Fracoise Gilot: Die malende Drama-Queen

Francoise Gilot hat Pablo Picasso verlassen. Ganz von ihm losgekommen ist sie trotzdem nie. Ein Blick in ihre Biografie. 

Zur Wiederverwendung gekennzeichnet von https://www.flickr.com/photos/centralasian/5584023466
Zur Wiederverwendung gekennzeichnet von https://www.flickr.com/photos/centralasian/5584023466

Pablo Picassos stechender Blick fixiert Francoise Gilot. „Die Gegenwart hat immer den Vorrang vor der Vergangenheit“, sagt er zu dem bildhübschen und blutjungen Mädchen, für das er gerade eine andere Frau verlassen hat. „Das ist ein Triumph für dich.“ Für Francoise Gilot ist die Beziehung mit dem Jahrhundertkünstler aber etwas ganz anderes: Sie sucht und findet ein Abenteuer. Spannende Abenteuer sind das Lebenselixier einer Frau, die damit mittlerweile über neunzig Jahre gut fährt. „Wenn du wirklich leben willst“, erklärt sie ihrem fünfzig Jahre jüngeren Biografien Malte Herwig, „musst du etwas Dramatisches riskieren, sonst lohnt sich das Leben nicht.“

Biografie Francoise Gilot

Das Abenteuer Picasso dauert allerdings länger als die Liebe zu ihm. Francoise schießt ihn nach zehn Jahren ab, sie ist die einzige seiner vielen Frauen, die ihn verlässt. Aber ganz wird sie Picasso nie wieder los in ihrem Abenteuer des Lebens. Francoise, geboren 1921, ist Malerin. Das war sie schon, ehe sie Picasso kennenlernte, und das ist sie bis heute. Seit 75 steht sie jeden Morgen mit dem Bedürfnis auf, noch im Pyjama an die Leinwand zu gehen. Entsprechend umfangreich ist ihr Werk. Tausende von Bildern und Zeichnungen hat sie geschaffen. Ironie des Künstlerschicksals: Für sie, die in Dramen den Kick findet, hält das Leben ein besonderes Drama bereit: Francoise Gilot gibt es nur, weil es Picasso gibt. Das heißt nicht, dass sie nicht auch ohne den wichtigsten Maler der Kunstgeschichte groß herausgekommen wäre (immerhin hängen ihre Bilder auch in renommierten Kunstmuseen (zum Beispiel im Museum of Modern Art in New York). Aber weil sie an seiner Seite in die große Öffentlichkeit getreten ist, wird sein Schatten nicht wieder von ihrer Seite weichen. Insofern trifft der Untertitel "Francoise Gilot über ihr Leben mit und ohne Picasso" nicht ganz: mit und nach Picasso wäre ehrlicher.

Buchbesprechung

Die Gilot-Biografie von Malte Herwig passt perfekt ins moderne und junge Verlagsprogramm von Ankerherz: "Das Leben ist spannend!“ Das Buch selbst ist nicht immer so spannend. Das liegt daran, dass viele Passagen wörtlich aus dem ersten Gilot-Buch "Leben mit Picasso" übernommen worden sind - einmal sogar ein ganzes Kapitel ("Die Frauenblume"). Das wäre gar nicht nötig gewesen, denn Francoise Gilot scheint in den Gesprächen mit ihrem Biografien lebendig und energisch aus ihrem Leben berichtet zu haben. Malte Herwig versteht es auch, ihre quirlige und fröhliche Art an seine Leserinnen und Leser weiterzureichen. Man sitzt geradezu mit am Tisch, wenn Gilot ihm klagt, sie sei des Lebens überdrüssig. Als er dann vorsichtig nachhakt, wie das mit ihrem ungebrochenen Schaffensdrang vereinbar sei, gibt sie sich empört: "Ich habe gesagt, dass mir das Leben zum Hals heraushängt, nicht die Malerei!" Auch das ist gut eingefangen. Mit eindrucksvollen Fotografien der späten Gilot und Abbildungen ihrer Werke ist das Buch von Ana Lessing ansprechend und auflockernd illustriert.  

Rezension weiterzwitschern...