"Die Welt durch die Augen von unterschiedlichen Menschen sehen"

Gernot Uhl über gute Biografien, miterlebte Lebensgeschichten und einen Schuppen voller Helden...

Foto: Eulengezwitscher/Rüdiger Uhl
Gernot Uhl, Foto: Markus Schmidt-Keber

Dr. Gernot Uhl (Jahrgang 1980) ist  Blogger und Buchautor. Lebensgeschichten sind seine Leidenschaft. Am liebsten liest und schreibt er über Menschen, die für ihre Überzeugungen einstehen. In seiner E-Book-Reihe Die Bibliothek der Wagemutigen verbindet Gernot Uhl seine zehnjährige journalistische Praxis (Allgemeine Zeitung Mainz, Die Welt, Frankfurter Allgemeine, BILD) mit seiner akademischen Ausbildung als promovierter Politikwissenschaftler. Hauptberuflich kümmert er sich um das Employer Branding des IT-Lösungspartners URANO und baut dort unter anderem URANO.blog auf. Gernot Uhl lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern am Fuß des Hunsrücks im schönen Naheland.

Wie ich auf Biografien gekommen bin...

Seit ich lesen kann, lese ich Lebensgeschichten. Mein frühester Lieblingsbiograf war Josef Carl Grund, der das Leben großer Menschen für kleine Menschen erzählt hat. Jeden Abend, wenn mich meine Eltern ins Bett gesteckt hatten, bin ich mit der Taschenlampe unter die Bettdecke gekrochen. Dort habe ich in Hannibals Gefolge die Alpen überquert, mit Alexander dem Großen die Welt erobert und mit Kleopatra zu Tisch gelegen. Seither lese ich an Biografien alles, was mir in die Hände fällt...

Warum Biografien wichtig sind...

Geschichte passiert nicht einfach. Es sind Menschen, die Geschichte machen. Und alle Menschen – gerade die genialen und mächtigen – haben ihre Macken. Oft genug sind weltbewegende Entscheidungen aus bloßen Launen heraus getroffen worden, die man nur verstehen kann, wenn man sich mit der Kindheit und dem Heranwachsen der späteren Weltenlenker befasst: mit ihren Ängsten und Begehrlichkeiten, mit den Wurzeln ihrer hehren oder niederen Motive, die tief in der Persönlichkeit verborgen schlummern. Auch künstlerische Meisterleistungen und wissenschaftliche Errungenschaften lassen sich kaum erfassen ohne zu wissen, was ihre Schöpfer und Entdecker bewegt und umgetrieben hat...

Was mich an Biografien fasziniert...

Biografien bieten die Chance, die Welt durch die Augen von ganz unterschiedlichen Menschen zu sehen – wenn sie gut gemacht sind. Gute Biografien müssen mehr sein als nacherzählte Lebensläufe. Gute Biografien müssen begeistern. Man muss buchstäblich in die Lebensgeschichten eintauchen und sie selbst miterleben. Es ist ein immer aufs Neue aufregend und spannend, sich von lieb gewonnenen Vorteilen zu lösen, sich auf die Gedanken und Urteile anderer einzulassen um zu verstehen, warum sie gemacht haben, was sie gemacht haben. Das ist nicht immer einfach und auch nicht immer angenehm – aber immer ein bereicherndes Abenteuer...

Wie ich Biografien schreibe...

In fast jeder Lebensgeschichte gibt es Schicksalsmomente: Schlüsselerlebnisse, Szenarien, in denen es um Alles oder Nichts geht, schwierige Entscheidungssituationen. Diese biografischen Balanceakte nehme ich zum Ausgangspunkt meiner eigenen Bücher aus der Bibliothek der Wagemutigen. Reinhold Messners dramatischer Notabstieg vom Nanga Parbat, Albert Schweitzers erste Ausreise nach Afrika oder Vivienne Westwoods Laufstegpremiere als Modedesignerin: Beim Schreiben möchte ich den Helden meiner Biografien ganz nahe nahe sein und mit ihnen diese Schicksalsmomente durchleben: Mein Anspruch ist es, auch meine Leserinnen und Leser dorthin mitzunehmen...

Warum Wagemut eine Lebenseinstellung ist...

Wagemut ist eine Sache für Helden. Aber man muss nicht seine Existenz oder sein Leben riskieren, um wagemutig zu sein. Wagemut fängt im Kleinen an. In unruhigen Zeiten wie unseren sind Alltagshelden gefragt, die couragiert für ihre Überzeugungen eintreten – zum Beispiel gegen populistische Hetze, Diskriminierung und für ein gütliches Miteinander... 

Wo ich am liebsten schreibe...

Im Sommer schreibe ich am liebsten im Schuppen. Dort, wo früher Sensen und Spaltäxte, Spaten und Vorschlaghämmer ihr Zuhause hatten, entstehen heute meine Biografien und Blogsposts. Und weil darin dauernd um Helden geht, heißt meine urige Schreibwerkstatt Heldenschuppen.

Eigentlich ist ein Schuppen keine Ruhmeshalle. Karg eingerichtet mit ausrangiertem Holzmobiliar, zugig, von Spinnenweben verhangen (und das sind nicht die einzigen tierischen Bewohner). Trotzdem gibt es für mich keinen schöneren Platz, um spannende Heldengeschichten zu erzählen. Vom Wetter gezeichnete Schwarzweiß-Fotografien sind die einzigen Schmuckstücke im Heldenschuppen. Von der windschiefen Bretterwand schaut mir diese illustre Runde über die Schultern. So leisten mir Helden aus der Bibliothek der Wagemutigen und aus dem Biografien-Blog Gesellschaft, wenn ich von ihnen erzähle. Und im Winter schreibe ich in meiner kleinen, aber feinen Bibliothek – und auch dort fühle nicht nur ich mich wohl...

Gernot Uhl bei...

Fragen, Anregungen, Kritik?

Schreiben Sie mir eine E-Mail...

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.