in den geschichtswissenschaftlichen Forschungsstand ein. Demnach war Spanien weder kurz davor, vom Kommunismus überrollt zu werden, noch hat Franco Hitler aus freien Stücken widerstanden: Spanien war, so der Tenor, einfach nicht in der Lage, Krieg zu führen. Solche unaufgeregten Analysen haben selten das Zeug zum Personality-Thriller, aber sehr wohl  zu einer Gesamtschau auf Leben und Wirken Francos. Und obwohl dieses Buch ganz sicher eher für Wissenschaftsregale geschrieben ist, reiht es sich auch prima zwischen populäre Biografien ein: Seidel hat ein nüchternes, aber keineswegs trockenes Franco-Portrait geschrieben, in dem Lebens- und Zeitgeschichte verwoben sind.  

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Das autobiografische Testament

Vier ehemalige KZ-Häftlinge erzählen über ihre Zeit in Ausschwitz



Collage aus Portraitfotos von Christa Spannbauer und „Bundesarchiv Bild 175-04413,  Stanislaw Mucha / CC-BY-SA 3.0
Collage aus Portraitfotos von Christa Spannbauer und „Bundesarchiv Bild 175-04413, Stanislaw Mucha / CC-BY-SA 3.0

Esther Bejarano verlebt eine Kindheit voller Musik. Ihr Vater ist Oberkantor einer jüdischen Synagoge in Deutschland. Sie spielt gerne Klavier, sie liebt es zu singen. In Ausschwitz rettet ihr die Musik das Leben - auf grauenvolle Weise. Auf dem Akkordeon muss die Teenagerin Tausenden von Todgeweihten auf ihrem Weg in die Gaskammern aufspielen. Es sind ihre schlimmsten Erinnerungen an das Konzentrationslager. Und doch bleibt die Freude an der Musik. Heute singt mittlerweile über 90 Jahre alt Powerfrau in einer  Hip-Hop-Band gegen das Vergessen und für ein Erinnern ohne Verbitterung.

Freundschaft selbst in dunkelsten Zeiten

Esther Bejarano ist eine von vier Überlebenden des Völkermords an den Juden im Zweiten Weltkrieg, die ein berührendes Zeugnis abgelegt haben. In einem Filmprojekt und in einem autobiografischen Sammelband erzählen Éva Pusztai-Fahidi, Yehuda Bacon, Greta Klingsberg und Esther Bejarano von der schlimmsten Zeit ihres Lebens. Diese Erinnerungen fallen nicht leicht. Alle vier stellen sich dem Schmerz, den verdrängten Ängsten und der Wut auf die Täter. Ausschwitz als größtes Verbrechen der Menschheitsgeschichte kann nicht nur in Prozessen wie jüngst gegen die KZ-Aufseher Oskar Groening und John Demjanjuk aufgearbeitet werden. Es sind die Lebensgeschichten der   Millionen von Opfern, die die gewaltige Dimension dieses Verbrechens erfahrbar machen und lebendig halten - in den Erinnerungen der Überlebenden. Genau das haben sich diese Vier vorgenommen. 70 Jahre sind vergangen, die vier haben nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager ganz unterschiedliche Lebenswege als Künstler, Wissenschaftler und Unternehmer eingeschlagen. Dennoch eint sie mehr als düstere Erinnerungen: Sie alle wollen Mut zum Leben machen. Das ist ihr biografisches Testament: Selbst in dunkeln Tagen erleben sie Freundschaft, ziehen Kraft aus kleinen Zeichen der Mitmenschlichkeit - sogar durch die schlimmste Aufseherin, die auf einmal einen Teller Zuckernudeln spendiert - und fassen die Hoffnung, zu überleben. Das Ziel des Projektes ist ein doppeltes: Niemals darf vergessen werden, was Menschen Menschen angetan haben - und niemals soll die Hoffnung aufgegeben werden.

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Eva Madelung: Leben im Angesicht von Schuld

Eva Madelung hat die fiktionale Autobiografie einer ehemaligen Hitler-Anhängerin geschrieben. Eine Besprechung:

Lizenz: Bundesarchiv, Bild 102-04517A / Georg Pahl / CC-BY-SA
Lizenz: Bundesarchiv, Bild 102-04517A / Georg Pahl / CC-BY-SA

30. Januar 1933: Die deutsche Demokratie schafft sich ab. Der greise Präsident der Weimarer Republik, Paul von Hindenburg, ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler und die Nationalsozialisten feiern ihre Machtergreifung mit einem Fackelzug durch das Brandebnburger Tor. Das war heute vor 82 Jahren. Ein gutes Menschenalter ist seither vergangen. Die Deutschen haben gelernt, verantwortungsvoll mit ihrer Vergangenheit umzugehen. Die heutige Erinnerungskultur und Geschichtspolitik finden internationale Anerkennung. Ungleich schwieriger ist der jeweils persönliche Umgang mit Schuld. Eva Madelung hat mit ihrem teilweise autobiografischen Erinerungsroman "Reden, bevor es zuspät ist" einen lesenswerten Weg der Aufarbeitung gefunden.


Eva Madelung

Reden, bevor es zu spät ist

Lebensbericht einer ehemaligen Nationalsozialistin

Erschienen im Europa Verlag Berlin im Sep,tember 2014.  Seiten kosten in der gebundenen Ausgabe 18,99 €.


 

Biografie Eva Madelung

Eva Madelung ist zwei Jahre vor Hitlers Regierungsantritt geboren. Das "Dritte Reich" hat sie nicht als Erwachsene erlebt, wohl aber als Heranwachsende. Eva Madelung war Jungmädel in der Hitlerjugend für Mädchen. Sie hat den Zusammenbruch der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erlebt, die Entnazifizierung, den demokratischen Neustart Deutschlands, die revolutionäre Aufarbeitung der Hitler-Jahre durch die von 1968er-Bewegung. All diese Erinnerungen leiht sie nun ihrem literarischen Double Eva Pasch. Die Erzählerin des Lebensberichtes teilt sich in Briefen ihrer Tochter mit, verarbeitet, erklärt sich,  windet sich und lässt tief in eine Seele blicken, die sich fast ein ganzes Leben mit der Schuldfrage befasst hat.

Buchbesprechung

(C) A. Stengel
Eva Madelung, (C) A. Stengel

Dieser literarische Kunstgriff ist höchst bemerkenswert, weil die persönlichen Erinnerungen um für die jeweilgen Zeiten charakteristische Besonderheiten ergänzt werden kann. Das eigene Erleben als Eva Madelung ist die Grundlage für die emphatische Schreibe, das  mal empörte, mal verzweifelte Ringen mit der eigenen Vergangenheit. Als fiktive Figur Eva Pasch kann Madelung über ihr eigenes Erleben hinaus Akzente so setzen, dass die individuelle Herausforderung eines Lebens "im Angesicht von Schuld" (so heißt der letzte Teil des Buches) überindividuelle Anküpfungs- und Erinnerungspunkte bietet. Das hat Madelung zwar manchmal etwas überzeichnet, aber der Wert dieses Lebensberichtes liegt nicht so sehr auf der feinjustierten Akzentuierung von Zeitgeschichte. Eva Madelung hat frei von persönlichen Rechtfertigungen und biografischen Beschönigungen eine beispielhafte die Lebensgeschichte der Generation Hitlerjugend erzählt und dabei die größte Aufmerksamkeit den von jüngeren Generationen selten nachgefragten Jahren nach 1945 gelegt. Wie sehr diese Lebensgeschichten viele deutsche Familien geprägt hat, hat Eva madelung in einem langen Berufsleben als Familientherapeutin erfahren und verinnerlicht. Ihr Buch ist ein zeitgemäßer und überfälliger Beitrag nicht nur zur Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus. Es regt weit darüber hinaus dazu an, über den eigenen, ganz persönlichen Platz in gesamtgesellschaftlichen Zusammenhängen nachzudenken.

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Max von Baden: Revolutionär wider Willen

Prinz Max von Baden hat als Reichskanzler das Ende des Kaiserreichs verkündet.

Foto: Hofatelier Gebr. Hirsch, Karlsruhe. Lizenziert unter Gemeinfrei
Foto: Hofatelier Gebr. Hirsch, Karlsruhe. Lizenziert unter Gemeinfrei

Seit Wochen ist die friedliche Revolution vor 25 Jahren allgegenwärtig - und zwar zu Recht: Der Mauerfall (und mit ihm der Zusammenbruch der DDR) ist das Happy End des deutschen Dramas im 20. Jahrhundert. Schon einmal, siebzig Jahre vor dem 9. November 1989, ist ein deutscher Staat zusammengebrochen: Das deutsche Kaiserreich (1871-1918). Mittendrin im Geschehen und doch irgendwie nur dabei war Prinz Max von Baden. Der letzte Kanzler des Kaiserreiches hat die Abdankung Wilhelms II. verkündet. 

Lothar Machtan

Prinz Max von Baden

Der letzte Kanzler des Kaisers

Erschienen bei Suhrkamp im Oktober 2013. 670 Seiten kosten in der gebundenen Ausgabe 29,95 €.


Bundesarchiv, Bild 183-R12318 / CC-BY-SA 3.0
Bundesarchiv, Bild 183-R12318 / CC-BY-SA 3.0

Otto von Bismarck war knapp 20 Jahre deutscher Kanzler, Helmut Kohl und Konrad Adenauer regierten ebenfalls halbe Ewigkeiten (16 bzw. 14 Jahre). Über alle diese Kanzler gibt es Regalwände voller dicker Bücher. Prinz Max von Baden hat das Kanzleramt gerade mal einen guten Monat innegehabt. Dennoch kennt man ihn vor allem für diese turbulenten fünf Wochen im Herbst 1918, deren dramatischer Höhepunkt im Deutschen Reichsanzeiger gedruckt wird: „Der Kaiser und König hat sich entschlossen, dem Throne zu entsagen. Der Reichskanzler bleibt noch so lange im Amte, bis die mit der Abdankung des Kaisers, dem Thronverzicht des Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Preußen und der Einsetzung der Regentschaft verbundenen Fragen geregelt sind.“ Max von Baden wickelt also gewissermaßen das Kaiserreich ab.

Biografie Max von Baden

Foto: Jürgen Bauer
Foto: Jürgen Bauer

Rechtfertigt das eine über 500seitige Biografie? Ja – wenn man es wie Lothar Machtan anpackt. Er erzählt die packende Lebensgeschichte einer tragischen Figur, die zwischen öffentlichen Erwartungen und intimen Emotionen gefangen ist, in beinahe literarischer Qualität. Die gewaltige wissenschaftliche Leistung und die akribische Quellenforschung des Berufshistorikers Machtan ist im ausführlichen Anhang (fast 150 Seiten) dokumentiert. Der Lesefluss ist aber nicht durch ständige Fußnoten oder Anmerkungen gebrochen. Dadurch genügt die Biografie den akademischen Ansprüchen ohne andere Leser zu verschrecken. Überhaupt gelingt es Machtan fabelhaft, den Leser in sein eigentlich fast unzeitgemäß umfangreiches Buch zu ziehen. In flotten Formulierungen, steilen Thesen und gleichermaßen pikanten wie prägenden Details aus dem Prinzenleben (z. B. seine Homosexualität) macht er auf den zwei, drei Seiten, die man auch im Buchladen überfliegt Lust auf diese Lebensgeschichte. Vor allem aber überzeugt die (umgesetzte und durchgehaltene) Überzeugung Machtans, das Leben von Prinz Max nicht nur als Objekt des Quellenforschers zu sezieren, sondern den Mensch zu sehen, der seine Neigungen unterdrücken muss, um den Normen einer untergehenden Gesellschaft (nicht nur eines Staates!) zu genügen. Dieses Einfühlungsvermögen ist nicht allzu vielen biografisch arbeiteten Historikern zu eigen. Sicher, man kann den Standpunkt vertreten, dass schon damit die wissenschaftliche Neutralität und Distanz gefährdet sei – aber dann muss man eigentlich auch gar keine Biografien als Lebensgeschichten schreiben. 

Ein Lehrstück politischer Biografik

Lothar Machtan hat mit seinem Buch über Prinz Max ein Lehrstück zeitgemäßer politischer Biografik geschaffen: Er fängt die historische Figur und den Menschen Prinz Max von Baden ein und ordnet beide in ein Zeitalter epochaler Umwälzungen ein. Gerade angesichts des Mauerfalls vor 25 Jahren bietet die Biografie eine spannende Geschichte aus der Zeit der weniger friedlichen Revolution von 1918.

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Edgar Feuchtwanger: Kindermund tut Grauen kund

Edgar Feuchtwangers Kindheitserinnerungen an seinen Nachbarn Hitler

Deutsche Soldaten reißen die polnischen Grenzbäume ein (Lizenz: gemeinfrei)
Deutsche Soldaten reißen die polnischen Grenzbäume ein (Lizenz: gemeinfrei)

Auf diesen Krieg hat Adolf Hitler lange hingearbeitet: Am 1. September 1939, heute vor 75 Jahren, überfällt die deutsche Wehrmacht Polen. Nicht einmal sieben Jahre liegt die nationalsozialistische Machtergreifung zu diesem Zeitpunkt zurück. Edgar Feuchtwanger (geb. 1924) hat die frühen Hitlerjahre in dessen unmittelbarer Nachbarschaft verbracht. Seine Kindheitserinnerungen hat der Neffe des Schriftstellers Lion Feuchtwanger jüngst im Siedler-Verlag veröffentlicht.

Edgar Feuchtwanger

Als Hitler unser Nachbar war

Erinnerungen an meine Kindheit im Nationalsozialismus

Erschienen bei Siedler im April 2014. Ca. 250 Seiten kosten in der gebundenen Ausgabe ca. 19,99 €.


Foto: Bertil Scali, Quelle: Siedler
Foto: Bertil Scali, Quelle: Siedler

Dieses Buch ist eine Biografie der besonderen Art. Aufgeschrieben hat sie ein neunzigjähriger Historiker - aber erzählt hat sie ein Kind. Edgar Feuchtwanger hat seine Kindheit in der Münchner Nachbarschaft von Adolf Hitler verbracht. Der junge Edgar erlebt den Anfang der nationalsozialistischen Herrschaft unbedarft und neugierig. Und diesem Anfang wohnt ein böser Zauber inne, der in kindlichen Beobachtungen und Worten immer wieder schockierende Lesemomente provoziert.

Die tagtägliche Konfrontation mit der nationalsozialistischen Vergangenheit bewirkt allzu häufig eine gefährliche Abstumpfung und Überdrüssigkeit. Edgar Feuchtwangers Perspektivwechsel wirkt dagegen Wunder: Der kleine Junge aus gutem Haus kennt noch nicht die fatalen Folgen der aufziehenden Hitler-Tyrannei. Selbst die Eltern, deren besorgte Tischgespräche der kleine Edgar belauscht, können nur erahnen, was da auf sie zukommt. Zusehends greift der nationalsozialistische Terror aber auch in Edgars Leben ein: Sein geliebtes Kindermädchen Rosie darf nicht mehr für die Feuchtwangers arbeiten, weil sie Juden sind. Freunde wenden sich ab, Onkel Lion und der befreundete Schriftsteller Thomas Mann fliehen nach Frankreich, Edgars Halbschwester in die Schweiz. Schließlich holen Hitlers Schergen Edgars Vater ab:

Er ist nicht mehr da. Wir sind allein. Seine Stimme ist nicht mehr zu hören, kein Geräusch mehr. Ich will ihn wiedersehen. Ich will, dass er da ist. Ich will nicht, dass er stirbt. Ich will nicht streben. Warum wir? Ich möchte die Augen öffnen und aufwachen. Aber leider ist es kein Traum. Es ist die Wirklichkeit. Sie haben Papa verhaftet. Sie haben meinen Vater eingesperrt. Sie haben ihn mitgenommen.

In entlarvender Hilflosigkeit tut Kindmund das Grauen kund, das mit Hitler über Deutschland hereinbricht. Der kleine Junge, in dessen Perspektive Feuchtwangers Leser schlüpfen, kann nichts gegen die zusehends unverhohlene Brutalität des Naziregimes unternehmen. Aber dieses beinahe geniale Stilmittel beschämt jeden Erwachsenen, der von den Greueltaten der frühen Hitlerjahre nicht gesehen haben will - und jeden, der diese ersten Jahre bis heute zu guten Jahren für Deutschland verklärt.

Fazit: Edgar Feuchtwanger hat erschütternde Erinnerungen an seine Kindheit als Hitlers Nachbar vorgelegt. Der Blick durch die unverstellten Kinderaugen zeigt die nationalistische Machtergreifung aus einer ungewohnt unmittelbaren Perspektive, die unausgesprochen eine klare Botschaft sendet: Währet den Anfängen!

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Dietrich Bonhoeffer: Tugenden, die den Tod überdauern

Dietrich Bonhoeffer und Hans von Dohnanyi leisteten Hitler Widerstand - und gaben dafür nach dem 20. Juli 1944 ihr Leben

Beide Fotos lizensiert unter Gemeinfrei
Beide Fotos lizensiert unter Gemeinfrei

Heute vor 70 Jahren ist im "Führerbunker" die Bombe hochgegangen. Dorthin gebracht hat sie  General Claus von Stauffenberg in seiner Aktentasche. Sie soll Adolf Hitler töten und die Deutschen aus seiner Schreckensherrschaft befreien. Das Attentat vom 20. Juli 1944 scheitert und Hitler lebt. Stauffenberg, seine Helfer und Helfershelfer müssen sterben. Unter ihnen sind der Pfarrer Dietrich Bonhoeffer und der Jurist Hans von Dohnanyi. Elisabeth Sifton und Fritz Stern haben ein bewegendes Doppelporträt aus der Nähe geschrieben.

Elisabeth Sifton/Fritz Stern

Keine gewöhnlichen Männer

Dietrich Bonhoeffer und Hans von Dohnanyi im Widerstand gegen Hitler

Erschienen bei C.H. Beck im August 2013. 176 Seiten kosten in der gebundenen Ausgabe 18,95 €.


Dietrich Bonhoeffer und Hans von Donhanyi sind nicht nur Verbündete im heimlichen Kampf gegen Hitler. Sie sind auch durch familiäre Bande verknüpft: Hans hat Dietrichs Schwester geheiratet. Vor allem aber sind sie vereint durch ein Band von Anstand und Mut, das dem Widerstand gegen die Tyrannei Festigkeit verlieh. So urteilt das Autorenehepaar Elisabeth Sifton und Fritz Stern. Ihre beiden Familien waren und sind mit den Bonhoeffers und Dohnanyis gut bekannt. Das ermöglicht besondere Nahaufnahmen der beiden Männer, die in den letzten Tagen der Hitlerdiktatur gehängt worden sind. Gleichwohl wahren die beiden Autoren immer eine gewisse kritische Distanz (Fritz Stern ist darin als Historiker von Weltrang geübt). Das macht das Doppelporträt zu einem Kleinod biografischer Essayistik (Umfang: 176 Seiten): Gleichermaßen liebevoll und zurückhaltend ordnen Sifton und Stern die Lebens- und Leidensgeschichten von Bonhoeffer und Dohnanyi in ihre Zeit ein: Bonhoeffer, der Hitler als Pfarrer in der Bekennenden Kirche die Stirn bietet; Dohnanyi, der als Jurist und mit Kontakten in die Wehrmacht die Greuel der NS-Diktatur heimlich dokumentiert und Verfolgte aus Deutschland schleust. Sifton und Stern belassen nicht dabei, die verborgenen und offenen Taten dieser beiden Widerstandskämpfer zu schildern. Ihnen geht es um deren Tugenden und Werte. Ungewöhnlich scharf konturiert und dicht, dabei aber getragen von einer erzählerischen Leichtigkeit, fühlen sie sich in die Gewissensnöte der beiden ein, die gegen ihre eigenen ethischen und christlichen Prinzipien verstoßen müssen, um ihnen zu genügen - Stichwort Tyrannenmord:

Dohnanyi fragte Bonhoeffer eines Abends, was er von der Aussage Jesu halte, "wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen". (Matth. 26, 52) Gelte das auch für Hitlers Mörder? Bonhoeffer sagte ja, sie wären von diesem Urteil nicht ausgenommen. Es brauche Menschen, die sich ihm unterwerfen und bereit sind, sich der Verantwortung für ihr Leben zu stellen.

Fazit: Elisabeth Siftons und Fritz Sterns Doppelportät über Dietrich Bonhoeffer und Hans von Dohnanyi ist ein Kleinod biografischer Essayistik. Zugleich haben sie damit ein lebendiges Bekenntnis zu den Tugenden abgelegt, die Bonhoeffer und Dohnanyi stark gemacht haben, und die ihren Tod überdauern: Vertrauen in und Liebe zu Gott, Fleiß und Anstand, Verantwortungsbereitschaft und Mut zur Standhaftigkeit.

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Die Benjamins: Opfer, Denker und Täter

Uwe-Karsten Heye hat ein Buch über die Benjamins geschrieben

Walter, Hilde, Georg, Dora, Michael: Nur die Vornamen sind gewöhnlich. Die Geschichte der Benjamins ist so etwas wie eine deutsche Familiensaga des 20. Jahrhunderts. Der ehemalige Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye hat sie aufgeschrieben und auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt. Das Eulengezwitscher war berichtet von einer geschichtlichen Gratwanderung...

Uwe-Karsten Heye

Die Benjamins

Eine deutsche Familie

Erschienen im Aufbau-Verlag im März 2014. 361 Seiten kosten in der gebundenen Ausgabe 22,99 €.


Uwe-Karsten Heye hat sich viel vorgenommen: Erstens hat er fünf mitunter schwierige Persönlichkeiten zu porträtieren, darunter den Philosophen Walter Benjamin und seine Schwägerin Hilde Benjamin, die spätere DDR-Justizministerin. Zweitens will er anhand eines tragischen Familienschicksals ein Jahrhundert deutscher Zeitgeschichte nachzeichnen. Schließlich (und drittens) möchte er mit seinem Buch über die Benjamins einen Beitrag zu einer gesamtdeutschen Geschichtsschreibung leisten. Für Heye ist es 25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer an der Zeit, gegenläufige ost- und westdeutsche Geschichtsdeutungen zugunsten einer gemeinsamen Lesart aufzulösen: Kriegen wir über solche Familiengeschichten - über solche Opfergeschichten - eine gemeinsame Erzählung unserer Geschichte hin?

Lizenz: Bundesarchiv, Bild 183-15600-0005 / Köhler, Gustav / CC-BY-SA

Das ist ein spannender und lohnenswerter Ansatz und die Bejamins sind dafür eine treffend gewählte Familie, deren Schicksal einem Streifzug durch durch deutsche Geschichte gleicht: Sie haben bürgerliche Wurzeln, sind im Kaiserreich sozialisiert, haben in der Weimarer Republik gewirkt und sind als jüdische Kommunisten von den Nationalsozialisten verfolgt worden. Walter nahm sich das Leben, sein Bruder Georg wurde im Konzentrationslager Mauthausen ermordet und Schwester Dora stirbt kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges an Krebs.  Hilde Benjamin, die Überlebende, macht in der DDR Justiz-Karriere - und zwar als gnadenlose Richterin, deren Prozessführungen und Urteile nur allzusehr an den Terror in nationalsozialistischen Gerichtssälen erinnern.  Jetzt wird Hilde Benjamin vom Opfer zur Täterin und spricht sogar Todesurteile aus. Hier gerät Heye auf seiner Gratwanderung einer gesamtdeutschen Geschichtsschreibung bedrohlich ins Schwanken. Zum einen nimmt er "die rote Hilde" zumindest soweit in Schutz, dass er ihre Schauprozesse nicht auf eine Stufe mit denen der Nationalsozialisten stellen will. Zum   Er wirbt um Verständnis für die die politische und persönliche Situation, aus der heraus Hilde Benjamin zur "roten Guillotine" wird. "Man muss sie ja nicht beschönigen," sagt Heye,  "aber man muss wenigstens versuchen zu verstehen, welche Haltung und Prägung sie zu der gemacht hat, die sie am Ende war." Das ist ein hehrer (und mutiger) Vorsatz, denn das Sichhineinversetzen birgt die Gefahr des Sichdarinverlierens. Das wiederum sollte einem biografisch arbeitenden Autor nicht passieren. Im Fall von Heyes Buch kann auch eine gesamtdeutsche Perspektive nicht darüber hinwegtäuschen, dass Hilde Benjamin nicht nur Opfer ist, sondern auch Täterin. Das stellt Heye zwar nicht infrage. Allerdings hat er seine Formulierungen zumindest auf der Buchmesse so akzentuiert, dass die Täterrolle hinter der Opferrolle zurücktritt. Und eine solche Akzentuierung ist - bei allem Respekt für die enormen Verdienste des Benjamin-Buches  -  kein Dienst an einer gesamtdeutschen Geschichtsdeutung. Würde Heye jedoch von Opfer- und Tätergeschichten sprechen - auch dafür ist das Familienschicksal der Benjamins  exemplarisch - würde er wohl seinen eigenen Anspruch besser bedienen.

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Erich Ludendorff: Der verantwortungslose General

Bundesarchiv, Bild 183-R41126 / CC-BY-SA
Bundesarchiv, Bild 183-R41126 / CC-BY-SA

Er putschte mit Hitler gegen die Demokratie: General Erich Ludendorff. Am 9. November 1923, fünf Jahre nachdem Philipp Scheidemann die (Weimarer) Republik ausgerufen hat und heute vor 90 Jahren, will Adolf Hitler die Regierung stürzen. Ludendorff, der gefeierte Feldherr des Ersten Weltkrieges, soll von München aus einen Marsch auf Berlin anführen, dessen Ziel die Machtergreifung ist. Dass sich der ehemalige Erste Generalquartiermeister mit dem einstigen Gefreiten Hitler einlassen würde, hat er selbst lange nicht geglaubt. Aber Ludendorffs Lebensgeschichte ist ein Sinnbild für Glanz und Niedergang des alten Preußens.


Stratege im Ersten Weltkrieg

Geboren ist er 1865 in der Provinz Posen. Ludendorff schlägt eine militärische Karriere ein und bringt es bis zum Generalstabsoffizier. Strategie ist seine Stärke und das erkennt auch die Heeresleitung. Ludendorff arbeitet am Schlieffen-Plan mit und auf eine Blitz-Offensive an der Westfront hin. Insbesondere die Eroberung von Lüttich trägt seine Handschrift. Als es allerdings im Osten nicht gut bestellt ist, schickt der Oberste Kriegsherr, Kaiser Wilhelm II., den alten Haudegen General Paul von Hindenburg an die Front. Hindenburg strahlt eine unerschütterliche Ruhe und Zuversicht aus.  Was ihm an strategischer Raffinesse fehlt, soll Ludendorff ersetzen. Der versteht es glänzend, Hindenburg ins Rampenlicht zu schieben, während er selbst die Strippen zieht. Die taktisch meisterhaft geführten Schlachten bei Tannenberg und an den Masurischen Seen (1914) lassen Hindenburg zum Volkshelden werden. Der "eigentliche Könner" (Golo Mann) aber war Ludendorff. Das bleibt er auch, als der Kaiser Hindenburg die Oberste Heeresleitung anvertraut. Wieder repräsentiert der würdevolle Generalfeldmarschall von Hindenburg, wieder brilliert Ludendorff als kühler Berechner am Kartentisch und in der Kriegskunst: Er beendet das Gemetzel vor Verdun, weil er sieht, dass diese Materialschlacht nicht zu gewinnen ist. Er zieht sich die taktische Defensive zurück und stabilisiert damit nicht nur die Front, sondern auch die Kampfmoral, weil endlich wieder Auszeiten vom Schützengraben möglich werden. Er motiviert auch die heimische Kriegsindustrie und kann damit Artellerie und Luftwaffe deutlich ausbauen. Hier blitzen noch einmal preußische Tugenden auf: Diszipliniertes und selbstloses Arbeiten (Ludendorff brütet unermüdlich über Heeresberichten und Plänen), straffe Organisation (die Restrukturierung der Kriegsführung wird binnen kurzer Zeit ins Werk gesetzt) und Effizienz (die deutsche Armee ist sowohl was die Zahl ihrer Soldaten als auch was ihre Materialausstattung betrifft im Hintertreffen). Alles in allem gibt Ludendorff den Deutschen die bereits verlorene Hoffnung auf einen erfolgreiches Ende des Waffengangs zurück. Das könnte auch in Friedensverhandlungen mit den kriegsmüden Alliierten bestehen. Aber Ludendorff - das verbindet ihn mit Hitler - will Alles oder Nichts, Triumpf oder Untergang. Mit der ganz und gar unpreußischen Entscheidung für den unbeschränkten U-Boot überreizt er sein Blatt. Spätestens mit dem Eingreifen der Amerikaner ist ein deutscher Kriegstriumpf nicht mehr denkbar. Als Ludendorff das erkennt, überlässt er die Verantwortung feige den Sozialdemokraten. Als die damit beginnen, die Scherben des in Trümmern geschlagenen Kaiserreichs aufzukehren, zerbricht er mutwillig das übrig gebliebene Porzellan und schiebt der Politik die Schuld für die Niederlage in die Schuhe, um die junge Demokratie zu schwächen. Die Sozialdemokraten hätten die braven deutschen Soldaten von hinten erdolcht, ätzen Ludendorff und auch Hindenburg - und versuchen mit der "Dolchstoßlegende" von ihrer eigenen Verantwortung abzulenken.

Zur Dolchstoßlegende habe ich übrigens vor einiger Zeit eine unverhoffte Entdeckung gemacht - und zwar ausgerechnet im hintersten Winkel meines Schreibtischs. Der leistet zwar schon lange den Uhls treue Dienste, aber erst seit kurzem in der der Eulenbibliothek. In der linken Schublade lag also das Heftchen "Fort mit der Dolchstoßlegende" aus dem Jahr 1922, verfasst vom damaligen Innenminister Adolf Köster (SPD):  Der schreibt: "Nach der Ludendorff-Legende hat die politische Leitung Deutschlands [...] vollkommen versagt."  Dann wehrt er sich für die die junge Demokratie: "Ich bin fest überzeugt, dass die Fehler, die die militärisch-politische Leitung des deutschen Volkes während des Krieges gemacht hat, alles das in den Schatten stellen..."

Hitlers Helfer

Hitler Ludendorff Putsch
Bundesarchiv, Bild 102-16742 / CC-BY-SA

Ludendorffs feiges und hinterlistiges Kalkül hat dem dem Preußen von einst nichts mehr gemein. Es passt ins Bild, dass Ludendorff sich von Hitlers Plänen benutzen lässt. Wie er selbst lässt Hitler keine Gelegenheit aus, um die "Novemberverbrecher" vom Herbst 1918 anzugreifen (gemeint sind die beherzten Republikgründer). Ludendorff wittert die Chance, noch einmal die Geschicke Deutschlands zu lenken. Er willigt ein und führt Hitlers Putschisten an. Weit kommen sie nicht. An der Feldherrenhalle (immer noch in München) ist der Staatsstreich beendet (vom Sperrfeuer der bayrischen Polizei). Während Hitler zu Festungshaft verurteilt wird, sprechen die Richter Ludendorff frei - wegen seiner Verdienste im Ersten Weltkrieg. Die Deutschen sehen das ein bißchen anders: Als Ludendorff 1925 Reichspräsident werden will, da bekommt er nur ein Prozent der Stimmen, Wie wenig zu diesem Zeitpunkt auch vom umsichtigen Feldherrn noch übrig ist, beweisen seine kruden Verschwörungstheorien. Ludendorff verdächtigt die Jesuiten, Freimaurer und Juden, sich gegen Deutschland verbündet zu haben und stilisiert sich als Opfer dieser Ränkeschmiede. Einen einzigen klaren Moment soll er noch gehabt haben, ehe er 1937 starb: "Ich prophezeihe Ihnen feierlich" soll Ludendorff seinen alten Kameraden Hindenburg gewarnt haben, ehe der Hitler zum Reichskanzler ernannte, "ich prophezeie Ihnen feierlich, dass dieser unselige Mann unsere Nation in unfaßbares Elend bringen wird." 

Fundstück aus der Eulenbibliothek: "Fort mit der Dolchstoßlegende!"

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22. August 1902: Leni Riefenstahl (*)

Bundesarchiv, Bild 152-42-31 / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0
Bundesarchiv, Bild 152-42-31 / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0

Sie verhalf Hitler zum großen Kino: Leni Riefenstahl. Unter ihrer Regie entstanden die Propagandafilme von den nationalsozialistischen Reichsparteitagen in Nürnberg: Mit "Triumph des Willens" (1934) setzte sie nicht nur dem Kult von Führer und Volk ein filmisches Denkmal - das in den vergangenen 70 Jahren zum Mahnmal gereift ist - sie schrieb sich damit auch das Drehbuch Ihres Lebens: Willensstärke war ihr Vermögen. Und ihr Verderben.

Foto: Alexander Binder. Lizenziert unter Gemeinfrei
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Früh trotzt sie dem strengen Vater, lernt heimlich tanzen und schauspielern. Damit bringt sie es auf mancher Berliner Bühne zu einigem Erfolg. Bald weichen Ausdruckstanz und Ballett dem Bergfilm; wieder setzt sich ihr Wille durch, nunmehr gegen die eigene Gesundheit. Trotz eines Knieleidens und mehrerer Knöchelbrüche lernt sie Skilaufen. an der Seite des Schauspiel-Idols Luis Trenker wird sie vor der Kamera gefeiert; hinter der Kamera entpuppt sie sich gar als Genie: "Das blaue Licht" (1932) lässt sie im gleißenden Scheinwerferkegel der männerdominierten Filmbranche hell erstrahlen. Aus dem Sternchen wird schließlich ein Star, als sich Leni Riefenstahl mit Hitler und Goebbels einlässt. Ihre Inszenierungen der Olympischen Spiele (1936), ihre Regiearbeit und ihr Schnitt ernten internationale Anerkennung. Dass sie als Zelluloid-Ästhetin der Fratze des Bösen ein künstlerisches Feigenblatt verschafft, will sie nicht sehen – und wieder erweist sich darin als willensstark. Fast 60 Jahre, bis zu ihrem Tod 2003, stellt sie sich ihrer Vergangenheit als Tänzerin mit dem Teufel nicht. Sie schaut weg, durch die Linse der Fotokamera, die sie nach Kriegs- und vorläufigem Karriereende für sich entdeckt. Sie läuft weg, weit weg sogar: nach Afrika, wo sie die Nuba fotografiert. Sie taucht ab, in die Tiefen des Indischen Ozeans, wo sie mit über 70 Jahren Korallenriffe aufnimmt. Vor dem Urteil ihrer Nachwelt kann Leni Riefenstahl aber weder weglaufen noch abtauchen: mag sie auch eine begnadete Künstlerin gewesen sein, so war sie doch Hitlers Künstlerin; und das bleibt von Leni Riefenstahl auch am heutigen Tag, an dem sie 111 Jahre alt geworden wäre: Ihr Geburtstag war der 22. August 1902. 

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Otto Wels: Der standhafte Demokrat

Hitler spricht zum Ermächtigungsgesetz (Bundesarchiv, Bild 102-14439 / CC-BY-SA)
Hitler spricht zum Ermächtigungsgesetz (Bundesarchiv, Bild 102-14439 / CC-BY-SA)
Otto Wels Biographie im Biografien-Blog
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Er hat Nein gesagt: Otto Wels (1873-1939). Seit Wochen schon knüppeln Hitlers Schläger alles und jeden nieder, der auch nur leise Vorbehalte gegen die Vollmachten des "Führers" äußert. Auch vor den gewählten Volksvertretern machen sie nicht halt. Seit die Nationalsozialisten die Kommunisten für den Reichstagsbrand verantwortlich gemacht haben, sind deren Abgeordnete ihres Lebens nicht mehr sicher. Wer noch nicht im Konzentrationslager sitzt, wird gewaltsam daran gehindert, an den Reichtstagssitzungen teilzunehmen, die nun in der Kroll-Oper und unter dem übergroßen Hakenkreuz abgehalten werden. Ihre Gegenstimmen sind vor allem am 21. März 1933 unliebsam. Denn heute vor 80 Jahren setzt Hitler zum großen Paukenschlag der Machtergreifung an: mit der Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz verlangt er nichts weniger als die Selbstentmachtung des Reichstags: Künftig soll allein die Regierung - im Klartext: der "Führer" - über die politischen Geschicke Deutschlands entscheiden. Das Parlament will man nicht mehr fragen müssen und an der Verfassung vorbei möchte man auch entscheiden dürfen. Nachdem die Kommunisten kaltgestellt und die bürgerlichen Parteien mit politischem Druck und persönlichen Drohungen weichgekocht sind, ist Widerstand nur noch von den Sozialdemokraten zu erwarten. Deren Fraktions- und Parteichef Otto Wels lässt sich nicht einschüchtern: Erst wirbt Hitler im braunen Hemd für das Gesetz.. Dann tritt der gelernte Tapezierer und tapfere Parteisoldat Otto Wels ans Rednerpult. "Noch niemals, seit es einen Deutschen Reichstag gibt, ist die Kontrolle der öffentlichen Angelegenheiten durch die gewählten Vertreter des Volkes in solchem Maße ausgeschaltet worden, wie es jetzt geschieht, und wie es durch das neue Ermächtigungsgesetz noch mehr geschehen soll." Obwohl das allen klar ist und auch diese Debatte nur um des lieben Scheins willen geführt wird, macht sie der mutige Wels zu einer Sternstunde des Parlamentarismus: "Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht!", ruft er Hitler zu. Würdig tritt Wels ab. Hitler krächzt ihm noch ein paar Verleumdungen hinterher - begleitet vom höhnischen Gelächter der Nationalsozialisten - und dann wird abgestimmt: Der Rumpfreichstag beschließt (mit der Stimme des späteren Bundespräsidenten Theodor Heuss), dass er überflüssig ist - nur die Sozialdemokraten stimmen dagegen. Diese demokratische Großtat, der parlamentarische Widerstand gegen die Hitler-Herrschaft, ist seinen Erben bewusst. Im Rahmen eines Gedenkveranstaltung für den 1939 im Exil gestorbenen Wels hat der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter-Steinmeier zurecht gefragt: "Hätten wir, die Abgeordneten von heute, auch den Mut, den Otto Wels damals hatte?"

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Paul von Hindenburg: Der Soldat

Hitler verneigt sich vor Hindenburg auf dem Tag von Potsdam
Bundesarchiv, Bild 183-S38324 / CC-BY-SA

Er war der erste Soldat des Kaiserreiches: Paul von von Hindenburg (1847-1934). Schon mit zwölf Jahren tritt Hindenburg als Kadett in die preußische Armee ein. Für seinen abgöttisch geliebten König Wilhelm I. zieht er gegen Österreich (1866) und Frankreich (1870/71) in den Krieg und erlebt  Wilhelms Kaiserkrönung in Versailles aus nächster Nähe mit. In den darauf folgenden vier Friedensjahrzehnten durchläuft Hindenburg eine tadellose Miltärkarriere, ehe er 1911 hochdekoriert in den Ruhestand geht. Kaum dass der Erste Weltkrieg ausbricht, ruft man den alten Haudegen an die Front: Ob er bereit zur sofortigen Verwendung sei, telegrafiert man ihm aus Wilhelms II. Hauptquartier. Hindenburg ist kein Mann großer Worte: "Bin bereit!"

Paul von Hindenburg: Stationen eines Soldatenlebens (Lizenzen: alle gemeinfrei)
Paul von Hindenburg: Stationen eines Soldatenlebens (Lizenzen: alle gemeinfrei)
Hindenburg und Ludendorff (Foto: Bundesarchiv)
Bundesarchiv, Bild 146-1970-073-47 / CC-BY-SA

Im Eilzug fährt er gen Osten, wo die Russen gewaltige Armeen mobilisiert haben. In der Schlacht bei Tannenberg wird der Feind eingekesselt und vernichtend geschlagen. Dass die operative Planung Hindenburgs engster Mitstreiter Erich Ludendorff erledigt hat, interessiert zuhause niemanden. Der Oberbefehlshaber ist der Held von Tannenberg. Weitere Erfolge an der Ostfront festigen den Mythos Hindenburg. Bald wird das kongeniale Duo zur Obersten Heeresleitung berufen. Als der Krieg verloren ist, ziehen sich beide fein aus der Affaire. Das Friedensgesuch richtet schon die neue demokratische Regierung. Sie ist es auch, die den völlig überrumpelten Deutschen die  Niederlage erklären muss - die militärischen Lageberichte waren bis zuletzt voll von Siegesmeldungen. Der Mythos Hindenburg bleibt unberührt. Als man ihn 1925 bei der vaterländischen Ehre packt und das Reichspräsidentenamt anträgt, da sagt er nicht nein. Ein Mann großer Worte ist er immer noch nicht, dafür aber ein Mann von großer Symbolkraft. 

Das und nur das hat Adolf Hitler im Sinn, als er am Tag von Potsdam am 21. März 1933 - heute vor 80 Jahren - demütig sein Haupt vor Hindenburg beugt. Die unterwürfige Geste vor dem greisen Generalfeldmarschall des Kaiserreiches gilt weder der Person Hindenburgs noch dem Reichspräsidentenamt. Sie ist die kühle Berechnung von Joseph Goebbels, seines Propagandastrategen, der den  Tag von Potsdam inszeniert. Der offizielle Anlass, die Eröffnung des neuen Reichstags, ist eine Farce.


Die kommunistischen Abgeordenten sitzen längst in den Konzentrationslagern und die Sozialdemokraten um ihren Fraktionsvorsitzenden Otto Wels sind auch nicht gekommen. Goebbels hat ohnehin anderes im Sinn. Er will seinen "Führer" in eine Traditon mogeln, in der Hitler weder als gebürtiger Österreicher noch als einfacher Gefreiter des Weltkrieges etwas verloren hat: In die Tradition der preußischen Könige und Kaiser. Der Glanz glorreicher Tage und gewonnener Kriege soll auf Hitler übergehen. Dafür allein braucht man Hindenburg, der es mit Deutschland gut meint und es doch in schlechtere Hände nicht hätte legen können.  Dass er beim Tag Potsdam den unbequemen Frack des Politikers abgelegt und die Pickelhaube des preußschen Soldaten aufgezogen hat, tut ein übriges. Den Deutschen muss es so erscheinen, als ob das das alt-ehrwürdige Preußen das junge Nazideutschland ermächtigt, sein Erbe anzutreten - zwei Tage vor der unheilvollen Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz.

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Joseph Goebbels: Der Hetzer

Joseph Goebbels spricht im Berliner Lustgarten (Bundesarchiv, B 145 Bild-P046287 / CC-BY-SA)
Joseph Goebbels spricht im Berliner Lustgarten (Bundesarchiv, B 145 Bild-P046287 / CC-BY-SA)
Demagoge Goebbels (Bundesarchiv 102-17049/CC-BY-SA)
Demagoge Goebbels (Bundesarchiv 102-17049/CC-BY-SA)

Er war Hitlers Marketing-Stratege: Joseph Goebbels (1897-1945). Wie bei Adolf Hitler beginnt auch Goebbels' Leben mit Demütigungen und Niederlagen: Als kleiner Junge wird er wegen seines Klumpfußes gehänselt. "Kinder können manchmal furchtbar grausam sein", klagt er seinem Tagebuch, "ich weiß ein Liedchen davon zu singen". Auch Erwachsene können grausam sein. Goebbels' Wunschdoktorvater - ein Jude - lehnt die Betreuung seiner Dissertation ab. Selbst als er dann doch noch zu Doktorwürden kommt, bei einem anderen und ebenfalls jüdischen Professor, startet er holprig ins Berufsleben. Der promovierte Germanist tut sich schwer, als Journalist, Dramaturg oder Schriftsteller Fuß zu fassen. Erst in Hitler scheint Goebbels einen neuen Lebenssinn zu finden. Dieses Mal feiert er mit seinem Tagebuch: "Ein Stern ist aufgegangen. Ich kann endlich wieder glauben. Ich liebe ihn." Weniger liebt er seine jüdische Freundin Else, die er für seinen "Führer" verlässt, um dann Magda zu heiraten - Hitler bezeugt die Ehe. Ebenso wie Else legt Goebbels auch seine Sympathie für den internationalen Sozialismus ad acta. Es ist, als ob er durch den Pakt mit dem Teufel seine ganze Versagensvergangenheit abstreift, um sich als Werbetrommler für Hitlers menschenverachtende Wahnvorstellungen neu zu erfinden.

Der wiederum revanchiert sich beim verhinderten Sprachvirtuosen für die bedingungslose Loyalität mit einflussreichen Jobs in der  Bewegung: Endlich kann Goebbels selbst grausam zu anderen sein - und das macht er genüsslich. Als Redakteur von national-sozialistischen Kampfblättern hetzt er gegen Juden und Kommunisten. Als Gauleiter von Berlin steht ihm nicht mehr nur das gehässige Wort als Waffe zur Verfügung, sondern auch die Knüppel von Hitlers Straßenschlägern. Auch Wahlkämpfe führt Goebbels für die Nationalsozialisten.


Reichspropagandaleiter darf er sich nun nennen. Nach der Machtergreifung lässt Hitler seinem Marktschreier eigens ein Ministeriums einrichten. Am 13. März 1933, heute vor 80 Jahren, verfügt der greise Reichspräsident Paul von Hindenburg in einem amtsdeutsch-trockenen Erlaß : "Für Zwecke der Aufklärung und Propaganda unter der Bevölkerung über die Politik der Reichsregierung und den nationalen Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes wird ein Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda errichtet." Goebbels ist am Ziel. Nach eigenem Gutdünken schaltet er die Presse und den Kulturbetrieb gleich und sorgt dafür dass die Deutschen über Radio und Kinofilme indoktriniert werden. Über den Volksempfänger schreien Hitler und er täglich ihre Hasstiraden in die Wohnstuben. Die Nürnberger Reichsparteitage und die Olympischen Spiele lässt Goebbels von der Leinwandästhetin Leni Riefenstahl inszenieren, die sich nicht lange bitten lässt. Es ist Goebbels' Propagandamaschine, die den Völkermord an den Juden rhetorisch vorbereitet, es ist seine fanatisch sich überschlagende Stimme, die den totalen Krieg ausruft. In der Stunde der totalen Niederlage nehmen sich Magda und Joseph Goebbels das Leben. Die letzte Grausamkeit verüben sie an ihren sechs Kindern, keines älter als zwölf Jahre. Sie reißen sie mit in den Tod, damit sie nicht in einer Welt ohne den Nationalsozialismus aufwachsen müssen. 

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Hans Scholl: Der Kopf der Weißen Rose

Foto: Jessica Deringer
Foto: Jessica Deringer
Hans Scholl (Verwendung des Fotos mit freundlicher Genehmigung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand)
Hans Scholl (Verwendung des Fotos mit freundlicher Genehmigung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand)

Er war Sophies Bruder: Hans Scholl, der Kopf der Weißen Rose. Dass der Student Scholl einmal Widerstand gegen Hitler leisten würde, hätte der Gymnasiast Hans weit von sich gewiesen. Denn eine ganze Weile hatte er ganz anders über den "Führer" gedacht. Geboren im September 1918 wächst Hans Scholl mitten hinein in die ersten Tage der von Anfang an wackeligen Weimarer Republik. Sein Vater, ein liberaler Bürgermeister, ist eine Säule der jungen Demokratie. Hans' erwachende politische Neugier aber gilt den Nationalsozialisten: Marschieren, Fahnen schwenken - und vor allem eine kernige Gemeinschaft. Das reizt Hans und seine Schwester Sophie. Sie geht zum Bund Deutscher Mädel (BDM), er  hat bei der Hitlerjugend (HJ) bald einiges Sagen: Über 150 Jungs hören auf sein Kommando. Auf dem Nürnberger Reichsparteitag defiliert der stolze Fähnleinführer an Hitler vorbei. Seine Briefe zeichnet er mit

 

 

Aus dem ersten Flugblatt der Weißen Rose

 "Wenn jeder wartet, bis der andere anfängt, werden die Boten der rächenden Nemesis unaufhaltsam näher und näher rücken, dann wird auch das letzte Opfer sinnlos in den Rachen des unersättlichen Dämons geworfen sein. Daher muß jeder einzelne seiner Verantwortung als Mitglied der christlichen und abendländischen Kultur bewußt in dieser letzten Stunde sich wehren, soviel er kann, arbeiten wider die Geißel der Menschheit, wider den Faschismus und jedes ihm ähnliche System des absoluten Staates."

"Heil! Hans." Zu Hause ist die Hölle los. Der Vater tobt, der Sohn hält Tränen der Wut und Trotz dagegen: "Unsere Lehrer sagen aber ganz anders als du. Und die müssen doch auch etwas wissen". Einen empfindlichen Dämpfer erfährt der Enthusiasmus der Geschwister Scholl vier Jahre nach Hitlers Machtergreifung: Hans wird verhaftet, weil er sich unerlaubterweise auch in der  unabhängigen und ungezwungeneren Bündischen Jugend engagiert, die von Hitlerjugend und Regime argwöhnisch beäugt wird. Auch die übrige Familie wird von der Geheimen Staatspolizei schikaniert - ein Stigma im Nazi-Staat. Zwar wird das Verfahren später eingestellt, aber innerlich geht Scholl seinem "Führer" von der Fahne. Nach außen unaufällig schlägt er eine bildungsbürgerliche Karriere ein, so gut, wie das eben möglich ist: Dem obligatorischen Arbeitsdienst folgt der obligatorische Militärdienst. Dann beginnt Hans sein Medizinstudium, besucht die Sanitätsschule und zieht als Feldsanitäter in den Krieg. "Der Dienst an den Kranken ist die große Menschlichkeit", vertraut er seinem Tagebuch an. Im Feldlazaratt in Frankreich macht sich das Elternhaus bemerkbar. Schon der Vater war Sanitäter im Ersten Weltkrieg und seine Frau, Scholls Mutter Magdalena, ist eine kirchlich ausgebildete Krankenschwester.


Die christlichen Werte, die sie einst säten, blühen nun in Hans. Dass er Kontakte zu christlichen Gelehrten knüpft, tut ein Übriges. Unvereinbar sind das christliche Menschenbild und die nationalsozialistische Menschenverachtung. Ist da Widerstand nicht legitim? Die spitze Feder und Flugblätter sind für die Geschwister Scholl und ihre Mitstreiter geeignete Mittel, um die Deutschen wachzurütteln. Sechs Flugblätter bringt die Weiße Rose in Umlauf. ehe man sie denunziert, verhaftet und dem selbstgerechten obersten Nazi-Richter Roland Freisler vorführt. Bei seiner Vernehmung bekennt Hans: "Als ich mich zur Herstellung und Verbreitung von Flugblättern entschlossen habe, war ich mir darüber im Klaren, daß eine solche Handlungsweise gegen den heutigen Staat gerichtet ist. Ich war der Überzeugung, daß ich aus innerem Antrieb handeln mußte und war der Meinung, dass diese innere Verpflichtung höher stand, als der Treueid, den ich als Soldat geleistet habe. Was ich damit auf mich nahm, wußte ich, ich habe auch damit gerechnet, dadurch mein Leben zu verlieren." Die Eltern richten ein Gnadengesuch"Bei unseren Kindern handelt es sich um arglose Idealisten, die noch nie in ihrem Leben irgend jemand etwas Unrechtes zugefügt haben." Sie haben viel mehr getan als nichts. Sie haben sich gegen das Unrecht gestemmt, dafür ihre Leben riskiert und gegeben. Am 22. Februar 1943 - heute vor 70 Jahren - werden Sophie und Hans Scholl hingerichtet. Seine letzten Worte sind sein Vermächtnis, das es zu bewahren gilt: „Es lebe die Freiheit!“

Übrigens: Die Konrad-Adenauer-Stiftung erinnert heute an die Weiße Rose mit einer Facebook-Veranstaltung.

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Hjalmar Schacht: Hitlers Geldedintreiber

Foto: Broom R R (Fg Off)/Royal Air Force, 1942-1945 CL2383“. Lizenz: PD
Foto: Broom R R (Fg Off)/Royal Air Force, 1942-1945 CL2383“. Lizenz: PD
Hjalmar Schacht (Bundesarchiv, Bild 102-12733 / CC-BY-SA 3.0)
Hjalmar Schacht (Bundesarchiv, Bild 102-12733 / CC-BY-SA 3.0)

Er war des Teufels Geldeintreiber: Hjalmar Schacht. Erst sorgt der ehemalige Reichsbankpräsident im "Freundeskreis der Wirtschaft" dafür, dass eine Reihe deutscher Industrieller und Bankiers Reichspräsident Paul von Hindenburg darum bitten, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Kaum einen Monat nach dessen Machtübernahme redet Schacht den Industriellen selbst ins Gewissen: Die knappen Wahlkampfkassen der Nationalsozialisten sollen sie auffüllen. Schacht ist der Strippenzieher hinter dem Geheimtreffen am 20. Februar 1933 - heute vor 80 Jahren. Reden lässt er erst Hitler und der eröffnet den Wirtschaftsbossen, was er zuvor den Wehrmachtsgeneralen angekündigt hatte: „Wir müssen erst die ganzen Machtmittel in die Hand bekommen, wenn wir die andere Seite ganz zu Boden werfen wollen." Die dafür benötigten Mittel soll der erfahrene Staatsbanker Schacht beschaffen und vermehren. Denn der hat nicht nur Erfahrungen bei Privatbanken gesammelt (u. a. Dresdner Bank), sondern er hat sich in der Weimarer Republik auch als erfolgreicher Finanzpolitiker bewährt: Als Delegationsleiter hat er verschiedentlich die Verhandlungen um die deutschen Reparationszahlungen nach dem  Ersten Weltkrieg geführt. Als Reichswährungskommissar hat er die Inflation von 1923 beendet wurde dafür an die Spitze der Reichsbank berufen. Aber alle kleinen und großen Erfolge des liberalen Demokratien befriedigen Schacht nicht. Er wendet sich mehr und mehr den rechten Parteien zu. In Hitler findet er den Macher, dem er seine finanzpolitische Expertise lieber zur Verfügung stellt als der gescheiterten Demokratie. Das gilt auch für seine Wirtschaftsfreunde. Krupp, Quandt und Konsorten stellen bereitwillig die Millionen, die Schacht von ihnen nach einem peniblen Schlüssel einfordert: Den Löwenanteil soll die Kohle- und Eisenindustrie beisteuern - aber die wird ja auch kräftig am kommenden Krieg verdienen. Auch Chemie, Automobil- und Maschinenbau dürfen  sich gerne beteiligen. Der erfolgreiche Geldeintreiber Schacht findet sich schon bald wieder an der Spitze des Reichswirtschaftsministeriums und der Reichsbank. Zwölf Jahre später wird aus der Reichsbank die Anklagebank der Nürnberger Prozesse. Auch wenn die Allierten ihn freisprechen, die Stuttgarter Entnazifizierungsspruchkammer verurteilt ihn als "Hauptschuldigen" zu acht Jahren  Arbeitslager. Obwohl er sich auch dort wieder herausklagen kann, nehmen ihm die Deutschen  die Selbstreinigungsschrift "Abrechnung mit Hitler" nicht ab.

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Curt Liebmann: Der nibelungentreue General

General Curt Liebmann (Bundesarchiv, Bild 183-E03804 / CC-BY-SA)
General Curt Liebmann (Bundesarchiv, Bild 183-E03804 / CC-BY-SA)

Er war ein mitschreibender Soldat: General Curt Liebmann (1881-1960). Während seines dreißigjährigen Militärdienstes hat er sich immer wieder Notizen gemacht, wenn seine Vorgesetzten redeten. Denn als Stratege im preußisch-deutschen Generalstab oder als Statistik-Sachwalter im Truppenamt hat er den Bleistift als wirksame Waffe schätzen  gelernt. Und so schreibt er auch am  3. Februar 1933 eifrig mit: Dieses Mal ist es der neue Reichskanzler Adolf Hiter, der im konspirativen Wohnzimmerkreis bei General Kurt von Hammerschmidt-Equord die Reichswehrführung in seine politischen und militärischen Ziele einweiht. Während Hitler sich in Rage redet ordnet der Schreibtisch-General seine Ergießungen in vier nüchterne Kategorien: 1. Inneres, 2. Äußeres, 3. Wirtschaft, 4. Wehrmacht.

Was Liebmann aber zu Papier bringt, das hätte ihm den Atem verschlagen müssen. Ungeschminkt diktiert ihm Hitler bereits volle Programm seiner militärischen Verbrechen in den Block, vom Angriffskrieg über die Gleichschaltung bis zum Völkermord: 

  • "Einstellung der Jugend u. des ganzen Volkes auf den Gedanken, dass nur der Kampf uns retten kann..."
  • "Ertüchtigung der Jugend u. Stärkung des Wehrwillens mit allen Mitteln. Todesstrafe für Landes- u. Volksverrat. Straffste autoritäre Staatsführung. Beseitigung des Krebsschadens der Demokratie!" 
  • "Eroberung neuen Lebensraums im Osten u. dessen rücksichtslose Germanisierung..."

Welche Ironie des Schicksals, dass dieser Eroberungskrieg auf den Tag genau zehn Jahre später im Kessel von Stalingrad enden wird (2./3. Februar 1943). Aber die Generäle nickten nur dienstbeflissen und akurat mit den Köpfen. Das hat Liebmann nicht notiert. Dafür aber die Tochter des gastgebenden Generals, die als Spitzel den kommunistischen Nachrichtendiensten zuarbeitet. Ihrem mutigen Zeugnis ist zu verdanken, dass seit einigen Jahren bekannt ist, wie wenig die führenden Generale den verbrecherischen Größenwahn Hitlers hinterfragt oder gar hintertrieben haben: "Er sprach die ersten Worte gesetzt, dann in immer grösserer Ekstase, über den Tisch gelegt, gestikulierend. Nach der Meinung der Generale sehr logisch und theoretisch gut, überzeugend betreffend der innerpolitischen Probleme. Aussenpolitisch wenig klar. Nach Art seiner Agitationsreden wiederholte er die markantesten Stellen bis zu 10 Mal..." Die Masse der "Mein Kampf"-Käufer mag sich noch mehr schlecht als recht damit entschuldigen  Hitlers menschenverachtendes Programm nicht gelesen zu haben. Die militärische Führung konnte es nach dieser Rede Hitlers heute vor 80 Jahren nicht mehr.

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Adolf Hitler: Das Böse

Hitler Biographie im Biografien-Blog
Quelle: http://lagis.online.uni-marburg.de/de/imagepopup/s3/sn/edb/id/709-F-20, © Druck: Deutschland erwacht. Werden, Kampf und Sieg der NSDAP, 1933, S. 79

Nun also doch: Adolf Hitler (1889-1945) ist an der Regierung. Zweimal hat sich Paul von Hindenburg, das greise Staatsoberhaupt der todgeweihten Weimarer Republik geweigert, den von ihm verachteten "böhmischen Gefreiten" zum deutschen Reichskanzler zu ernennen. Am 30. Januar 1933 aber tut er es doch: Zehn Jahre nach Hitlers gescheitertem Staatsstreich gegen die Republik ist er nun deren Regierungschef.

Der Lebensversager

Bundesarchiv, Bild 102-13774 / Heinrich Hoffmann / CC-BY-SA
Bundesarchiv, Bild 102-13774 / Heinrich Hoffmann / CC-BY-SA

Der Hitler-Putsch von 1923 war nicht die einzige Niederlage des gebürtigen Österreichers. Im Gegenteil: Erfolge oder Verdienste, die seine Kanzlerernennung erklären könnten - Fehlanzeige! Hitler war sogar ein regelrechter Lebensversager: In der Schule war er dreimal sitzengeblieben, in seinen Jugendjahren in München und Wien hatte er sich als Gelegenheitskünstler mehr schlecht als recht durchgeschlagen und Ansichtskarten gezeichnet. Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges meldete er sich freiwillig - in Deutschland.  Seine kommandierenden Offiziere aber trauten ihm Führung nicht zu und so brachte er nur zum Gefreiten. Dieser gleich mehrfach Gescheiterte also schickt sich nun an, Deutschlands Geschicke in die Hand zu nehmen. Für den (Fackel)-Schein von Tatkraft sorgt Hitlers emsig brummende Propagandamaschine, die von Joseph Goebbels gelenkt wird: Die Nationalsozialisten feiern Hitlers Machtergreifung als "Tag der nationalen Erhebung" mit einem Fackelzug durchs Brandenburger Tor. Mit ausgestrecktem rechten Arm grüßt der neue Reichskanzler seine im Stechschritt vorbeidefilierenden Schlägertrupps der SA (Sturmabteilung). In Straßenschlachten und Lokalprügeleien mit den politischen Gegnern (Kommunisten, Sozialdemokraten) hat die SA bereits Hitlers wahre, brutale und rücksichtslose Fratze gezeigt, aber das wollen die Deutschen nicht sehen. Sie sehen nur den neuen vermeintlich starken Mann, der sich brüstet, alle inneren und äußeren Probleme lösen zu können: Armut und Arbeitslosigkeit will er ebenso überwinden wie die Kriegsniederlage und den schmachvollen Versailler Friedensvertrag. Noch lieber als den neuen starken Mann zu sehen, der sich bei Licht betrachtet hölzern wie eine schlecht geschnitzte Marionette bewegt, wollen ihn die Deutschen hören. Denn eines konnte Hitler  tatsächlich: reden. Wie kein Zweiter hypnotisierte Hitler die Massen mit Worten

Das sogenannte "Dritte Reich"

Dass Hitler sich und sein "Drittes Reich" dabei auch noch in die ruhmreiche deutsche Geschichte einordnete und sich so den Glanz geschichtlicher Erfüllung verlieh, gefiel den von den Siegermächten gekränkten Deutschen - aber ach, das ist in jeder Hinsicht falsch und bloße Geschichtsklitterung: Denn Hitler war kein Friedrich der Große, den er so verehrte. Der war Preuße, hatte für ein Deutsches Reich wenig und für die Österreicher nichts übrig. Hitler war auch kein Bismarck, denn jener war ein gebildeter Diplomat, der seine Bündniskünste für die Friedenserhaltung einsetzte und nicht, um Krieg zu führen.

Bundesarchiv, Bild 183-S33882 / CC-BY-SA 3.0
Bundesarchiv, Bild 183-S33882 / CC-BY-SA 3.0

Hitler war noch nicht einmal ein neuer Kaiser. Ihm fehlte die Würde Wilhelms I. und selbst mit Wilhelm II., der gerne mit dem Säbel rasselte, hatte mit Hitler fast nichts gemein. Denn Wilhelm rasselte eben nur - und als der Krieg dann kam, da rasselte er noch einmal besonders laut und überließ dann seinen Generälen das Feld. Ganz anders Hitler, der die totale Macht nur will, um den totalen Krieg der Rassen zu entfesseln und höchstselbst zu führen: Früh schon ließ er sich Führer nennen, erst von den Parteigenossen, dann vom Volk. Im Krieg, den Hitler kraft seiner Herrlichkeit ganz alleine zu gewinnen dachte, flüsterwitzelte man vom GröFaZ (Größter Feldherr aller Zeiten). GröVaZ wäre treffender gewesen. Denn Hitler war der größte Verbrecher aller Zeiten. Erst ließ er alle politischen Gegner hinrichten, gleich ob sie sich wehrten oder nicht. Selbst persönliche Freunde exekutierte er ohne mit der Wimper zu zucken, wenn sie zu eigenmächtig wurden. Er schickte Millionen von Soldaten in den Tod, selbst Kinder und selbst dann noch, als alles entschieden war. Er setzte seine menschenverachtende Rassenlehre ins Werk und ließ Millionen wehrloser Menschen erschießen: Polen, Russen, Sinti und Roma, geistig und körperlich Behinderte. Sein größtes Verbrechen aber ist der Holocaust: Hitler baute Fabriken, um Menschen zu töten und um ein ganzes Volk, die Juden, auszurotten:


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Häftlinge bei der Ankunft im KZ Auschwitz (Bundesarchiv, Bild 183-N0827-318 / CC-BY-SA)

Die Antwort auf die sogenannte Endlösung der Judenfrage waren die Gaskammern in den Konzentrationslagern. Das alles hätten die Deutschen heute vor 80 Jahren noch nicht noch nicht sehen müssen, aber sie hätten es sehen können, wenn sie Hitlers ungenierte Offenbarung  "Mein Kampf" nicht nur gekauft, sondern auch gelesen und ernst genommen hätten: Selbst wer nicht bis zu den Kapiteln über Rassenwahn und Judenhass gekommen wäre, der hätte doch schon auf der ersten Seite stutzig werden müssen. Denn dort lässt sich nachlesen, was Hitler von den Deutschen wollte: Den Endsieg im Eroberungskrieg um Lebensraum: "Der Pflug ist dann das Schwert, und aus den Tränen des Krieges erwächst für die Nachwelt das tägliche Brot." Die Deutschen, das Volk der Dichter und Denker, haben es nicht gelesen. Sie jubelten lieber (und noch freiwillig) angesichts des neuen Hoffnungsträgers.

 

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Neville Chamberlain: Der Hitler-Versteher

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Adolf Hitler begrüßt Neville Chamberlain (Foto: Bundesarchiv)

Er ist der große Beschwichtiger des 20. Jahrhunderts: der britische Premierminister Neville Chaimberlain. Er gibt sich versöhnlich, als die englischen Arbeiter 1926 in den Generalstreik treten. Er zeigt sich verständig, als die Inder ihre Unhabhängigkeit einforderten. Er ist nachsichtig mit Hitler und seiner aggressiven Außenpolitik der 1930er Jahre. Nach und nach bricht Hitler den Versailler Vertrag: Das Deutsche Reich rüstet auf, besetzt das entmilitarisierte Rheinland und vollzieht den Anschluss Österreichs. Der Westen betreibt Appeasement und lässt Hitler gewähren. Mit dem Münchner Akommen gesteht ihm Chamberlain 1938 sogar zu, die sudetendeutschen Gebiete zu annektieren (siehe Foto). Der große Beschwichtiger wollte Hitler und die Deutschen mit seinen Zugeständnissen davon abbringen, einen Krieg zu entfesseln. Das ist der große Fehler des Neville Chamberlain. Es ist eine feinsinnige Ironie der Geschichte, dass Chamberlain ausgerechnet an einem für die Deutschem so schicksalsträchtigen Datum das Zeitliche segnet: am 9. November 1940 - heute vor 71 Jahren.


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