Das autobiografische Testament

Vier ehemalige KZ-Häftlinge erzählen über ihre Zeit in Ausschwitz



Collage aus Portraitfotos von Christa Spannbauer und „Bundesarchiv Bild 175-04413,  Stanislaw Mucha / CC-BY-SA 3.0
Collage aus Portraitfotos von Christa Spannbauer und „Bundesarchiv Bild 175-04413, Stanislaw Mucha / CC-BY-SA 3.0

Esther Bejarano verlebt eine Kindheit voller Musik. Ihr Vater ist Oberkantor einer jüdischen Synagoge in Deutschland. Sie spielt gerne Klavier, sie liebt es zu singen. In Ausschwitz rettet ihr die Musik das Leben - auf grauenvolle Weise. Auf dem Akkordeon muss die Teenagerin Tausenden von Todgeweihten auf ihrem Weg in die Gaskammern aufspielen. Es sind ihre schlimmsten Erinnerungen an das Konzentrationslager. Und doch bleibt die Freude an der Musik. Heute singt mittlerweile über 90 Jahre alt Powerfrau in einer  Hip-Hop-Band gegen das Vergessen und für ein Erinnern ohne Verbitterung.

Freundschaft selbst in dunkelsten Zeiten

Esther Bejarano ist eine von vier Überlebenden des Völkermords an den Juden im Zweiten Weltkrieg, die ein berührendes Zeugnis abgelegt haben. In einem Filmprojekt und in einem autobiografischen Sammelband erzählen Éva Pusztai-Fahidi, Yehuda Bacon, Greta Klingsberg und Esther Bejarano von der schlimmsten Zeit ihres Lebens. Diese Erinnerungen fallen nicht leicht. Alle vier stellen sich dem Schmerz, den verdrängten Ängsten und der Wut auf die Täter. Ausschwitz als größtes Verbrechen der Menschheitsgeschichte kann nicht nur in Prozessen wie jüngst gegen die KZ-Aufseher Oskar Groening und John Demjanjuk aufgearbeitet werden. Es sind die Lebensgeschichten der   Millionen von Opfern, die die gewaltige Dimension dieses Verbrechens erfahrbar machen und lebendig halten - in den Erinnerungen der Überlebenden. Genau das haben sich diese Vier vorgenommen. 70 Jahre sind vergangen, die vier haben nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager ganz unterschiedliche Lebenswege als Künstler, Wissenschaftler und Unternehmer eingeschlagen. Dennoch eint sie mehr als düstere Erinnerungen: Sie alle wollen Mut zum Leben machen. Das ist ihr biografisches Testament: Selbst in dunkeln Tagen erleben sie Freundschaft, ziehen Kraft aus kleinen Zeichen der Mitmenschlichkeit - sogar durch die schlimmste Aufseherin, die auf einmal einen Teller Zuckernudeln spendiert - und fassen die Hoffnung, zu überleben. Das Ziel des Projektes ist ein doppeltes: Niemals darf vergessen werden, was Menschen Menschen angetan haben - und niemals soll die Hoffnung aufgegeben werden.

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