Michail Gorbatoschow: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben..."

Michail Gorbatschow macht den Ostdeutschen Mut

Bundesarchiv, Bild 183-1989-1007-402 / Franke, Klaus / CC-BY-SA
Bundesarchiv, Bild 183-1989-1007-402 / Franke, Klaus / CC-BY-SA

Es ist die Geburtstagsparty einer Todkranken: Im Herbst 1989 wird die DDR 40 Jahre alt. Die politische Führung des ostdeutschen Unrechtsregimes feiert die vermeintlichen Erfolge des Arbeiter- und Bauernparadieses. Die Arbeiter  und Bauern feiern nicht - sie demonstrieren lautstark gegen die immer gravierenderen Missstände im Land. Ihr wichtigster Verbündeter im Oktober vor 25 Jahren ist ausgerechnet Honeckers Ehrengast: Michail Gorbatschow, der große Bruder aus Moskau: "Gorbi, Gorbi", rufen die Menschen, "Gorbi hilf' uns!". Gorbi hilft - und wie: In einer spontanen Stellungnahme watscht er die reformunwillige DDR-Regierung im Westfernsehn ab: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!"

Biografie Gorbatschow

Foto: RIA Novosti archive, image #359290 / Yuryi Abramochkin, Lizenz: CC-BY-SA 3.0)
Foto: RIA Novosti archive, image #359290 / Yuryi Abramochkin, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Biografisch gesehen ist Michail Gorbatschow sehr früh dran. Geboren 1931 macht er rasch Parteikarriere. Von seiner Heimat, dem Nordkaukasus, zieht es ihn über die die Jugend- und Regionalgruppierungen der herrschenden kommunistischen Partei bis hinauf in die Staatsspitze. Ungewöhnlich jung wird er erst Generalsekretät, dann übernimmt er die Führung im Obersten Sowjet. Gegen alle Widerstände der Alteingesessenen wir Gorbatschow zum Shootingstar der schwächelnden Sowejtunion. Nahezu revolutionär ist sein politisches Doppelprogramm von Glasnost und Perestrojka: Die Öffentlichkeit wird auf einmal besser informiert und in der Wirtschaft hält das Prinzip Eigenverantwortung Einzug. Wer bei so viel Reformeifer nicht mitzieht (und das sind nicht wenige in der Sowjetführung), der wird ausgetauscht. Die Gefahr dieser mutigen Politik: Gorbatschow kommt im Westen besser an als im Osten (zumindest unter den führenden Politikern). Darüber wird er stürzen, aber er war eben nicht zu spät dran: Seine nüchterner Blick auf die Dinge, sein Loslassen von überkommenen Ideologien sind wuchtige Schläge gegen die Altherrenriege um Erich Hobecker und die Mauer. Gorbatschows Mutmacher-Statement in der Tagesschau heute vor 25 Jahren hat die DDR-Bürger darin bestärkt, die Friedliche Revolution zu einem erfolgreichen Ende zu führen.

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