Papst Franziskus: Baue meine Kirche wieder auf

Der Biografien-Blog wünscht gesegnete Weihnachten - mit einer Papst-Biografie.

Foto: Jeffrey Bruno. Licensed under CC BY-SA 2.0
Foto: Jeffrey Bruno. Licensed under CC BY-SA 2.0

Er ist der Stellvertreter Jesu auf Erden: Papst Franziskus. Den Job an der Spitze der uralten katholischen Kirche übt er erfrischend unverkrustet aus. Das hat ihm im ersten Jahr seiner Amtszeit viel Kopfschütteln eingebracht - und viel Anerkennung: Ein oberster Würdenträger, der nur schlichtes Weiß trägt und im Gästehaus des Vatikans wohnt? Ein Politiker, der sich nicht scheut, die Mächtigen der Welt ins Gebet zu nehmen? Ein Kirchenchef, der beherzt führt und auch Missstände in den eigenen Reihen öffentlich anprangert? Ein Seelsorger auf dem Heiligen Stuhl, der sich nicht zu schade ist, Armen die Füße zu waschen? Was ist das für ein Mensch, der da das Ruder des Kirchenschiffes übernommen hat? Mögliche Antworten auf diese Fragen gibt die Franziskus-Biografie von Daniel Deckers, die jüngst bei C.H. Beck erschienen ist - eine Besprechung:

Daniel Deckers

Papst Franziskus

Wider die Trägheit des Herzens

Erschienen bei C.H.Beck im Oktober 2014. 352 Seiten kosten in der gebundenen Ausgabe 19,95 €.


Papst-Biografen haben es nicht leicht. Sie sollen Lebensgeschichten von Menschen erzählen, die meistens erst dann weltbekannt sind, wenn sie gewissermaßen von Amts wegen gar nicht mehr auf ihrem eigenen Lebensweg wandeln, sondern sich ganz der Nachfolge Petri als Stellvertreter Christi verschrieben haben. Noch schwerer ist diese Aufgabe geworden, seit man mit wenig Aufwand über nahezu jeden nahezu alles recherchieren kann - bis weit in die Vergangenheit zurück. Spätestens seit dem langsamen Sterben des vorvergangenen Papstes Johannes Paul II., das als Medienevent weltweit live übertragen worden ist, darf sich jedes katholische Kirchenoberhaupt sicher sein, bis aufs Mark durchleuchtet zu werden. Dass der spätere Papst Benedikt XVI. als Teenager Joseph Ratzinger (gegen seinen Willen) in der Hitlerjugend war, ist ebenso öffentlich diskutiert worden, wie die Vergangenheit des jungen Jesuiten und Priesters Jorge Mario Bergoglio in der Zeit der argentinischen Militärdiktatur.  Wie also umgehen mit den eventuellen menschlichen Makeln in der Lebenszeit vor der Papstwahl - die ja traditionell nicht allzu kurz ist?

Daniel Deckers löst die Herausforderung mit der nüchternen Professionalität eines promovierten Theologen und routinierten Journalisten: Fundiert und unaufregt zeichnet er den Lebensweg des 1936 in Buenos Aires geborenen Jorge Mario Bergoglio nach.  Breiten Raum gibt er dem Lebenswerk des künftigen Papstes, der Entstehung und der Analyse seines Denkens sowie der umsichtigen Einordnungen in die politischen, religiösen und kirchlichen Rahmenbedingungen der vergangenen fünf Jahrzehnte, in denen Bergoglio gewirkt hat. Mit Anekdotischem und vage Überliefertem geht Deckers dagegen überaus vorsichtig um. Vorbehalte gegenüber Quellen werden benannt, auch wenn es nur um beiläufige Episoden aus der Kindheit geht. Das hat Vor- und Nachteile: Zweifelsfrei ist die Franziskus-Biografie ein kluges und aufschlussreiches Buch und sein Autor gewinnt rasch das Vertrauen des Lesers. Hier wird weder ein dem Menschsein entrückter Halbheiliger zelebriert, noch der investigativen Wolllust wegen irrwitzige Skandalsuche betrieben. Deckers gelingt es, den Werdegang des Papstes distanziert zu erläutern. Was bei dieser Akzentuierung unvermeintlich etwas zu kurz kommt, ist die biografische Großaufaufnahme - stilistisches Heranzoomen an den Menschen  Jorge Mario Bergoglio. Die abwägende, sich absichernde Darstellung ist keine Erzählung - sie kann es nicht sein und will es möglicherweise auch nicht. Das verhindert, beim Lesen in die Lebensgeschichte hineinzufallen, aber es ermöglicht es, sich ein eigenes Bild vom Stellvertreter Christi zu machen. Da Daniel Deckers diesen Ansatz aber konsequent durchhält, hat er eine in sich stimmige und lesenswerte biografische Analyse vorgelegt, die das Leben des Papstes gewissermaßen von hinten aufrollt: Sein Pontifikat ist nicht nur Anlass, sondern auch Ausgangs- und Zielpunkt dieses Buches. 

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Kommentare: 1
  • #1

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