Bertha Benz: Die Cruiserin

Bertha Benz (1849-1944) machte die erste Automobil-Spazierfahrt

Bühler, Mannheim - Automuseum Dr. Carl Benz, Ladenburg. Lizenziert unter Gemeinfrei
Bühler, Mannheim - Automuseum Dr. Carl Benz, Ladenburg. Lizenziert unter Gemeinfrei

Frau am Steuer - das wird teuer. Wie wahr: Im ersten Quartal 2014 verbucht Mercedes-Benz Cars einen Rekordumsatz von 17 Milliarden Euro (plus 21 Prozent). Knapp 400.000 Fahrzeuge wurden von Januar bis März verkauft. Die nunmehr über 125jährige Erfolgsgeschichte der Automarke Benz beginnt mit  einer mutigen Frau am Steuer: im August 1888 fasst sich Bertha Benz ein Herz und bricht zu einer Tagesfahrt mit dem dritten Motorwagen auf, den ihr Mann Carl gebaut hat. Damit verhilft der bislang skeptisch beäugten Kutsche ohne Pferde zum Durchbruch. Ohne Bertha, die heute vor 100 Jahren gestorben ist, wäre Carl Benz wohl als durchgeknallter Tüftler in die Geschichte eingegangen.

Lizenz: Gemeinfrei
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Bertha Benz wird am 3. März 1849 in Pforzheim als dritte Tochter ihrer wohlhabenden Eltern geboren. Ihr Vater, der Zimmermeister Karl Friedrich Ringer, ist enttäuscht: "Leider wieder nur ein Mädchen. Während von Karl Friedrich Ringer heute niemand mehr spricht, macht Bertha Geschichte - und zwar in einer vermeintlichen Männerdomäne: Der Automobilbranche. Genauer gesagt hebt sie diese Männerbranche sogar aus der Taufe. Und das kommt so: Bertha lernt Carl Benz kennen, ein von Selbstzweifeln geplagtes Genie. Noch bevor die beiden heiraten, lässt sich Bertha von ihrem Vater die Mitgift auszahlen, um ihren künftigen Gatten und seine geheimnisvollen Ideen zu finanzieren. Carl Benz bastelt an einem Motor. Zehn Jahre braucht er, zehn weitere, bis der Motor einen Wagen antreibt. 1886 meldet der Auto-Erfinder seinen ganzen Stolz zum Patent an und führt ihn auf kurzen Fahrten vor.

Benz, Carl Friedrich: Lebensfahrt eines deutschen Erfinders. Die Erfindung des Automobils, Erinnerungen eines Achtzigjährigen. Leipzig 1936, S. 155-156. zeno.org. Lizenziert unter Gemeinfrei
Benz, Carl Friedrich: Lebensfahrt eines deutschen Erfinders. Die Erfindung des Automobils, Erinnerungen eines Achtzigjährigen. Leipzig 1936, S. 155-156. zeno.org. Lizenziert unter Gemeinfrei

Doch der Patentwagen floppt. "Die Straße gehört den Pferden", schreiben die Meinungsführer in den Zeitungen. Was für heutige (und verspottete) Pioniere ein Trost sein mag, wirft den armen Carl aus der Bahn. So lange hat er gearbeitet - und jetzt ist sein Auto ein Ladenhüter? Während er den Mut verliert, fasst Bertha einen verwegenen Plan. Sie wird beweisen, dass Carls Wagen (das dritte Modell) Langstrecken schafft und damit eine zukunftsträchtige Erfindung ist. Carl darf davon nichts wissen. Nie würde er seine Frau fahren lassen. Auch die Polizei sollte besser nichts mitbekommen - weil die Pferde beim Anblick ihrer benzingetriebenen Konkurrenz scheuen (wohlweislich?), darf der Wagen nur mit spezieller Genehmigung rollen. Das ist Bertha Benz egal. Mit ihren beiden Söhnen Eugen und Richard bricht sie klammheimlich im Morgengrauen auf, um ihre Schwester in Pforzheim zu besuchen. "Sie liebten meinen Wagen, wie ich ihn liebte", erinnert sich der achtzigjährige Carl Benz. "Aber sie verlangten mehr von ihm als ich. Sie wollten wissen, ob mit dem neuen Wagen eine neue Ära für Landfahrer angebrochen sei und in welchem Umfang er zum Landfahren und Landstreichen benützt werden könne. Bergauf und bergab sollte der entführte Wagen zeigen, was er konnte und nicht konnte – auf einer Strecke von 180 Kilometern." Sicher: Problemlos geht das nicht. Mal müssen die Benzens schieben, weil der 1,5 PS-Motor eine Steigung nicht schafft und schon nach wenigen Kilometern ist der Sprit alle. Wie gut, dass eine Apotheke in der Nähe ist. Dort tankt man voll - mit dem Reinigungsmittel Ligroin. Selbst zwei Defekte können Bertha Benz nicht stoppen:  "Das eine Mal war die Benzinleitung verstopft - da hat meine Hutnadel geholfen. Das andere Mal war die Zündung entzwei. Das habe ich mit meinem Strumpfband repariert." Schließlich rollen Bertha und Söhne wohlbehalten in Pforzheim ein. Obwohl Carl erstmal ziemlich erbost ist, kann er die Leistung nicht verhehlen: "Sie war wagemutiger als ich und hat eine für die Weiterentwicklung des Motorwagens entscheidende Fahrt unternommen." Bertha Benz hat den Siegeszug des Automobils lange verfolgen können. Sie ist am 5. Mai 1944 im Alter von 95 Jahren gestorben - heute vor 70 Jahren.

Übrigens: Wer mehr über Bertha Benz erfahren will, kann mal auf ihrer Gedenkseite nachsehen. Dort sind auch die meisten ihrer Zitate her...

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