Royston Maldoom: Der Überzeugungstänzer

Royston Maldoom (geb. 1943) hat bewegte Erinnerungen geschrieben

Foto: Aconcagua. Licensed under CC BY-SA 3.0
Foto: Aconcagua. Licensed under CC BY-SA 3.0

Eigentlich wollte Royston Maldoom Farmer werden - aber dann entdeckte er seine große Leidenschaft: das Tanzen. Fast sein ganzes Berufsleben hat der englische Choreograf überall auf der Welt mit Laien und Jugendlichen gearbeitet - mit Vorliebe an politischen und sozialen Brennpunkten. Dabei ist Maldoom zu einem der einflussreichsten Tanzpädagogen geworden. Eines seiner größten Projekte ist im Dokumentarfilm "Rhythm Is It!" verewigt: In sechs Wochen soll er 250 demotivierte Berliner Teenager aus "Problemschulen" dazu bringen, zu Igor Stravinskys Ballett "Le Sacre de Printemps" zu tanzen und es gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle aufzuführen... Heute vor zehn Jahren hat die Erfolgsgeschichte von "Rhythm Is It!" begonnen. Die Geschichte dahinter - seine eigene - hat Royston Maldoom in seiner Autobiografie erzählt.

Royston Maldoom

Tanz um Dein Leben

Meine Arbeit, meine Geschichte

Erschienen bei S. Fischer im Jahr 2011. 320 Seiten kosten in der Taschenbuchausgabe 9,99 €.


Seine Kindheit ist kein Zuckerschlecken: Royston Maldoom verliert seine Mutter im zarten Alter von vier Jahren, der Vater steckt ihn ins Heim, bis er eine neue Familie gegründet hat. Früh alleine gelassen lernt Royston Maldoom von Anfang an auf eigenen Beinen zu stehen: Zeitlebens wird er sein Glück nicht in in festen Bindungen finden (beruflich und privat). Auch für den Mainstream hat Maldoom wenig übrig. Bis ihn in einem Ballettfilm die Muse küsst, ist er fest entschlossen ein Leben in der Landwirtschaft zu führen. Dann aber entscheidet er sich für den Tanz ohne Grenzen und für ein Leben als Lehrmeister

Beide Entscheidungen und ihre Konsequenzen prägen Maldooms Autobiografie. Anekdotenreich, witzig, fesselnd und mitreißend berichtet er von den einzelnen Stationen aus seinem Künstlerleben auf des Messers Schneide - und auf Achse: Schon die Kapiteltitel weisen die Erinnerungen  eines weltenbummelnden Tausendsassas aus: In London lernt Maldoom tanzen, in Schottland findet er sich selbst als Laienchoach, in Nordirland und Krotatien tanzt er gegen Gewalt und Krieg an, in Südafrika und Äthiopien gegen Armut, in Auschwitz choreografiert er die "Symphonie der Klagelieder" (Henryk Górecki) und in Deutschland trägt der Überzeugungstänzer seine Projekte in die sozialen Brennpunkte. 

Nicht nur der umtriebige Tanzlehrer Royston Maldoom kommt in seiner Autobiografie zu Wort, sondern auch der Visionär. In pädagogisch-philosophischen Zwischenkapiteln zu vermittelt Maldoom die Überzeugungen hinter den Anekdoten, die von jahrzehntelanger Arbeit unter teils widrigen Umständen gereift sind. Gleich, ob es um die Integration von körperlich und geistig behinderten Tänzern geht, um die Leidenschaft und Risikobereitschaft, die die Gemeinschaft von Künstlern lernen kann oder um die nötige Orientierung an Grundwerten: In knapp formulierten, aber lange durchdachten Sätzen umreißt Royston Maldoom, warum er sein Leben dem Tanz mit Laien gewidmet hat. Dem Erfolg seiner eigenen Arbeit (vor allem in den vergangenen zehn Jahren) begegnet er mit Demut: 

"Rhythm Is It!" hat offenbar  manche Menschen tief berührt und in ihnen lang unterdrückte Hoffnungen und Träume zum Leben erweckt. Ich bin aber weniger Psychiater noch ausgebildeter Berater und muss es daher ablehnen, Fremden nur aufgrund meiner persönlichen Ratschläge zu erteilen. 

Dabei hat Royston Maldoom nicht nur viel zu erzählenm sondern auch viel zu sagen. In seinen Memoiren hat er beides auch eindrucksvoll getan.

Fazit: Royston Maldooms Autobiografie ist ein Feuerwerk der Leidenschaft. Er lässt seine Leserinnen und Leser an seinem Leben als Überzeugungstänzer teilhaben. Weil sich Maldoom dabei nicht nur auf unterhaltsame Anekdoten beschränkt, sondern seine Überzeugungen darlegt, macht seine Memoiren zu einer gleichermaßen vergnüglichen wie nachdenklichen Lektüre.  

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