Herbert von Karajan: Der Perfektionist am Pult

Herbert von Karajan (1908-1989) war ein österreichischer Dirigent

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Herbert von Karajan, Foto: Siegfried Lauterwasser/Archiv Berliner Philharmoniker)

Er war der Perfektionist am Dirigentenpult: Herbert von Karajan. Sage und schreibe 33 Jahre hat er die legendären Berliner Philharmoniker geleitet (1956-1989). Sein künstlerischer Erfolg wirkt fort - auch weil er ihn mit technischem Sachverstand selbst verewigt hat. Aber Karajans Karriere weist auch dunkle Kapitel auf. Heute vor 25 Jahren ist der Jahrhundertdirigent gestorben.

Foto: Siegried Lauterbach/DG
Foto: Siegried Lauterbach/DG

Herbert von Karajan wird am 5. April 1908 in Salzburg geboren. In der Familie ist Musik ein hohes Gut. Der Vater spielt zur Zerstreuung Klarinette und Herbert soll in die Tasten greifen: Als Vierjähriger beginnt seine Ausbildung zum Pianisten. Noch erfolgreicher schwingt er den Taktstock: Mit Anfang 20 dirigiert Herbert von Karajan seinen ersten großen Klangkörper: das Philharmonische Orchester. In seiner Karriereplanung verlässt sich der aufstrebende Orchesterlenker nicht nur auf sein geniales Gespür für Mozart, Beethoven und Co. Auch politisch will er kein Risiko eingehen und biedert sich schon sehr früh den Nationalsozialisten an, deren Parteibuch er ab 1933 besitzt. Bis der "Führer" Adolf Hitler mit einer seiner Wagner-Interpretationen unzufrieden ist (und teils darüber hinaus), steht er in der Gust des NS-Regimes, das auch die Klassik für seine schmutzige Sache vereinnahmen will. Karajan diskreditiert sich als unkritischer Vollstreckungsgehilfe - erst als Berlin schon brennt, setzt er sich ab.

Die Philharmonie im Bau (alle Fotos: © Reinhard Friedrich/Stiftung Berliner Philharmoniker)
Die Philharmonie im Bau (alle Fotos: © Reinhard Friedrich/Stiftung Berliner Philharmoniker)

Nach kurzem Auftrittsverbot entdeckt ihn die Kulturszene Ende der 1940er Jahre wieder und er folgt auf Wilhelm Furtwängler als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker. Dort mehrt Karajan über drei Jahrzehnte seinen Ruhm - und den des Orchesters. Nicht nur die Konzerte sind bald schon Legende - mehr noch macht sich der technikbegeisterte Karajan (der nicht nur auf dem Podest, sondern auch im Porsche, auf Schnellbooten und in Sportflugzeugen eine gute Figur macht) im Tonstudio einen Namen. Immer auf dem aktuellen Stand der Tontechnik spielt er wieder und wieder sein enormes Repertoire ein. Sein Ziel: Der reine Klang und die partiturgetreue, ursprüngliche Musik. Dafür wird ihm 1963 von Hans Scharoun sogar der modernste Konzertsaal Europas gebaut: die Berliner Philharmonie. Während ein Leonard Bernstein als künstlerisches Gegenstück zu Karajan ganz auf sein Bauchgefühl setzt und sich emotional ganz den Komponisten hingibt, die er dirigiert, setzt Karajan eins zu eins in Klang um, was die Komponisten zu Papier gebracht haben. Karajans Notentreue zeigt sich in der Probenarbeit (im Clip: Schumanns 4. Symphonie):

Auch wenn sich Herbert von Karajan am Ende seiner Laufbahn grollend vom Pult der Berliner Philharmoniker zurückzieht (und drei Monate später stirbt), wissen die Berliner sein Erbe bis heute zu wahren: Seit kurzem sind zum Beispiel vier Karajan-Konzerte in der Digital Concert Hall anzusehen, darunter die 9. Symphonie von Antonin Dvorak ("Aus der schönen neuen Welt").

Es ist auch das Erbe Herbert von Karajans, das den Chefposten am Pult der Berliner Philharmoniker so begehrt macht (erster Nachfolger war der kürzliche verstorbene Claudio Abbado). Deshalb darf man gespannt sein, wer 2018 den aktuellen Chefdirigenten Sir Simon Rattle beerben wird...

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