Napoleon Bonaparte: Der Kaiser aus Korsika

Der Eroberer Europas kommt aus Korsika. Dort feiert man ihn bis heute. Eine biografische Ortsbegehung...

Vivienne Westwood im Biografien-Blog (Manfred Werner/Tsui, CC BY-SA 3.0)
Vivienne Westwood im Biografien-Blog (Manfred Werner/Tsui, CC BY-SA 3.0)

Alles in Ajaccio heißt Napoleon. Die korsische Hauptstadt liebt und feiert ihren berühmtesten Sohn: Der Flughafen heißt Napoleon, Bars und Restaurants, Straßen und Plätze, Friseurssalons und Eisdielen tragen seinen Namen. Napoleon ist allgegenwärtig. Dabei ist er (fast) ganz und gar untypisch für die wild-romantische Mittelmeerinsel...

Korsika hat viel zu bieten: weiße Sandstrände, dichte Wälder, mächtige Berge. Eine VIP-Schmiede ist die Insel der Schönheit nur bedingt: Ihr Beitrag zur Weltgeschichte verdichtet sich in einem kleinen, unförmigen und missmutigen Mann mit schütterem Haar: Napoleon Bonaparte. Auch charakterlich und von seinen Begabungen her ist Napoleon kein typischer Korse: Er ist  von unruhigem, getriebenem Gemüt, dazu ehrgeizig und skrupellos, mutig und machthungrig. Seine Karriere verläuft steil: Der korsische Offiziersanwärter schafft es mit einem nahezu genialen militärischen Gespür (zum Beispiel für den Einsatz von Kanonen) zum General. Er dient der französischen Revolution, die für Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit kämpft. Er beendet die Revolution und baut auf, was sie hatte überwinden wollen: Die Alleinherrschschaft eines Mannes. Erst als mehr oder minder demokratisch legitimierter Konsul, dann als Kaiser von eigenen Gnaden. Napoleon revolutioniert andere Dinge: Die Verwaltung wird moderner, die Armee schlagkräftiger (fast unbesiegbar) und Europa wird erst französischer, dann europäischer: Napoleon ist mehr als der Eroberer Europas, der sich mit allen anderen Großmächten (meist) erfolgreich angelegt hat. Er ist  in gewisser Weise auch ein Geburtshelfer Europas.

Denn im Aufbegehren gegen seine Übermacht rückt der Rest Europas zusammen.  Nur mit vereinten Kräften kann Napoleon geschlagen werden. Er selbst stirbt in der Verbannung. Gefeiert wird dann auch eher der Mythos als der Mann. Denn wie sonst sollte ein so stolzes und freiheitsliebendes Volk wie die Korsen einen Autokraten wie Napoleon auf den Schild heben? Besonders nett ist in Ajaccio übrigens eine kleine Bar am Marktplatz. Sie heißt 1er CONSUL und feiert den Demokraten und Befreier Napoleon , nicht den späteren Despoten und Unterdrücker.

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