#Varoufaxit

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat die Politik ordentlich  aufgemischt. Das muss Europa zu denken geben...

Foto: Robert Crc - Subversive festival media. Lizenziert unter FAL über Wikimedia Commons
Foto: Robert Crc - Subversive festival media. Lizenziert unter FAL über Wikimedia Commons

Yanis Varoufakis ist ein Spieler. Im Poker um Europa hat er gesetzt, geschoben und geblufft. Und als alle gedacht haben, er sei mit dem Referendum "All In!" gegangen, da steigt er einfach aus. Der #Varoufaxit kommt unerwartet - und nur teilweise gelegen. Denn Typen wie Varoufakis fehlen in Europa: Nicht der Inhalte wegen, schon klar. Aber würden auch die überzeugten Europäer so lässig und modern auftreten wie der griechische Ex-Minister, wäre die europäische Idee weniger abstrakt und viel attraktiver. So jedoch überlassen wir unser gemeinsames Erfolgsprojekt Europa Spielern wie Yanis Varoufakis, die es nicht wertschätzen. Und das ist nicht gut für Europa...

Damit haben nur wenige gerechnet. Yanis Varoufakis tritt zurück! Der Mann, der die europäische Spitzenpolitik wochen- und monatelang immer wieder vor den Kopf gestoßen hat, schmeißt nach dem für ihn erfolgreichem Referendum hin und knattert auf seinem Motorrad genauso lautstark davon, wie er vorher in die Mikrofone gepoltert hat. Terroristen hat die die Gläubiger genannt und insbesondere mit seinem knochenharten deutschen Amtskollegen hat er sich gerne angelegt. Wolfgang Schäuble ist auch so ein Typ, der sich nicht verbiegen lässt. Aber Schäuble ist leider schon Mitte 70 und seit über drei Jahrzehnten in Regierungsverantwortung. Varoufakis, geboren 1961, ist eine andere Generation. Er bloggt, er twittert, er trägt keine Krawatte, er fliegt Economy-Class, er hat keine Bodyguards um sich. Er lebt  global, hat die griechische und australische Staatsangehörigkeit, hat in England studiert und lehrt in den Vereinigten Staaten. Er lässt Homestories von sich machen und schert sich wenig darum, wer darüber die Nase rümpft - zurecht. Ein bisschen mehr Offenheit und ein bisschen weniger Gipfel-Exklusivität würden Europa gut tun. Varoufakis ist ein durchaus anerkannter Wirtschaftswissenschaftler, dessen Fachbücher in mehrere Sprachen übersetzt worden sind. All diese lockere Weltgewandheit, diese jugendliche Frische wird Europa fehlen. Aber um Europa scheint es Varoufakis nicht zu gehen - und das ist nicht zu verzeihen. Europa ist für ihn kein wunderbarer Neuanfang wie für die Gründerväter. Er hat den Krieg nicht erlebt, er hat nicht die Größe haben müssen, echten Feinden die Hand zu reichen. Denn die übrigen Finanzminister sind ebensowenig Terroristen wie sie Feinde Griechenlands sind. Varoufakis hat Europa als Selbstverständlichkeit kennengelernt - und das hat er nicht begriffen: Denn Europa ist und bleibt eine wertvolle Errungenschaft, die man nicht leichtfertig aufs Spiel setzt. Wir bezahlen nicht nur mit dem gleichen Geld, wir sind Freunde geworden. Und mit Freunden spielt man nur zum Vergnügen und nicht um die Existenz.

Yanis Varoufakis weiterzwitschern...