Oktober 1962: Die Sowjets verschiffen Nuklearsprengköpfe nach Kuba. Kreml-Chef Chruschtschow und Stab wollen Washington ins Visier nehmen. US-Präsident Kennedy und seine Berater halten dagegen. 13 Tage steht die Welt am atomaren Abgrund. Die Biografien der Hauptfiguren im Machtspiel mit den roten Knöpfen gibt's ab dem 14. Oktober 2012 in einem siebenteiligen Eulengezwitscher-Extra zur Kuba-Krise vor 50 Jahren.

Fidel Castro: Der Guerilla-Staatschef

Warum Kuba? Fidel Castros sowjetische Wende

Foto: Warren K. Leffler, lizenziert unter Gemeinfrei
Foto: Warren K. Leffler, lizenziert unter Gemeinfrei
Lizenz: gemeinfrei
Foto: Luis Korda, Lizenz: Gemeinfrei

Havanna im Januar 1959: Fidel Castro hat es doch noch geschafft. Nach sieben Jahren im Gefängnis, im Exil und im bewaffneten Kampf gegen die amerikafreundliche Militärdiktatur General Batistas ziehen die siegreichen Rebellen in die kubanische Hauptstadt ein. In den Bergen der Sierra Maestra im Osten der Insel haben sie sich wilde Bärte wachsen lassen - Symbol ihrer Entschlossenheit, Kuba aus der Versklavung des US-Imperialismus zu befreien. Der junge Sozialrevolutionär Castro legt Wert darauf, dass die kubanische Revolution seine eigene Handschrift trägt und die seines Idols José Matrí, eines kubanischen Freiheitskämpfers des 19. Jahrhunderts (gegen die spanische Besetzung). Jedenfalls sieht sich Castro nicht als Kommunist: „Unsere Revolution ist nicht rot, sondern olivgrün. Sie trägt die Farbe der Rebellenarmee aus der Sierra Maestra.“ Seine engsten Vertrauten, Ché Guevara und Fidels Bruder Raúl sehen das anders. Sie wollen Kuba zum Kommunismus erziehen. Castro willigt ein und so gewinnen hinter den Kulissen die Hardliner an Einfluss. Beamte und Offiziere werden marxistisch-leninistisch geschult, Sachentscheidungen werden nicht mehr autark von den zuständigen Ministerien getroffen, sondern in der‚Abteilung für revolutionäre Planung und Kooperation‘. Außerdem sucht das schwache Kuba Schutz vor den übermächtigen USA.


Foto: Alberto Korda, Lizenz: Gemeinfrei
Foto: Alberto Korda, Lizenz: Gemeinfrei

In Washington sieht man es nämlich nicht gerne, dass Castro - selbst als Sohn eines Großgrundbesitzers geboren (1926) - die US-Agrarkonzerne auf Kuba zugunsten der Kleinbauern enteignet und auch die Luxushotels für amerikanische Lustreisende beschlagnahmt. Als die US-Regierung dann auch noch eine Gruppe von Exikubanern bei der Invasion der Insel in der Schweinebucht finanziell und logistisch unterstützt (1961), nutzt Castro die Gunst der Stunde, proklamiert er den „Triumph des Sozialismus“ und lässt sich von Sowjetführer Nikita Chruschtschow protegieren. Kuba wird kommunistisch und zum idealen Stützpunkt für die sowjetischen Raketen vor der amerikanischen Haustür. Fünf Jahre liergen nun zwischen dem verwilderten Guerillaführer in den Bergen der Sierra Maestra und dem Zünglein an der Waage der Weltpolitik. Fünf Jahre, die Castro vom einstigen Freiheitskämpfer zum künftigen Unterdrücker werden lassen.

 

Fidel Castros Biografie weiterzwitschern:

0 Kommentare

John F. Kennedy: Der Führer der freien Welt

Die ExComm - John F. Kennedys geheimer Stab

U-2-Pilot - National Archives, John F. Kennedy Presidential Library, Boston, Massachusetts. Licence: Public Domain
U-2-Pilot - National Archives, John F. Kennedy Presidential Library, Boston, Massachusetts. Licence: Public Domain
White House photo portrait. Licensed under Public Domain
White House photo portrait. Licensed under Public Domain

"Nicht Kuba", stöhnt John F. Kennedy (1917-1963), als ihm sein Berater McGeorge Bundy die Aufklärungsfotos von den Bauarbeiten an sowjetischen Raketensilos zeigt (siehe oben), "nicht schon wieder Kuba!"  Die kleine Insel entwickelt sich zum großen Trauma des jüngsten US-Präsidenten aller Zeiten (vereidigt 1960 im Alter von 43 Jahren). Zwar ist er exzellent ausgebildet und hat die elitäre Erziehung einer der einflussreichsten amerikanischen Familien genossen; zwar gilt er als Hoffnungsträger der jungen  Generation; zwar ist er mit der Stilikone Jackie verheiratet; aber all' das hilft im nicht im täglichen Kleinklein des Kalten Krieges. Sein Umgang mit Kuba hat ihm gar den Ruf des Zauderers und Zögerers eingebracht: Erst hat ihn die amerikanische Wirtschaft bedrängt, energisch gegen Castros antikapitalistische Enteignungspolitik vorzugehen, dann hat er nur halbherzig die exilkubanische Invasion in der Schweinebucht unterstützt. Der umsichtige Kennedy weiß, dass sein eigentlicher Gegenspieler nicht Havanna, sondern in Moskau lauert. Und doch: Sein sowjetischer Widersacher Nikita Chruschtschow traut Kennedy ebensowenig  wie die Hardliner in dessen  eigenem Lager zu, Moskau die Stirn zu bieten und die Aufrüstung Kubas zur atomaren Raktenbasis zu verhindern. In der Tat donnert Kennedy nicht mit der starken Faust des Kalten Kriegers auf den Tisch des Schicksals. Er wählt die verborgene Variante. Am 16. Oktober 1962 - heute vor 50 Jahren - setzt er als überlegter Weltenlenker das geheime Gremium ExComm (Executive Committee) ein, in dem der nationale Sicherheitsrat, verdiente Diplomaten und Militärexperten sorgsam verschiedene Handlungsoptionen durchdenken kann, noch ehe die Sowjets wissen, dass sie enttarnt sind. Von der Öffentlichkeit unbemerkt spielen Kennedy und sein Bruder Robert (1925-1968) in der ExComm ihre Stärken aus: klares Kalkül, diplomatischen Feinsinn, nüchterne Analyse komplexer Entscheidungssituationen. Denn noch ist unklar, ob der Präsident einen Luftschlag gegen Kuba anordnen oder eine andere Alternative wählen wird.

John F. Kennedys Biografie weiterzwitschern:

0 Kommentare

Andrej A. Gromyko: Der Außenminister

White House - The John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston. Licensed under Public Domain
White House - The John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston. Licensed under Public Domain
Mieremet, Rob / Anefo, Dutch National Archives, The Hague, Fotocollectie Algemeen Nederlands Persbureau (ANeFo), 1945-1989, Nummer toegang 2.24.01.05 Bestanddeelnummer 925-7251. Licensed under CC BY-SA 3.0 nl
Mieremet, Rob / Anefo, Dutch National Archives, The Hague, Fotocollectie Algemeen Nederlands Persbureau (ANeFo), 1945-1989, Nummer toegang 2.24.01.05 Bestanddeelnummer 925-7251. Licensed under CC BY-SA 3.0 nl

Locker und gelöst - als gut gelaunte Männerrunde präsentieren sich US-Präsident John F. Kennedy, der sowjetische Außenminister Andrej Andrejewitsch Gromyko und ihre engsten Mitarbeiter am 18. Oktober 1962 im Weißen Haus - heute vor 50 Jahren. Gromyko ist in nahezu allem das Gegenteil zu Kennedy: Er ist ein mit allen Wassern gewaschener Kalter Krieger; ein sturer Realpolitiker, der bei Stalin und Molotow gelernt hat, ein russicher Imperialist, ein  kleingeistiger Ideologie der reinen Macht. Geboren 1909 als Bauernsohn, Eintritt in die Kommunistische Partei 1931, Studium, Promotion über das amerikanische Wirtschaftssystem - man muss den Gegner verstehen! - dann schnell Karriere im diplomatischen Dienst, Botschafter  in Washington, schließlich Außenminister. Dieser Gromyko scherzt mit Kennedy, feilscht mit ihm um Berlin und schweigt zu Kuba. Dabei geht es allen Beteiligten um nichts anderes. Die allseitigen Lacher und Schulterklopfer sind nicht persönlich und herzlich, sondern  professionell. Denn in Wahrheit belauern sich die Kontrahenten im Weißen Haus. Die Sowjets wollen ihre Raktenpläne geheimhalten und ahnen nicht, dass sie bereits durchschaut sind. Allerdings wissen die Amerikaner nicht, wieweit die Bauarbeiten an den Raktensilos schon vorangeschritten sind. Diese Information wäre hilfreich bei ihrer fieberhafte Suche nach Gegenmaßnahmen die wiederum den Sowjets verborgen bleiben soll.. Beide, Kennedy und Gromyko, warten darauf, darauf dass sich der jeweils Andere zuerst verrät. Beide warten vergebens. Der Nervenpoker Kuba-Krise geht in die nächste Runde. 

Andrej Gromykos Biografie weiterzwitschern:

0 Kommentare

Robert McNamara: Der Verteidigungsminister mit Moral

Lizenz: gemeinfrei
Cecil Stoughton, White House - The John F. Kennedy Presidential Library, Boston. Licensed under Public Domain_
Oscar Porter, U.S. Army, lizenziert unter Gemeinfrei
Oscar Porter, U.S. Army, lizenziert unter Gemeinfrei

Ein Intellektueller im Pentagon - das geht gar nicht. Die Militärs murren schon, als John F. Kennedy Robert McNamara zum Verteidigungsminister beruft. Das kann nichts Gutes bedeuten. Kennedy aber hält den schneidigen McNamara mit der markanten Gelfrisur für einen der Besten, die ihm je begegnet sind.  Als Manager hat es McNamara bis an die Spitze des Ford-Konzerns gebracht, als ihn Kennedy 1961 in die Verantwortung nimmt. Dass er auch etwas vom Krieg versteht, hat McNamara in den 1940er Jahren bewiesen, als er den Einsatz von Brandbomben während der Luftangriffe auf japanische Städte mit mathematischen Berechnungen nach ökonomischen Gesichtspunkten optimierte. Ganz nebenbei ist es Kennedy und seinem Bruder Robert ganz recht, dass mit dem 1916 geborenen McNamara noch ein Mittvierziger im Kabinett sitzt, der für den Generationenwechsel steht. In der Kuba-Krise behält McNamara einen kühlen Kopf. Während Kennedy mit dem sowjetischen Außenminister Andrej Gromyko zusammensitzt, brütet  McNamara im ExComm die Idee aus, eine Seeblockade über Kuba zu verhängen. Am 20. Oktober 1962, heute vor 50 Jahren, findet sich in Kennedys geheimem Stab eine Mehrheit für die Blockade und damit gegen Luftangriffe auf die sowjetischen Raketenbasen auf Kuba. Die Militärs toben, aber McNamara ist den ersten Schritt auf seinem persönlich Weg vom Hardliner zum Kriegskritiker gegangen. Obwohl er für die massive atomare Aufrüstung verantwortlich zeichnet, obwohl er den Vietnam-Krieg forciert hat, ist sein Name auch mit einem grundsätzlichen Strategiewechsel der US-amerikanischen Außenpolitik verbunden: Nicht mehr der nukleare Erstschlag ist fortan die Doktrin, sondern die Flexible Response - eine Strategie, die der Entspannung im Kalten Krieg dient. Mehr noch: 2003, sechs Jahre vor seinem Tod, räumt McNamara in einer bewegenden Dokumentation eigene Fehler ein und beschwört die Nachwelt, daraus zu lernen (siehe Clip). Die unter Politikern seltene Fähigkeit zur öffentlichen Selbstkritik macht McNamara zu einem der bedeutendsten Weltenlenker des 20. Jahrhunderts.

Robert McNamaras Biografie weiterzwitschern:

0 Kommentare

Nikita Chruschtschow: Der Herrscher des Ostblocks

Lizenz: gemeinfrei
The National Archives and Records Administration. Lizenziert unter Gemeinfrei
Foto: John Fitzgerald Kennedy Library. Lizenz: Gemeinfrei
Foto: John Fitzgerald Kennedy Library. Lizenz: Gemeinfrei

Vom Sohn eines Kleinbauern über den Bergarbeiter-Gewerkschafter und den Frontkommissar in Stalingrad zum Herrscher einer Supermacht: Nikita Chruschtschow (1894-1971) verkörperte den amerikanischen  Traum - allerdings auf der östlichen Seite des Eisernen Vorhangs. Chruschtschow ist ein Oppurtonist, ein Mann der günstigen Gelegenheit: Er war Stalinist, als Stalin in war. Er war es, der Stalin entmystifierte und sich von dessen Verbrechen lossagte, als Stalin out war. Er war es, der dem jungen US-Präsidenten die Hand reichte: Klein, kahl, bullig, ordinär, aber stets mit listig funkelnde Augen, so hatte Kennedy Chruschtschow 1961 beim diplomatischen Gipfeltreffen in Wien kennengelernt. Im direkten Kontakt hatten sich die beiden zugebilligt, dass sie die Welt gemeinsam regieren. Jetzt, in der Kuba-Krise, reden sie nicht miteinander. Lange hat Chruschtschow Kennedy unterschätzt. Doch am 22. Oktober 1962, heute vor 50 Jahren, entpuppt sich das naive Präsidentenbürschchen als  gerissener Gegenspieler: In einer weltweit beachtenden Fernsehansprache offenbart Kennedy, dass er von Chruschtschows Plänen weiß und fordert ihn auf, die Raketen abzubauen und kündigt die Blockade Kubas an. Der oberste Sowjet, der im Kreml längst nicht mehr unumstritten ist, gerät jetzt auch außenpolitisch unter Zugzwang. Seine Antwort ist die des waidwunden Bären - trotzig verkündet er, die Blockade nicht hinzunehmen und die Welt stellt sich auf ihre Vernichtung ein...

Nikita Chruschtschows Biografie weiterzwitschern:

0 Kommentare

Curtis LeMay: Der Hardliner

Foto: USAF. Lizenziert unter Gemeinfrei
Foto: USAF. Lizenziert unter Gemeinfrei

Er war der härteste der Hardliner im Kalten Krieg: Generalstabschef Curtis LeMay (1906-1990). Geboren und aufgewachsen als Sohn eine Tageslöhners hat LeMay Armut, Aggressionen und Angst um das nackte Leben gewissermaßen mit der Muttermilch in sich aufgesogen. Trotzdem scheint er seine Herkunft zu überwinden: Zwar kommt er nicht aus Ohio heraus, aber dort studiert er civil engineering, die Wissenschaft von anspruchsvollen baulichen Systemen wie Eisenbahn- und Autobahnbrücken. Brückenbauer ist LeMay aber nur sehr kurz gewesen: Er hat die Luftbrücke ins blockierte Berlin (1948) maßgeblich mitgeplant und realisiert. Viel engagierter sich General Gnadenlos Curtis LeMay seinen Ruf als Zerstörer erarbeitet. Im Zweiten Weltkrieg drohte er als Luftwaffenoffizier seinen Untergebenen mit Kriegsgericht, sollten sich aufgrund technischer Probleme Bombenangriffe auf Deutschland abbrechen. "Iron Ass" (Eisenarsch) rufen sie ihn deshalb. Später verantwortet er die Bombadierung Tokios, bei der 100.000 Japaner das Leben ließen (1945). Ungerührt gibt LeMay zu Protokoll, dass es ihm nichts ausmache, Japaner zu töten. In der Kubakrise droht sich der Wadenbeißer der US-Regierung von der Leine zu reißen, an der ihn Präsident John F. Kennedy und Verteidigungsminister Robert McNamara mit  Mühe halten. Seit man in Washington um die sowjetischen Pläne weiß, Raketen mit atomaren Sprengsätzen auf Fidel Castros Insel zu installieren, bellt LeMay ein ums andere Mal: Luftschlag, Invasion, Erstschlag! Als Kennedy und Co auf diplomatische Lösungen setzen, schlägt LeMay alleine los: Ohne das Wissen seines Obersten Dienstherren lässt er am 26. Oktober 1962  provokativ Atomwaffentests durchführen, heute vor 50 Jahren. Wie wird Chruschtschow darauf reagieren - und wie Kennedy?

Curtis LeMays Biografie weiterzwitschern:

0 Kommentare

Robert F. Kennedy: Bruder und Berater

Lizenz: gemeinfrei
Robert L. Knudsen - U.S. National Archives and Records Administration. Lizenziert unter Gemeinfrei
Foto: Jac. de Nijs / Anefo - Nationaal Archief. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 nl
Foto: Jac. de Nijs / Anefo - Nationaal Archief. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 nl

Er war der große kleine Präsidenten-Bruder: Robert F. Kennedy (1925-1968). Alle bedeutenden Entscheidungen im Oval Office stimmte John F. Kennedy mit dem knapp acht Jahre jüngeren "Bobby" ab. Neben Robert McNamara verkörperte Robert in der Regierung seines Bruders als Justizminister die junge Generation. In der Kuba-Krise rücken die Brüder noch enger zusammen, wie so oft gemeinsame Krisen Brüder noch stärker aneinander binden. Und gemeinsam erwehren sie sich den aggressiven Forderungen des Luftwaffen-Generalstabschefs Curtis LeMay, der unentwegt darauf dringt, die sowjetischen Raketenbasen zu bombadieren und Fidel Castro zu stürzen. Robert aber bietet den Militärs die Stirn, hält so dem Präsidenten den Rücken frei und verantwortet mit ihm die schwierigen Entscheidungen in den Krisentagen - wie wunderbar, einen jüngeren Bruder zu haben! Während John sich mit dem sowjetischen Außenminister Andrej Gromyko trifft, brütet Robert im Verborgenen über diplomatischen Lösungen. Am 27. Oktober 1962, heute vor 50 Jahren, übernimmt er sogar die ganze Verantwortung für das Wohl und Wehe der Welt am Rande des Atomkriegs. Gemeinsam haben die Brüder auf der Terrasse des Weißen Hauses (siehe oben) einen verwegenen Geheimplan ausgeheckt, den Robert nun in einem ebenso geheimen Treffen Chruschtschows Botschafter Anatoli Dobrynin übermittelt: Die Amerikaner ziehen ihre Mittelstrecken-Raketen aus der Türkei zurück, wenn die Sowjets ihre Basen in Kuba wieder abbauen. Die Diplomatie hat Erfolg, der Kreml lenkt ein und die Welt erwacht aus ihrem Alptraum vom Atomkrieg. Die beiden Katastrophen-Abwender im Weißen Haus werden das kommende Jahrzehnt dennoch nicht erleben. John F. Kennedy wird 1963 erschossen, Robert nur fünf Jahre später, als er sich gerade anschickt selbst als Präsident ins Oval Office einzuziehen. So endet das Eulengezwitscher-Spezial zur Kuba-Krise vor 50 Jahren mit dem gewaltsamen Tod der beiden, die sie in besonnener Weise maßgeblich abgewendet haben.

Robert F. Kennedys Biografie weiterzwitschern:

0 Kommentare

Fidel Castro: Tod eines Träumers

Fidel Castro ist tot. Der ewige Revolutionär hat sich auf Kuba sein eigenes Utopia geschaffen - und es dann zerstört.

Fidel Castro im Biografien-Blog
Foto: Marcelo Montecino, CC BY-SA 2.0

Fidel Castro war ein Träumer. Er hat von einer gerechten und guten Gesellschaft geträumt - und er hat dafür gekämpft: Als ewiger Revolutionär hat er sich sein ganzes Leben gegen vermeintliche Ungerechtigkeit und Unterdrückung gewehrt. Kuba hätte sein Utopia werden sollen: eine Insel der glückseligen Sozialromantiker. Doch dieser Traum hat sich als Alptraum entpuppt - und Castro als einer der Menschen, die er selbst immer bekriegt hat: als skrupelloser Karibik-Diktator.

Fidel Castro und Camilo Cienfiegos
Fidel Castro und Camilo Cienfiegos

Fidel Castro ist einer der Menschen, die mich am meisten faszinieren. Was ist das für ein Mann, der sein Leben für Ideale riskiert, die er dann verrät und entehrt? Das sozialromantische Programm seiner Revolution liest sich auf dem Papier wie eine Utopie für das 20. Jahrhundert: Der junge Castro beschwört die Freiheit, die Gerechtigkeit und die Brüderlichkeit. Er sagt dem Staatsterror den Kampf an und verspricht eine rechtsstaatlich verfasste und liberale Gesellschaftsordnung, die Wohlstand und Wohlbefinden für alle bringt.   

Als junger Rechtsanwalt und Studentenführer streitet Fidel Castro gegen den kubanischen Militärdiktator Batista und für seine Vorstellungen von Demokratie. Zumindest gibt er das vor. Kaum, dass seine siegreiche Revolution den Tyrannen vertrieben hat, sitzt aber auch schon der nächste große Unterdrücker in Havanna. Anfangs jubeln ihm die vermeintlich befreiten Kubaner euphorisch zu, weil Castro die amerikanischen Konzerne enteignet und den Großgrundbesitz auf die armen Landbauern verteilt. Sie bewundern ihn dafür, dass er den wutschnaubenden US-Politikern in Washington trotzig die Stirn bietet (auch wenn er sich dafür den Sowjets andienen muss). Sie freuen sich über bessere Bildung und Gesundheitsversorgungen, und sehen geflissentlich darüber hinweg, dass Castros Kuba auch nichts anderes als eine Zweiklassengesellschaft ist. Sie feiern einen Volkstribunen, der als Guerillero selbst mit dem Gewehr für die Freiheit seiner Heimat gekämpft hat und der als Staatenlenker selbst mit der Machete das Zuckerrohr schneidet. Bis heute wird dieses Bild gepflegt. Die Wahrheit sieht seit Jahrzehnten anders aus.

Foto: Uhl
Foto: Uhl

Castros Klinge trifft nicht nur das Zuckerrohr. Seit den ersten Tagen der erfolgreichen Revolution räumt er erbarmungslos jeden aus dem Weg, der ihm nicht mehr bedingungslos folgt - oder ihm auch nur gut ins Gewissen redet. Selbst engste Vertraute und Waffenbrüder des Guerillakampfes sind vor Castro nicht sicher. Schauprozesse zementieren die konsequent errichtete Castro-Diktatur, die im Lauf der Jahrzehnte zum eigenen Denk- und Mahnmal erstarrt. Denn wirtschaftlich liegt Kuba am Boden und kaum eine der unzähligen Reformen schlägt an.  Lediglich die unermüdliche Revolutionsrhetorik des maximo lider ("Vaterland oder Tod! Wir werden siegen!" ) gaukelt bald noch den ewigen Fortschritt vor. Tatsächlich verwaltet das Castro-Regime die längste Zeit seines Bestehens den Stillstand. Dass sich Castro an der Macht halten kann, verdankt er auch seinem wohl wichtigsten - wenn auch unfreiwilligen - Verbündeten: den USA. Deren kompromissloses Wirtschaftsembargo ist eine willkommene Begründung dafür, dass die kubanische Konjunktur nicht so richtig anspringt. Und die politischen und militärischen Intrigen der USA gegen das Castro-Regime verklären den Despoten zum tapferen Idealisten, der sich einer Weltmacht nicht beugen will. Unter dem Träumer Castro ist Kuba in einen jahrzehntenlangen Tiefschlaf gesunken. Jetzt, da Fidel Castro selbst für immer eingeschlafen ist, wird sich zeigen, ob Kuba wieder erwacht... 

Mehr über Fidel Castro gibt's in der Biografien-Serie zur Kubakrise:

Rezension weiterzwitschern:

0 Kommentare

Mehr biografische Miniaturen?

Hier geht es zu den Politikern, Schauspielern, Malern und Künstlern, Schriftstellern und Journalisten, Militärs, Unternehmern, klassischen Musikern, Musikern aus Rock und Pop, Pionierinnen, Gläubigen, Fußballern, Nobelpreisträgern und Forschern im Eulengezwitscher. Alle Persönlichkeiten lassen sich auch direkt ansteuern (rechte Spalte). Ein Klick auf die Eule führt zur Kategorienübersicht.