Richard Nixon: Der Lügner im Weißen Haus

Richard Nixon hat das Weiße Haus beschmutzt. Eine Biografie zeigt, was passiert, wenn Männer wie er US-Präsident werden.

Victoria Ocampo
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"Alles, was er gerade gesagt hat, ist falsch." Hillary Clinton hat im zweiten Fernsehduell keinen Hehl daraus gemacht, dass Sie Donald Trump für einen schamlosen Lügner hält.  Trotz aller Skandale hat der Polit-Prolet Trump immer noch gewisse Chancen, US-Präsident zu werden. Schon einmal hat ein skrupelloser Republikaner das Weiße Haus erobert: Richard Nixon. Die neue Biografie von Tom Weiner ist eine ernst zu nehmende Warnung: "Ein Mann gegen die Welt" führt vor Augen, was passieren kann, wenn Männer wie Nixon - oder Trump - die Macht in Händen halten.

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Richard Nixon war ein "großer böser Mann". So sieht das sein Biograf Tim Weiner. Politik sei für Nixon ein Krieg gewesen, "in dem alle Mittel erlaubt waren." Das sind - wie schon der Buchtitel - markige Worte, die in politischen Biografien nicht gerade üblich sind. Wo sonst zurückhaltend abgewogen und oftmals nur im Schutz des Konjunktivs geurteilt wird, spricht Weiner schon auf den ersten Seiten Klartext. Einfache, verständliche Sätze, unmissverständliche Botschaften: rachelustig, gewalttätig, ein notorischer Lügner "aus Instinkt" sei Nixon gewesen. Mit einem solchen Auftakt in ein 400-Seiten-Buch beweist auch der Biograf Instinkt. Er findet eine zeitgemäße, rasante, ständig skandalumwitterte Sprache, die sogar mit populistischen Verkürzungen spielt. Auch sein Thema - eigentlich historisch-biografisch - zieht er geschickt in die Gegenwart: Richard Nixon selbst mag Geschichte sein, die ruchlosen Mechanismen seiner Amtsführung und deren gekonnte Erklärung sind dagegen hochaktuell. Erstmals ausgewertete Tonbänder aus dem Weißen Haus dokumentieren Nixons Wutausbrüche und sein gefährliches unterkomplexes Weltbild. Man will sich lieber nicht vorstellen, wie Nixon einen Twitter-Account genutzt hätte.

Victoria Ocampo im Biografien-Blog
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Über den Richter, der im Watergate-Skandal Recht spricht, stößt Nixon gotteslästerliche Flüche aus. Dazu kommt ein latenter Rassismus. "Das sind Wilde", soll er über die Inder gesagt haben - und die Pakistanis illegal mit Waffen versorgt haben. Tim Weiners Nixon-Biografie liest sich durchgängig weniger wie eine politische Analyse als wie ein Gangsterthriller. Sie ist trotzdem beides. Das liegt daran, dass Weiner der Präsidentschaft Nixons nicht als staubtrockener Aktenfresser auf den Grund spürt, sondern als verwegener Abenteurer und neugieriger Entdecker. Tim Weimer ist fasziniert von Nixon. Das gibt er unverwunden zu. Und deshalb atmet das Buch eine Leidenschaft, die auf die Leserinnen und Leser überspringt. Weiner ist aber auch ein ausgewiesener Fachmann für Geheimdienste. Beides zusammen bildet das Fundament dieser herausragenden Biografie. Weiner  hat sich tief hineingearbeitet in Nixons misstrauische Psyche, die im Abhören und in verdeckten Lauschangriffen eine "ultimative Waffe" ausgemacht hat. Der Biograf nimmt keine Rücksicht auf politische Korrektheiten. Dass dabei immer wieder Äußerungen Nixons zitiert werden, die man auch Donald Trump zutraut, verleiht Weiners Analyse eine brisante Aktualität.

Tim Weiner hat eine moderne politische Biografie geschrieben - und ein fesselndes Lehrstück über die Mechanismen des Machtmissbrauchs. Zugleich ist dieses Buch eine ideale (weil tiefgründige)  Ergänzung zur meist oberflächlichen breaking news- Berichterstattung über die Schlammschlacht ums Weiße Haus.

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