Martin Winterkorn: Der PS-Pilatus

VW-Chef Martin Winterkorn ist zurückgetreten. Dass er sich jetzt die Hände in Unschuld wäscht, ist peinlich...

Foto: Volkswagen Sweden, Lizenz: CC BY 3.0
Foto: Volkswagen Sweden, Lizenz: CC BY 3.0

Martin Winterkorn ist bestürzt. Ungläubig wie ein Kind, das erfährt, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt, steht er dem vor dem Skandal um manipulierte Abgaswerte, der die Qualitätsmarke VW erschüttert. Fassungslos ist Winterkorn, "dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren". Fassungslos dürfen Kunden sein, Fanclub-Mitglieder, Mitarbeiter fast aller Abteilungen und Behörden - aber nicht der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens. Seine Entschuldigung (siehe Clip) ist einen Tag später Makulatur, als Winterkorn eine selbstgerechte Rücktrittserklärung vorlegt. "Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin." Das ist nichts weniger als feige und heuchlerisch. Denn der Mann wird schließlich fürstlich dafür bezahlt (fast 16 Millionen Euro im vergangenen Jahr), dass er darüber Bescheid weiß, was in seinem Konzern läuft - und dass er dafür die Verantwortung trägt.

Der Mythos Volkswagen

Volkswagen ist ein Mythos. Der VW-Käfer ist Sinnbild des deutschen Wirtschaftswunders nach dem Zweiten Weltkrieg, der Golf ist eine ähnliche Erfolgsgeschichte. Jetzt hat Volkswagen, der größte deutsche Autobauer, im großen Stil Abgaswerte manipuliert. Eine geheime Software erkennt, ob ein Volkswagen auf der Straße unterwegs ist oder auf dem Prüfstand getestet wird: Dann werden rasch einige Zusatzfilter eingeschaltet, die glanzvolle Abgas-Messwerte liefern. Das geht zwar auf Kosten von Drehmoment und Leistung, aber auf dem Prüfstand sind die ja weniger wichtig. Und wenn der Volkswagen wieder rollt, haben die Zusatzfilter Pause (eine Analyse der Mogel-Software gibt's bei der ZEIT). Unvorstellbare Unkosten und Verluste rollen auf Volkswagen zu: Rückholaktionen, Strafen, Gewinnwarnung, erwartete Umsatz-Einbrüche.

Biografie Martin Winterkorn

Dafür sind die Manager zuständig. Martin Winterkorn ist nicht nur ein erfahrener Manager, der erst jüngst den internen Machtkampf mit der Überfigur Ferdinand Piech für sich entschieden hat. Winterkorn kennt auch die Praxis. Seinen Doktorhut hat er für Metallforschung aufgesetzt bekommen. Danach ging es mit Vollgas voran: Nach einer Station bei der Robert Bosch AG hat er sich auf Autos spezialisiert und Leitungsfunktionen bei Audi und Volkswagen übernommen. Besonders pikant: Bei beiden Marken war er verantwortlich für Qualitätskontrolle. Auch deshalb ist es eine billige Ausrede im Abgas-Skandal, von nichts gewusst zu haben. Sollte das stimmen, hätte er in Kernbereichen seines Arbeitsbereiches versagt. Es wäre sein Job gewesen, davon zu wissen – und es zu verhindern! Dann wäre sein Glaubensbekenntnis auch glaubwürdig: „Volkswagen war, ist und bleibt mein Leben.“

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