Udo Lindenberg: Der Einheitsrocker

Udo Lindenbergs Musik hat die Berliner Mauer erschüttert. Udo hat für die Einheit gerockt - die Audiostory berichtet davon...

Udo Lindenberg im Biografien-Blog
Udo Lindenberg (Pressefoto von Tine Acker)

"Och, Erich ey, bist Du denn wirklich so ein sturer Schrat?" Udo Lindenberg singt den ostdeutschen Machthaber Erich Honecker ganz persönlich  an - auf dem ganz großen Bahnhof. Dort steht der Sonderzug nach Pankow bereit zur Abfahrt. Udo will für alle Deutschen rocken, aber der sture Schrat lässt ihn nicht rein in die DDR. Der "kleine Udo" gibt sich betont naiv - und das ist ziemlich end: "Warum lässt Du mich nicht singen im Arbeiter- und Bauernstaat?"

Udo Lindenberg: Die Lebensgeschichte

Ja, warum eigentlich nicht. Die Stasi, Honeckers skrupelloser Spitzeldienst, kann nicht erkennen, dass Udo Lindenberg ein typischer Westmusiker ist. Dabei ist Udo ein echter Westfale, 1946 geboren und aufgewachsen in Gronau. Der spätere Panikmacher Udo Lindenberg entdeckt seine Leidenschaft sehr früh: Er trommelt, was das Zeug hält. Das macht er gut. Der Mann am Schlagzeug der ersten Tatort-Titelmelodie ist Udo Lindenberg. Panik kriegen da höchstens seine Eltern Hermine und Gustav. Was soll bloß aus dem Jungen werden?

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Klar: Musiker! Aber das Schlagzeug ist nur seine erste Liebe. Die ist heiß und innig und man vergisst sie nie. Aber die Liebe seines Künstlerlebens wird das Mikrofon. Udo Lindenberg kann zwar nicht singen, aber er ist ein genialer Sänger. Der Sonderzug seiner Karriere hält erstmal an jeder Milchkanne: Stationen in kleinen und größeren Bands markieren seinen Weg zum Chef des Panikorchesters, das ab 1973 tourt. Lindenbergs musikalische Neugier, seine Kunstfiguren wie Bodo Ballermann und Rudi Ratlos und vor allem seine unnachahmliche Stimme machen ihn, der fast immer schwarz trägt, zu einem der buntesten Rocker Deutschlands.

Dem geteilten Deutschland ergeht es in diesen Jahren weit schlechter als Udo, der sich von Erfolgsalbum zu Erfolgsalbum komponiert - die Nase immer dicht dran an gesellschaftlichen Trends und Problemen. Deutschlands Teilung ist so ein Problem, dem sich Lindenberg in den 1980er Jahren zuwendet. Lindenberg singt an Honecker und schreibt an Honecker, bis er endlich (unter strengen Auflagen) wirklich einmal in Ostberlin auftreten darf (vor parteitreuen Nachwuchssozialisten). Eine schon genehmigte Tournee wird wieder abgesagt. Aber Lindenberg lässt nicht locker. Er schenkt Honecker eine Lederjacke: "Ich weiß, tief in dir drin, bist Du eigentlich auch'n Rocker." Als die Mauer zwei Jahre später endlich fällt, baumelt am Bande um Udos Hals das Bundesverdienstkreuz für seine Bemühungen um die Verständigung zwischen Ost und West.

Udo Lindenberg im Biografien-Blog
Udo Lindenberg 1974 (Foto: Heinrich Klaffs, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Udo Lindenberg Audiostory: Die Rezension

Über Udo ist alles gesagt. Das macht eine neue Biografie zur echten Herausforderung. Michael Herden scheint das gewusst zu haben. Jedenfalls hat er die Finger gelassen von einer Skandal-Biografie, die sich mit einzigartigen neuen und in solchen Fällen meist zweifelhaften Erkenntnissen brüstet. Die Audiostory referiert Lindenbergs Leben und sein Lebenswerk. Das ist sowohl famos als auch etwas fade. Famos ist diese Audiostory aus drei Gründen. Erstens: Sie liefert in knapp vier Stunden Hörzeit Lindenberg kompakt mit allem, was man wissen muss. Zweitens: Die Audiostory ist gespickt mit Einspielern von Udos Weggefährten. Die Aufnahmequalität lässt zwar vermuten, dass es sich hier um Mitschnitte der Rechercheinterviews handelt, aber der dokumentarische Wert macht das allemal wett. Drittens: Lindenbergs Leistungen (wie das Bemühen um die Deutsche Einheit) werden gewürdigt, ohne dass seine Schattenseiten (Alkoholprobleme, Streitigkeiten in der Band) ausgeblendet werden. Etwas fade ist die Audiostory, weil sie weniger wie eine Erzählung als wie ein Bericht daherkommt. Der nüchterne Stil macht es manchmal schwer, die schillernde Figur Udo Lindenberg vor Ohren zu haben...

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