Johnny Cash: Dunkle Stimme, dunkles Leben

Johnny Cash ist ein Country-Held. Sein Leben hatte er nicht so gut im Griff wie seine Gitarre. Lesenswert ist es trotzdem...

Victoria Ocampo
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Eigentlich wollte Johnny Cash nur angeln. Mit seinem Wohnmobil ist er zu dem Weier im Wald gefahren. Unterwegs hat er sich Tabletten eingeworfen. Cash schluckt Aufputschmittel. Er braucht das, obwohl er alles hat, was ein Mann braucht: Familie und einen Traumjob als gefeierter Country-Musiker. Im Rausch hat er den Wald angezündet. Jetzt brennt alles lichterloh - auch sein Leben - und hätte sein Neffe nicht Hilfe geholt, wäre auch Cash verbrannt.

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Die Stimme von Johnny Cash ist unverkennbar: Dieser klare und doch brummige, volle und doch verletzliche tiefe Sound seines Bassbaritons ist nicht nur sein musikalisches Markenzeichen. Er lässt tief in die Abgründe der Lebensgeschichte dieser legendären Country-Ikone blicken. Mann in Schwarz haben sie ihn genannt - und auch hier muss man nicht nur an die typische Kleidung von Johnny Cash denken - es trifft auch auf seine geschundene Seele zu. Cash ist ein Lebenskünstler und ein Lebensversager. Einer, der alles erreicht hat: Familie und Fans, Geld und Ruhm - und einer, der all das ruiniert, weil er sich derbe gehen lässt und seiner Tablettensucht das Spiel seines Lebens überlässt. Ein Biograf, der sich anschickt, diesen Widerspruch zu erklären, braucht braucht Platz, viel Platz. Robert Hilburn hat sich über 800 Seiten gegönnt: Das wiederum ist der Albtraum des Rezensenten. Aber dieses Mammutwerk ist ein Meisterwerk: Eine intimes Lebensgemälde, das auf einer Staffelei mit drei Beinen steht: Auf der unverhohlenen Bewunderung für den Künstler Cash, auf dem einfühlsamen Umgang mit der labilen Psyche eines innerlich vereinsamten Superstars - und auf der kompromisslosen Verurteilung des unverantwortlichen Lebenswandels von Johnny Cash.

Victoria Ocampo im Biografien-Blog
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Es wäre leicht, Johnny Cashs Lebensgeschichte in Sterotypen zu erzählen: Der Junge, der Gospels singt und dem die Mutter nicht nur das Leben schenkt, sondern auch die Gitarre, die ihn berühmt macht. Die Ehe mit Vivian, die schwierigen ersten Karriereklänge, das Familienglück von vier Töchtern, der musikalische Durchbruch, das Abrutschen in die Tablettensucht, die Verhaftung wegen Drogenbesitzes, Scheidung, Selbstmordversuche, neue Liebe, legendäre Konzerte (beispielsweise im Folsom-Gefängnis), Weltruhm. Cashs Biograf Hilburn macht es sich nicht so einfach. Er hat nicht den Drang, nur die Skandale oder familiären Tragödien zu zeigen, sondern das ganze Bild. Dazu zählen Song-Analysen, Zeitzeugen-Interviews, Einordnungen und eine Tendenz zur Vollständigkeit, die manchmal an Unerbittlichkeit grenzt (zum Beispiel bei der Fülle an Namen von Weggefährten, Partnern und Managern). Es es selten, dass eine Biografie nichts allzu sehr  beiseite lässt und nichts allzu sehr aufgebauscht. Robert Hilburn hatg das geschafft - und Johnny Cash ein echtes Denkmal errichtet.

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Udo Lindenberg: Der Einheitsrocker

Udo Lindenbergs Musik hat die Berliner Mauer erschüttert. Udo hat für die Einheit gerockt - die Audiostory berichtet davon...

Udo Lindenberg im Biografien-Blog
Udo Lindenberg (Pressefoto von Tine Acker)

"Och, Erich ey, bist Du denn wirklich so ein sturer Schrat?" Udo Lindenberg singt den ostdeutschen Machthaber Erich Honecker ganz persönlich  an - auf dem ganz großen Bahnhof. Dort steht der Sonderzug nach Pankow bereit zur Abfahrt. Udo will für alle Deutschen rocken, aber der sture Schrat lässt ihn nicht rein in die DDR. Der "kleine Udo" gibt sich betont naiv - und das ist ziemlich end: "Warum lässt Du mich nicht singen im Arbeiter- und Bauernstaat?"

Udo Lindenberg: Die Lebensgeschichte

Ja, warum eigentlich nicht. Die Stasi, Honeckers skrupelloser Spitzeldienst, kann nicht erkennen, dass Udo Lindenberg ein typischer Westmusiker ist. Dabei ist Udo ein echter Westfale, 1946 geboren und aufgewachsen in Gronau. Der spätere Panikmacher Udo Lindenberg entdeckt seine Leidenschaft sehr früh: Er trommelt, was das Zeug hält. Das macht er gut. Der Mann am Schlagzeug der ersten Tatort-Titelmelodie ist Udo Lindenberg. Panik kriegen da höchstens seine Eltern Hermine und Gustav. Was soll bloß aus dem Jungen werden?

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Klar: Musiker! Aber das Schlagzeug ist nur seine erste Liebe. Die ist heiß und innig und man vergisst sie nie. Aber die Liebe seines Künstlerlebens wird das Mikrofon. Udo Lindenberg kann zwar nicht singen, aber er ist ein genialer Sänger. Der Sonderzug seiner Karriere hält erstmal an jeder Milchkanne: Stationen in kleinen und größeren Bands markieren seinen Weg zum Chef des Panikorchesters, das ab 1973 tourt. Lindenbergs musikalische Neugier, seine Kunstfiguren wie Bodo Ballermann und Rudi Ratlos und vor allem seine unnachahmliche Stimme machen ihn, der fast immer schwarz trägt, zu einem der buntesten Rocker Deutschlands.

Dem geteilten Deutschland ergeht es in diesen Jahren weit schlechter als Udo, der sich von Erfolgsalbum zu Erfolgsalbum komponiert - die Nase immer dicht dran an gesellschaftlichen Trends und Problemen. Deutschlands Teilung ist so ein Problem, dem sich Lindenberg in den 1980er Jahren zuwendet. Lindenberg singt an Honecker und schreibt an Honecker, bis er endlich (unter strengen Auflagen) wirklich einmal in Ostberlin auftreten darf (vor parteitreuen Nachwuchssozialisten). Eine schon genehmigte Tournee wird wieder abgesagt. Aber Lindenberg lässt nicht locker. Er schenkt Honecker eine Lederjacke: "Ich weiß, tief in dir drin, bist Du eigentlich auch'n Rocker." Als die Mauer zwei Jahre später endlich fällt, baumelt am Bande um Udos Hals das Bundesverdienstkreuz für seine Bemühungen um die Verständigung zwischen Ost und West.

Udo Lindenberg im Biografien-Blog
Udo Lindenberg 1974 (Foto: Heinrich Klaffs, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Udo Lindenberg Audiostory: Die Rezension

Über Udo ist alles gesagt. Das macht eine neue Biografie zur echten Herausforderung. Michael Herden scheint das gewusst zu haben. Jedenfalls hat er die Finger gelassen von einer Skandal-Biografie, die sich mit einzigartigen neuen und in solchen Fällen meist zweifelhaften Erkenntnissen brüstet. Die Audiostory referiert Lindenbergs Leben und sein Lebenswerk. Das ist sowohl famos als auch etwas fade. Famos ist diese Audiostory aus drei Gründen. Erstens: Sie liefert in knapp vier Stunden Hörzeit Lindenberg kompakt mit allem, was man wissen muss. Zweitens: Die Audiostory ist gespickt mit Einspielern von Udos Weggefährten. Die Aufnahmequalität lässt zwar vermuten, dass es sich hier um Mitschnitte der Rechercheinterviews handelt, aber der dokumentarische Wert macht das allemal wett. Drittens: Lindenbergs Leistungen (wie das Bemühen um die Deutsche Einheit) werden gewürdigt, ohne dass seine Schattenseiten (Alkoholprobleme, Streitigkeiten in der Band) ausgeblendet werden. Etwas fade ist die Audiostory, weil sie weniger wie eine Erzählung als wie ein Bericht daherkommt. Der nüchterne Stil macht es manchmal schwer, die schillernde Figur Udo Lindenberg vor Ohren zu haben...

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Kurt Cobain: Heldentod im Heroinrausch

Kurt Cobain (1967-1994) war ein amerikanischer Rockmusiker

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Er war der bedeutendeste Rocker der 1990er Jahre: Kurt Cobain. Mit seiner Band Nirvana schrieb er Musikgeschichte und stieß den King of Pop vom Thron: Ihr zweites Album Nevermind verdrängte Michael Jacksons Dangerous von der Spitze der Billboard Music Charts. Eine Ikone wollte Cobain nicht sein. Den Kult um sich hat er nicht lange ausgehalten. Am 5. April 1994, heute vor 20 Jahren, hat er sich im Heroinrausch ein Schrotgewehr in den Mund gesteckt und abgedrückt...

Kurt Cobain wird am 20. Februar 1967 als Provinzei geboren. Seine Eltern Donald und Elizabeth leben im beschaulichen Nest Aberdeen im US-Bundesstaat Washington. Kurts Kindheit beginnt idyllisch: Ein braver, blonder Junge lernt Klavier und freut sich des Landlebens. Später hat er für Aberdeen weniger übrig. Die Menschen dort seien ein „bigottes Pack von Schwulenhassern und Holzfäller-Rednecks, die Kautabak kauen und Hirsche abknallen“. Nach neun Jahren zerbricht die Ehe der Eltern - und mit ihr das Glück des kleinen Kurts. Noch dazu nehmen sich drei Verwandte und ein Nachbarsjunge das Leben - düstere Vorahnung?


Kurt findet Trost bei seiner Gitarre. Bald hört  man aus seinem Zimmer die ersten Riffs. In Seattle, der nächsten größeren Stadt, rockt er in verschiedenen Bands. Cobains eigene Projekte tragen prophetische und programmatische Namen: Von Fecal Matter (Fäkalien) bis zu Nirvana (buddhistische Bezeichnung für den Ausweg aus dem Kreislauf der Leiden). Cobains Leiden besteht vor allem in starken Magenschmerzen. Seine Schmerzmittel sind Drogen. Damit hat er Erfahrung. Marihuana, LSD, hallizugene Pilze, Heroinspritzen - noch ehe er als Grunge-Rocker Karriere macht, durchläuft er die typische Junkiebiografie. Dass seine Frau Courtney Love genauso gerne auf Trips geht, macht die Sache nicht besser. Kurt Cobain richtet sich mit Ansage zugrunde. Seinen ausgemergelten Körper muss er unter mehreren Lagen von Schlabberpullis verstecken - so auch beim wohl berühmtesten Nirvana-Konzert: dem Gig bei MTV Unplugged (siehe Clip).  

Quelle: Instagram/Frances Bean Cobain
Quelle: Instagram/Frances Bean Cobain

Dabei trägt er Verantwortung nicht nur für sich - und das ist bei aller berechtigten Heldenverehrung für das Sprachrohr einer ganzen Generation unverzeihlich: Kurt Cobain und Courtney Love sind Eltern der kleinen Frances, die heute über Instagram Bilder von sich mit ihrem Vater postet (siehe rechts). Als seine Tochter gerade mal einen Tag alt ist, taucht Cobain mit einer Knarre im Krankenhaus auf, und spricht von Selbstmord. Mit Mühe und Not bringt in Courtney Love davon ab - vorerst. Dem Magazin Rolling Stone erzählt sie:  "Aber am Ende rückte er die Pistole heraus. Kurt ging dann in irgendein anderes Zimmer des Krankenhauses, er hatte eine Dealerin zu sich bestellt. Im Krankenhaus starb er fast. Die Dealerin sagte, sie hätte noch nie jemanden so tot gesehen." Cobain kann noch toter: Immer häufiger spricht er von Suizid. Er posiert mit einem Lauf im Mund und nimmt (vergeblich) eine Überdosis Tabletten. Aber am Ende siegt die Sehnsucht nach dem Sterben: Im Heroinrausch tötet sich Cobain mit einem Schrotgewehr. In einem langen Brief versucht er sich bei seiner Familie für das Unentschuldbare zu entschuldigen: "Du weißt, daß ich dich liebe, und daß ich Frances liebe", schreibt er an Courtney Love, "es tut mir so leid. Bitte folg mir nicht nach. Ich weiß nicht, wohin ich jetzt gehe, ich halt's nur hier nicht mehr aus." 27 Jahre ist Cobain, als er sich das Leben nimmt - wie so viele andere Ikonen aus Pop und Rock...

 

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Ernst Neger: Der singende Dachdeckermeister

Vor 25 Jahren ist die Mainzer Fassenachtsikone Ernst Neger gestorben

Der singende Dachdecker: Ernst Neger (Foto: Youtube)
Der singende Dachdecker: Ernst Neger (Foto: Youtube)

Er war der singende Dachdeckermeister: Ernst Neger. Mit "Rucki Zucki", "Winni winni wanna wann" und mit dem "Humbta Täterä" hat Ernst Neger Fassenachtsgeschichte geschrieben. Wenn er mit der braunen Lederschürze und dem hellblauen Kragen ans Mikrophon tritt, dann brechen die Närrinnen und Narrhalesen in Jubel, Trubel und Heiterkeit aus (siehe Clip):

Dabei hat Ernst Neger das Leben nicht nur von der fröhlichen Seite kennengelernt: Geboren wird er 1909 im Mainzer Vorort Bretzenheim. Dort baut sein Vater Karl-Josef gerade erfolgreich einen Dachdeckerbetrieb auf. Das Glück währt nur kurz. Im Ersten Weltkrieg zerfetzt ihm eine Granate beide Hände - und damit auch den Traum vom Handwerkerleben. Die frohsinnige Mainzer Lebensart erwischt sie nicht. Karl-Josef Neger hält unerschrocken optimistisch solange durch, bis sein Sohn die Firma übernehmen kann. Ernst Neger lernt, den Schrecken des Krieges mit Herz und rheinhessischem Humor zu trotzen. „Mit dem Herz musst du immer dabei sein, ganz egal, was du denkst, was du tust, was du fühlst“. Wenn er über die Dächer von Mainz kraxelt, ist Ernst Neger mit dem Herzen dabei - aber auch, wenn er in geselliger Runde Gossenhauer trällert oder in der fünften Jahreszeit in die Bütt' steigt. Kaum, dass sich alles ein wenig beruhigt, kehrt der Krieg zurück. Aber Ernst Neger bleibt das Schicksal seines Vaters erspart. Er kehrt gesund zurück in ein ausgebomtes Mainz. Dort baut er nicht nur die Dächer wieder auf, sondern auch die Mainzer selbst. Sein "Heile, heile Gänse" singt Ernst Neger (begleitet am Klavier von Toni Hämmerle) mit einer Nachkriegsstrophe, die bis heute unter die Haut geht, weil sie jecke Leichtigkeit zur Trösterin in schweren Zeit  macht (im Clip ab Minute 3:30 oder im Text).

"Wenn mich emol de Herrgott holt, dann wüsste ich nur eens:
Ich nähm' in meine Arme weit mein arm' zertrümmert´ Meenz.
Und streichel es ganz sanft und lind und sag' "Hab' nur Geduld!
Ich bau Dich widder auf geschwind! Ja, Du warst doch gar net schuld.
Ich mach dich widder wunnerschön,
Du kannst, Du derfst net unnergehn…

Heile, heile Gänsje
Es is bald widder gut,
Es Kätzje hat e Schwänzje
Es is bald widder gut,
Heile heile Mausespeck
In hunnerd Jahr is alles weg.

Nicht alles kann das Gänsje heilen und nicht alles is in hunnerd Jahr weg. Ernst Negers Klassiker werden bleiben - auch über seinen Tod am 15. Januar 1989 hinaus (heute vor 25 Jahren). Was in der Erinnerung verblasst, dass lassen Ernst Negers Sohn Karl und sein Enkel Thomas wieder aufleben. Sie führen nicht nur den Familienbetrieb weiter, sondern tragen auch mit Stolz die Meenzer Fassenachtsfarben Rot, Weiß, Blau und Gelb.

Übrigens: Das  Humba-Täterä ist mit dem 1. FSV Mainz 05 als Feierhymne in die Bundesliga eingezogen und wird gerne kopiert. Mit dem Original schunkelt sich' trotzdem am besten...

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Jim Morrison: König der Eidechsen

Foto: Elektra Records-Joel Brodsk, Lizenz: public domain
Foto: Elektra Records-Joel Brodsk, Lizenz: public domain
Foto: Elektra Records, Lizenz: Public Domain
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Er war ein Poet des Rock 'n' Roll: Jim Morrision. „Wenn meine Dichtung auf irgendetwas abzielt," sagt der Frontmann der Kultband The Doors, "dann darauf, die Menschen aus den Zwängen zu befreien, innerhalb derer sie sich sehen und fühlen.“ Solche Zwänge kennt James Douglas Morrison, geboren heute vor 70 Jahren, zur Genüge. Sein Vater George steht für alles das, was Jim später bis auf's Blut bekämpfen wird: Das prüde, selbstgerechte, militaristische Amerika. George Morrison bringt es in der US-Marine bis zum Admiral. Als Kommandeur eines Flugzeugträgers ist er an dem Zwischenfall im Golf von Tonkin beteiligt, der den Vietnam-Krieg auslöst. Auch Sohn James soll zur Marine - aber der will nicht. Jim Morrison studiert lieber ein paar Semester, wie man Filme macht. 

Dann soll er in der Band eines Kumpels als Sänger einspringen. Morrison springt - und wie. Es folgt ein kometenhafter Aufstieg vom Spelunken-Rocker zum Sex-Symbol einer ganzen Generation. Aber die Ikone geht einen Pakt mit dem Teufel ein. In den 1960ern - den Jahren der Jugendrevolte -  offenbart sich Satan in Drogen und Alkohol. Die öffnen ihm die Pforten der Wahrnehmung, von denen schon William Blake und Aldous Huxley geschwärmt hatten. Von den Doors of Perception  ist Jim so begeistert, dass er seine Band danach benennt: The Doors.

 


Wer durch die Pforten der Wahrnehmung schreitet, bricht durch auf die andere Seite: Break On Through (On the Other Side). Morrison wandelt zwischen den Welten der Realität und des Empfindens: Gefühle sind ihm die eigentliche Wirklichkeit. "Wenn man sich seiner Gefühle schämt und sie unterdrückt, lässt man zu, dass die Gesellschaft die eigene Realität zerstört."  Aber wie immer, wenn der Teufel mitspielt, ist der Preis zu hoch: Morrison zerstört zwar nicht seine Emotionen, aber sein Leben: Immer wieder kommt er betrunken oder auf Drogen ins Tonstudio und auf die Bühne. Millionen von Mädchen liegen Morrison zu Füßen, wenn er den Klassiker Light My Fire singt siehe Clip). Halbstarke Jungs und gestandene  Männer feuern ihn an, damit er sich wieder und wieder zu  öffentlichen Skandalen hinreißen lässt. Die sind mittlerweile ebenso Morrisons  Markenzeichen wie die braunen Lederhosen mit indianischen Concho-Gürteln und die schweren weißen Leinenhemden.

Immer wieder rasselt er auf der Bühne mit der Polizei zusammen. Zum Höhepunkt kommt es in Miami, als Morrison der Prozess gemacht wird, weil er sein bestes Stück gezeigt haben soll. Längst ist er auf dem Weg vom starken Held zum aufgedunsenen Alkoholiker, der in Paris innere Einkehr sucht - und dort im Alter von 27 Jahren den Tod findet. Jim Morrison bleibt der Welt als Legende erhalten: als Rock 'n' Roll-Rebell, der Grenzen überschritten, Chaos gestiftet und unsterbliche Songs hinterlassen hat. Den sensiblen Dichter Jim Morrison, der noch hätte reifen müssen, ist einem selbstzerstörerischem Lebenswandel zum Opfer gefallen. Schade.

The end of laughter and soft lies

The end of nights we tried to die

 

This is the end.

 

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Georg Kreisler: Verbitterung als Beruf

Georg Kreislers Autobiografie

Rabanus Flavus, Lizenz: Public Domain
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Der Tod war ihm kein Unbekannter: Georg Kreisler. In seinen makaberen Chansons hat er zu heiterer Klavierbegleitung so manches Ableben besungen: Tauben vergiften, Frauen ertränken, Zirkuselefanten verbrennen - für den österreichischen Berufszyniker war das (musikalischer) Alltag. Über seine schonungslosen Polit-, Kultur- und Sozialsatiren konnten Programmdirektoren und Publikum immer erst nach einer Anstandszeit von gut zehn Jahren lachen. Kreislers humoristische Gesellschaftskritik war immer eine Spur zu schwarz. Im November vor zwei Jahren hat ihn der vertraute Tod selbst heimgesucht. Kurz zuvor hat Georg Kreisler seine Autobiografie vorgelegt, die tiefe Einblicke in ein traumatisiertes Leben gewährt:

Georg Kreisler

Letzte Lieder

Autobiografie

Erschienen bei Arche im August 2009. 160 Seiten kosten in der gebundenen Ausgabe 19,99 €, als Taschenbuch und als E-Book 9,99 €.


Das nur äußerlich schmale Büchlein "Letzte Lieder“ offenbart, wie wenig die gehässige Verbitterung in den Chansons und Texten nur Markenzeichen oder professionelle Masche ist. Kreislers Zynismus kommt von innen und ist das Ergebnis seiner Lebensgeschichte, in der es von Enttäuschungen, Traumata und künstlerischen Verkennungen nur so wimmelt. So zerrüttet wie dieser Lebensgang ist auch der Aufbau des Buches. Ein Inhaltsverzeichnis gibt es nicht, die einzelnen Kapitel sind ohne Überschriften römisch durchgezählt - die Eins erinnert an ein Grabeskreuz. Kreislers Autobiografie trägt auch nicht den Charakter chronologischer Erinnerungen. Vielmehr spinnt er die großen Zusammenhänge aus einzelnen Gedankenfetzen, in denen Erlebtes und Gedachtes aus verschiedenen Lebensphasen ineinander verwoben sind. Kreislers Vater-Kind-Beziehungen geben ein gutes Beispiel ab: Sein eigener Vater verachtet Künstertypen (wie Onkel Otto) und fällt damit als verständiger Vertrauter des musisch begabten Georg aus.  Umso bitterer ist es, dass auch Kreisler später selbst als Vater nicht überzeugen kann:

Mein erster Sohn wurde mir im Alter von acht Jahren mit Gewalt von der Mutter weggenommen und dann mit richterlicher Erlaubnis von mir ferngehalten. Acht Jahre waren wir sehr fröhlich miteinander gewesen, aber das scheint er vergessen zu haben, was ich ihm nicht übel nehmen kann. Auch mein zweiter Sohn war ein fröhliches Kind; erst als Erwachsener entschloss er sich zur Flucht vor mir. Die Gründe dafür sind mir unbekannt, und wenn er meint, sie zu kennen, irrt er sich. Dasselbe gilt für meine Tochter.

Von Kindheit an bestimmen äußere und innere Fluchtzwänge Georg Kreislers unstetes Leben:

Seit ich im Jahr 1938 vor den Nationalsozialisten flüchten durfte, stehe ich unter Zugzwang. Ich ziehe von einem Ort zum nächsten. Basel, wo ich fünfzehn Jahre hauste, erinnerte mich an die Hölle, kommt mir also bekannt vor.

Ähnlich charmant spricht Kreisler fast von allen Wirkungsstätten. Im amerikanischen Exil will er dem Konzentrationslager New York entkommen, in Berlin findet er außer der Liebe seines Lebens nichts Gutes, in Wien hat das Böse gesiegt. Zu allem Überdruss fühlt sich Kreisler verkannt - und damit hadert er virtuos auf der Klaviatur der selbsterfahrenen bitteren Lebensweisheiten. Zu Wort kommen diejenigen, die nicht Kunst produzieren, sondern ihre persönlichen Karrieren, moniert Kreisler und formuliert damit gewissermaßen das Leitmotiv seiner Kulturbetriebsschelte.

Schöpferische Künstler wollen meistens nur, dass man sie als anders geartete Menschen akzeptiert, fast wie Behinderte [...]. Sie scheitern nicht am Publikum, denn das Publikum ist gutwillig und bereit, sie scheitern an denen, die ihnen das Pubklikum verschaffen müssen, den Veranstaltern.

Allerdings verfehlt Kreislers Abrechnung mitunter ihr Ziel. Immer wieder eingestreute Nazi- und Judenvergleiche sollen schockieren (Frauen waren die Juden, die man im Bett brauchte.), wirken aber mitunter lediglich unbeholfen darum bemüht, kreislertypisch Tabus zu brechen. Das hat seine Autobiografie nicht nötig. Ohne die ebenfalls kreislertypische Klavierbegleitung wirken grausige Kriegserinnerungen (als amerkanischer Soldat) oder die Berichte über den Kampf gegen die vielen Gesichter der Zensur aufschreckend genug. Auch das Stelldichein der unzähligen geistesgeschichtlichen Kronzeugen, die Kreisler mehr oder minder gewaltsam ins Buch zerrt, um seine eigenen klugen Gedanken zu stützen (darunter Kafka, Eichendorff, Heine) bringt keinen nennenswerten Mehrwert. Denn was Kreisler mit seinen letzten Liedern (kapitelweise eingestreute Lyrik) bezweckt, liegt auf der Hand: Seine Autobiografie ist eine Verabschiedung, versehen mit dem Flehen, den ernsten Zyniker und Zweifler posthum nicht auf seine Everblacks - die makabren Chansons - zu reduzieren.

Wer nicht kennt als meine Lieder, hat unrecht, wer mich nur mit Taubenvergiften, zwei alten Tanten, Opernboogie und dergleichen gehört hat, irrt sich...

Fazit: Die Autobiografie ist ein Muss für alle Kreisler-Liebhaber. Aber (und darin liegt die Schwäche des Buches) - wer vor der Lektüre keinen Zugang zu Leben und Werk Georg Kreislers hat, der dürfte ihn auch in den letzten Liedern nicht finden. Wer übrigens eine idealtypische Biografie über Kreisler lesen will, ist gut beraten mit dem Buch von Hans-Jürgen Fink und Michael Seufert (Fischer-Verlag, siehe links). 


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Édith Piaf: Die französische Rose

Nationaal Archief, Den Haag, Rijksfotoarchief: Fotocollectie Algemeen Nederlands Fotopersbureau (ANEFO), 1945-1989 - negatiefstroken zwart/wit, nummer toegang 2.24.01.05, bestanddeelnummer 914-6436 - Nationaal Archief. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 nl
Nationaal Archief, Den Haag, Rijksfotoarchief: Fotocollectie Algemeen Nederlands Fotopersbureau (ANEFO), 1945-1989 - negatiefstroken zwart/wit, nummer toegang 2.24.01.05, bestanddeelnummer 914-6436 - Nationaal Archief. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 nl

Sie bereute nichts: Édith Piaf. "Non, Je Ne Regrette Rien", bekennt die französische Chanson-Sängerin mit der betörenden Stimme. Dabei hätte sie nicht nur einen Grund zur Reue gehabt. Der Lebensweg der Piaf ist gepflastert von lotterhaften Männergeschichten, von Alkohol und Drogen und von tragischen Schicksalsschlägen. Geboren ist Édith Piaf 1915 in Paris. Das war alles, was ihre morphiumabhängige Mutter für sie getan hat. Da ihr "Gauklervater" als Schlangenmensch mit einem kleinen Wanderzirkus umherzieht, wächst Édith bei ihrer Großmutter auf. Bald entdeckt sie die Erotik ihrer Stimme - und die Lust der Männer.


Mit 17 Jahren wird Édith Piaf schwanger, aber die kleine Marcelle stirbt, kaum zwei Jahre alt, an Hirnhautentzündung. Danach wird aus Édith die Piaf: eine Diva, die sich auf der ewigen Suche nach der großen Liebe auch den düstersten Gesellen an den Hals wirft und dabei tief in die Unterwelt abrutscht. Sie verfällt einem Zuhälter, gerät selbst ins Zwielicht und wird sogar des Mordes beschuldigt. Männer, die ihr gut tun, betrügt sie. Männer, die sie liebt, verliert sie an den Tod. Gleich zwei Partner sterben bei Flugzeugunglücken. Tagsüber versucht sie mit Hilfe eines Mediums beim Tischerücken, Kontakt zu den Verblichenen herzustellen.


Nachts hält sie sich am Mikrofonständer fest und flüchtet sich ins Rampenlicht der großen Varietés. Längst ist sie Weltstar. Ihre Stimme ist eine Verwandlungskünstlerin. "La Vie En Rose" zärtlich gehaucht,  "Milord" spritzig geröhrt. Aber mit ihren Chansons macht Édith Piaf nur die Anderen glücklich. Für ihr eigenes Glück spritzt sie sich Morphium. So schlimm ist die Sucht, dass sie die Nadeln nicht einmal mehr desinfiziert und sie sich stattdessen einfach durch Rock und Strumpfhose in den Oberschenkel sticht. Drei Entziehungskuren bringt sie hinter sich. Dann kommt der Krebs, den sie nicht überleben wird. Drei Skandale lässt sie der Welt zurück: Ihre scham- und schonungslosen Memoiren (diktiert auf dem Sterbebett), die Last-Minute-Heirat mit dem zwanzig Jahre jüngeren Théo und eine gefälschte Todesurkunde - eine Piaf muss in Paris das Zeitliche segnen, auch wenn sie in Plascassier gestorben ist - heute vor 50 Jahren.

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Amy Winehouse: Soul und Sucht

Festival Eurockéennes. Lizenziert unter CC BY 2.0
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Sie hatte eine Jahrhundertstimme: Amy Winehouse. Schon als Teenager hat Amy eine Röhre wie eine fünfzigjährige Schwarze. Das stellt zumindest einer ihrer frühen Förderer im Londoner Jazz-Jugendorchester staunend und bewundernd fest. In der Tat: Amy ist die geborene Jazzsängerin. Das hat sie von ihrem Vater Mitch, einem Londoner Taxifahrer aus jüdischer Familie. Mitch hört  die Soul- und Jazzlegenden der 1960er Jahre rauf und runter. Amy singt die Songs nach und hat den Rythmus schnell im Blut. Singen wird zu ihrem Lebensinhalt.

Selbst im Unterricht trällert sie fröhlich vor sich hin. Mit Selbstdisziplin hat schon die Fünfzehnjährige wenig am Hut. An einer normalen Schule ist sie damit fehl am Platz. Aber auf einer Schule für Bühnenkünstler ist sie besser aufgehoben. Auch wenn sich Amy um fast nichts kümmert, tut sie alles, um an diese Schule zu kommen.


Sie besorgt das Anmeldeformular alleine, füllt es alleine aus und verfasst ein Motivationsschreiben: "Ich will berühmt werden. Ich will, dass die Menschen meine Stimme hören und für fünf Minuten ihre Sorgen vergessen." Sorgen kennt Amy zur Genüge: Seit der Scheidung ihrer Eltern  verfolgt sie der Alptraum verlorener familiärer Nähe und Geborgenheit. Darunter leidet sie Zeit ihres allzu kurzen Lebens. Die Trennungen von ihrem ersten Freund und von ihrem späteren Mann Blake Fielder-Civil stürzen Amy in tiefe Krisen. Aus diesen Depressionen findet Amy zwei Auswege: Der eine, die Musik, führt sie zum Weltruhm. Der andere Ausweg führt über Drogen in den Tod. In ihren eigenen Songtexten verarbeitet sie all' das Leid, das ihr widerfährt. Im Alkohol ertränkt sie die Ängste und Sorgen, die sich nicht wegsingen lassen. Dort, wo sich die beiden Auswege kreuzen, schafft Amy den Durchbruch: "Sie wollten, dass ich in eine Reha-Klinik gehe", textet die längst dem Alkohol verfallene Amy, "aber ich habe nein gesagt." 'Rehab' heißt die erste Auskopplung aus ihrem preisgekrönten Album 'Back to black'. Die geplante Europatournee wird zum Desaster. Amy steht betrunken auf der Bühne, so wie sie sie schon jahrelang durch die Londoner Bars und Clubs torkelt. Obwohl sie ein halbes Jahr Auszeit in der Karibik nimmt, ist es zu spät. Amy erliegt ihren Eskapaden. Im Alter von nur 27 Jahren - wie so viele andere Rocklegenden auch - stirbt Amy Winehouse 2011 an einer Alkoholvergiftung. Heute, am 14. September 2013, wäre sie 30 Jahre alt geworden.

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Sir Mick Jagger: Der Ritter des Rock'n'Roll

Mick Jagger in den 1970er-Jahren (Foto: Dina Regine,  Lizenz: CC-BY-SA 2.0)
Mick Jagger in den 1970er-Jahren (Foto: Dina Regine, Lizenz: CC-BY-SA 2.0)

Er ist der Erste Ritter des Rock’n’Roll: Sir Mick Jagger. Vor ziemlich genau vor zehn Jahren hat das englische Königshaus den Frontmann der ‚Rolling Stones‘ geadelt. Eigentlich wollte Queen Elisabeth II. Jagger noch viel früher zum Ritter schlagen. Der aber hatte vor lauter Konzerttourneen einfach keine Zeit. Erst über ein Jahr später kniet er im Buckingham Palast nieder – und im schwarzen Ledermantel, einen roten Schal leger um die Schultern geworfen.

Ein bisschen Rebell, ein bisschen Establishment: Mick Jagger lebt solche Widersprüche genüsslich aus, und das nicht nur in der Öffentlichkeit: Zwei bürgerlichen Ehen, aus denen fünf Kinder hervorgegangen sind, stehen zahllose Affären und Seitensprünge gegenüber (und weitere zwei Kinder). „Ich wäre lieber tot, als mit 45 noch ‚Satisfaction‘ zu singen“, hatte der Twen getönt. „Wir sind ein Symbol der Ewigkeit“, philosophiert der Rock-Opa, der auch heute noch leidenschaftlich „I Can’t Get No…“ ins Mikro röhrt (siehe Clip). Seit über einem halben Jahrhundert hält Rockritter Jagger nun in den großen Stadien der Welt Hof und verzückt sein Millionengefolge. Seine Rockritterrüstungen sind knallbunte und hauteng auf den spindeldürren Körper geschnittene Kostüme. Das hätte man dem jungen Michael Phillip Jagger kaum zugetraut. 


Schüchtern und in sich gekehrt war er als Kind gewesen. Später als Student einer renommierten Londoner Wirtschafts- und Politikhochschule hatte er bereits die ersten Sprossen einer ganz anderen Karriereleiter erklommen. Dann aber kommt es zu einer schicksalsträchtigen Bahnsteig-Begegnung. Mick Jagger trifft Keith Richards. Beide sind unterwegs nach London, beide mögen die amerikanischen Bluesplatten, die Jagger dabei hat. Musik verbindet und die beiden merken schnell, dass der eine gerne Gitarre spielt und der andere gerne singt. An diesem Morgen wird der Keim der vielen Kult-Hits gesät, mit denen die ‚Rolling Stones‘ bis heute Furore machen werden. Fünf Jahrzehnte Sex, Drugs und vor allem sein Rock’n’Roll haben Mick Jagger zu einer lebenden Legende gemacht, die heute, am 26. Juli 2013, ihren 70 Geburtstag feiert.

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Adriano Celentano: Der politische Entertainer

Adriano Celentano (Foto: Dekt, Lizenz: CC-BY-SA-3.0)
Adriano Celentano (Foto: Dekt, Lizenz: CC-BY-SA-3.0)

Er ist einer der großen italienischen Entertainer: Adriano Celentano. Als gelernter Uhrmacher erkennt er früh die Zeichen der Zeit, sucht sein Glück im Rock 'n' Roll - und findet eine Karriere im Rampenlicht: Als 19jähriger gewinnt Adriano 1957 seinen ersten Wettbewerb, macht damit das Kino auf sich aufmerksam und legt daraufhin eine beeindruckende Doppelkarriere hin. Auf der Bühne rockt er die Festivals mit eigenen und gecoverten Nummern (zum Beispiel 'Azzurro' von Paulo Conte). Über 150 Millionen Platten hat Celentano verkauft. Auf der Leinwand zeigt er vor allem seine Qualitäten im Slapstick (siehe unten: Querschnitt-Clip).

Der Titel eines seiner beliebsten Streifen, 'Gib dem Affen Zucker', könnte auch das Motto seiner Fernsehshow 'Rockpolitik' (2005) sein - nur umgekehrt:

Der Titel eines seiner beliebsten Streifen, 'Gib dem Affen Zucker', könnte auch das Motto seiner Fernsehshow 'Rockpolitik' (2005) sein - nur umgekehrt: Gib dem Affen Saures! Der Affe ist niemand geringeres als der damalige italienische Regierungschef Silvio Berlusconi. Und obwohl der auch den staatlichen Sender RAI lenkt kann er nicht verhindern, dass Celenatano auchgerechnet auf dieser Bühne lautstark gegen Berlusconi wettert. Genüsslich kommentiert Celentano vor einem begeisterten Millionenpublikum  die Einschätzung der unabhängigen Organisationen Freedom House, wonach die Presse in Italien nur "teilweise frei" frei sei und sich mit Bolivien und der Mongolei den 77. Platz der Länderrangliste teilt.  "Alle haben Angst vor den Worten", erklärt er.


"Heutzutage kann man nur die Dinge sagen, die niemanden stören." Die Italiener aber lechzen nach dem freien Wort und danken es Celentano mit nie gekannten Einschaltquoten. Vielleicht sollte sich Berlusconi die 'Rockpolitik' nochmal genau anschauen, ehe er wiederum nach der Macht über die greift, die ihn mit Schimpf und Schande davon gejagt haben. Für die Italiener jedenfalls ist es ein großes Glück, dass nicht alle Rock 'n' Roller früh sterben. Adriano Celentano jedenfalls feiert heute seinen 75. Geburtstag - das Eulengezwitscher gratuliert: Tanti auguri di buon compleanno!

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John Lennon: Der Friedensträumer

Lennons (Foto: Jack Mitchell, Lizenz: VIAF: 19994658 | LCCN: nb91388418 | BNF: 15554250 | WorldCat)
Lennons (Foto: Jack Mitchell, Lizenz: VIAF: 19994658 | LCCN: nb91388418 | BNF: 15554250 | WorldCat)

Per aspera ad astra - durch Nacht zum Licht! Seit Beethoven hat kaum ein Komponist diese Wandlung eindrucksvoller umgesetzt als der ehemalige Beatle John Lennon. Lennon nutzt aber nicht den Klang eines Symphonieorchesters, sondern er bedient sich der Effekte des modernen Musikvideos, um seine Botschaft zu verbreiten (siehe Clip): Dunkel ist es, als er sich an den Flügel setzt. Doch jedes Fenster, das seine Frau Yoko Ono öffnet, lässt helle Sonnenstrahlen herein. Warmes, weißes Licht flutet den Raum, während John seine Utopie singt: "Imagine all the people living life in peace..." Dass er diesen Traum unter tragischer Mithilfe von Alkohol, Marihuana und LSD geträumt hat, kümmerte kaum einen, der sich an der Bettkante von John und Yoko davon erzählen ließ (sogenannte Bed-ins). Dass Lennons Leben 1980 tragisch endete - er wurde in New York erschossen - bestürzt seine seine Huldiger dagegen noch heute. Da aber das Werk größer ist als sein Urheber und dessen Hilfsmittel, darf der Traum vom Weltfrieden auch heute noch geträumt werden, auf den Tag genau 41 Jahre, nachdem "Imagine" als Single erschienen ist  - am 11. Oktober 1971.

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