Dennis Hopper: Der Easy Rider

Zum 45. Filmjubiläum: Tom Folsoms Biografie über Dennis Hopper

„1969-typeCaptainAmerica” autorstwa Brian Snelson - originally posted to Flickr as 1969-type Captain America. Licencja CC BY 2.0 na podstawie Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:1969-typeCaptainAmerica.jpg#/media/File:1969-typeCapt

"Morgens ein Joint und der Tag ist dein Freund..." Heute vor 45 Jahren hat Dennis Hopper mit dem Hippie-Kultfilm 'Easy Rider' die Kinos erobert. Zur Feier des Tages stellt das Eulengezwitscher die neue Hopper-Biografie von Tom Folsom vor.

Tom Folson

Dennis Hopper

Die Biografie

Erschienen bei Blessing im Mai 2013. 416 Seiten kosten in der gebundenen Ausgabe 22,99 €.


Angela George [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Dennis Hopper braucht für "Easy Rider" weder Drehbuch noch Handlung. Sein Film begleitet mehr oder weniger frei improvisiert zwei moderne Cowboys - Hippies auf Drogen und Choppern - quer durch die Vereinigten Staaten der späten 1960er Jahre. Mal gehen Wyatt (Peter Fonda) und  Billy (Dennis Hopper) in der Prärie auf einen Trip, mal im Tohuwabohu des Mardi Gras, mal in professioneller Begleitung auf einem Friedhof. Am Ende sind die beiden freiheitshungrigen Träumer tot: Opfer des spießigen Amerika, das bei langhaarigen und zotteligen Hippies keinen Spaß  versteht. Dafür versteht die amerikanische Jugend die beiden umso besser und macht "Easy Rider" zum zeitlosen Kultfilm. 

Auch Tom Folsom geht beim Schreiben seiner Biografie auf einen Trip - einen Dennis Hopper-Trip. Folsom kommt Hopper nahe, manchmal sogar gefährlich nahe. Das Buch atmet die Bewunderung des Autors für seinen Helden. Allerdings beweist er, dass Leidenschaft für das eigene Sujet nicht unbedingt schlecht sein muss: Folsoms Verständnis für Hoppers rebellische Lebensweise ermöglicht erst den Zugang zu einem abgedrehten Leben, das mit einer von Vater und Mutter vernachlässigten Kindheit und Jugend auf dem Land beginnt und über Hollywood auf die Leinwand (Kino) und an die Leinwand (Hopper als abstrakter Maler) führt. Folsom erlaubt dem Leser, die Welt (ganz ohne Gesundheitsrisiken) durch die Augen eines Vollblutkünstlers zu sehen, der andauernd high ist.  Dabei hilft ihm seine journalistische Ausbildung. Folsom weiß, wie ernüchternd eine biografische Leseerfahrung sein kann, wenn erst einmal in epischer Breite Ahnen und Urahnen desjenigen ausgebreitet werden, für den sich der zahlende Leser interessiert. Deshalb steigt er genau so ein, wie man es sich als Hopper-Fan erhofft: auf dem Stahlross, das Hopper zwischen den Beinen glüht (für die Chronisten: ab Seite 339 gibt's auch die Familiengeschichte der Hoppers).

Als Regisseur der Lebensgeschichte von Dennis Hopper wechselt Tom Folsom geschickt zwischen schonungslosen Nahaufnahmen des eigensinnigen Exzentrikers, der sich selbst für den Besten hält und neben fünf Ehefrauen zahlreiche Männerfreunde verschleißt, und grandiosen Panoramaschwenks, die Hoppers Beitrag zur Kulturrevolution der 1970er Jahre gekonnt ausleuchten. Zumindest auf der Leinwand ist das ein erklärtes Hopper-Ziel: "Ihr seid das alte Hollywood und wir sind das neue", erklärt er dem verdienten Regisseur George Cukor, "Wir werden euch einsargen." Obwohl Hopper vor einigen Jahren selbst das Zeitliche gesegnet hat, lässt ihn Folsom zwischen seinen Buchdeckeln wieder lebendig werden. Viel mehr kann eine Biografie nicht leisten - auch wenn das im Fall des lasterhaften Dennis Hopper nicht immer ein Lesevergnügen ist.

Fazit: Ein Hopper-Buch wie ein Hopper-Film: Kreativ geschnitten, munter drauf los erzählt, teilweise verwirrend und verstörend - aber immer fesselnd. Tom Folsom hat eine Biografie geschrieben, die Hopper in all' seinen Widersprüchen zeigt und seine künstlerische Leistung angemessen würdigt, ohne ihn über Gebühr zu verklären.

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