Hillary Clinton: Die Berufspolitikerin

Hillary Clinton betreibt Politik als Beruf. Eine neue Biografie zeigt ihren Weg ins Zentrum der Macht. Der Blog zur US-Wahl.

Victoria Ocampo
Lizenziert unter Gemeinfrei

Diese Wahl wird keinen Sieger hervorbringen, höchstens eine neue US-Präsidentin. Sollte Hillary das Rennen machen, muss sie erst einmal Scherben beseitigen. Der schmutzige Wahlkampf hat sie beschädigt: Donald Trump hat Zweifel an ihrer persönlichen und die politischen Eignung für das höchste Staatsamt gesät: Krank sei sie - und korrupt. Ist sie stark genug, Präsidentin aller Amerikaner zu werden? Eine neue Biografie lässt Antworten erahnen.

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Hillary Clinton wird es schwer haben im Weißen Haus. Viele Amerikaner wollen sie lieber im Gefängnis sehen als im Oval Office - das haben sie im Wahlkampf immer wieder skandiert. Clinton weiß um den Hass, der ihr entgegen schlägt. Sie kennt auch die Vorwürfe: Zu unecht sei sie in ihrem einstudierten Auftreten, zu schwach (vor allem gesundheitlich), zu unprofessionell (mit Blick auf die E-Mail-Affären), zu verbissen und eine Kandidatin von gestern. Möglicherweise stimmt das alles, aber vielleicht auch nichts: Hillary Clinton ist vor allem eine berechnende und ehrgeizige Politmanagerin. Was ihr Glaubwürdigkeit und Authentizität zu fehlen scheint, macht sie durch politische Verlässlichkeit und Berechenbarkeit wett. Und so schwach kann sie auch nicht sein, wenn man bedenkt, wie souverän sie erst in Schatten ihres Übermannes Bill Clinton getreten ist - und wieder heraus. Bill hat es ihr nicht eben leicht gemacht: Er war ein erfolgreicher Präsident, ein lausiger Ehemann und ein charismatischer Entertainer (mit Saxophon). Hillary dagegen setzt auf staatstragende Seriosität, auf Konsequenz und Beharrlichkeit. Seit vielen Jahrzehnten arbeitet sie sich unermüdlich die Karriereleiter hinauf. Sie ist eine umtriebige Unternehmertochter, die Jura studiert und als Anwältin gearbeitet hat, an der Seite ihres Mannes ins Weiße Haus gezogen ist und seine erniedrigenden Seitensprünge ausgehalten hat, die danach als Senatorin und Außenministerin selbst in die Politik gegangen ist und die parteiinterne Niederlage gegen Barack Obama erhobenen Hauptes verkraftet hat. So manche Zwangspause im beruflichen Aufstieg hat sie genutzt, um frischen Atem zu schöpfen. Dabei hat sie sich immer wieder selbst neu erfunden. Ja, sie ist eine Kandidatin von gestern gewesen - aber eine, die sich ins Heute weiterentwickelt hat. Übrigens hat sie auch in der Vergangenheit schon kräftig daran mitgearbeitet, Männer wie Trump vom Weißen Haus fernzuhalten: Sie war als Anwältin an der Amtsenthebungsklage gegen den Skandal-Präsidenten Richard Nixon beteiligt...

Die Rezension

Die druckfrische Biografie von Dorothea Hahn zeichnet Hillary Clintons Lebensweg aus der gebotenen Distanz und angenehm nüchtern nach. Die Biografin spielt mit offenen Karten und berichtet, dass ihre Interview-Anfragen vom Clinton-Team nicht beantwortet worden sind. Das macht nichts. Clinton ist seit Jahren immer wieder von Kritikern und Bewunderern befragt worden, so dass ohnehin nur Sprechblasen hätten erwartet werden dürfen. Dorothea Hahn gibt ihrem zeitgemäß schlanken Buch eine ganz andere und spannende Wendung. Diese Biografie ist aus deutscher Perspektive geschrieben. Wer dieses Buch liest, muss nicht befürchten, abgehängt zu werden: Denn Dorothea Hahn liefert alle zum Verständnis von Hillary Clinton nötigen Hintergründe und Fakten mit. Das schafft sie gewissermaßen nebenbei und ohne Schwung aus der Lebensgeschichte zu nehmen. Wer schon eines der zahllosen Bücher von und über Hillary gelesen hat, wird wenig Neues entdecken. Wer sich aber einen fundierten Eindruck von ihr machen will, der über Zeitungswissen und Vorurteile hinausreicht, der wird viel Freude an diesem Buch finden, das zudem locker geschrieben ist.

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