Ernst Neger: Der singende Dachdeckermeister

Vor 25 Jahren ist die Mainzer Fassenachtsikone Ernst Neger gestorben

Der singende Dachdecker: Ernst Neger (Foto: Youtube)
Der singende Dachdecker: Ernst Neger (Foto: Youtube)

Er war der singende Dachdeckermeister: Ernst Neger. Mit "Rucki Zucki", "Winni winni wanna wann" und mit dem "Humbta Täterä" hat Ernst Neger Fassenachtsgeschichte geschrieben. Wenn er mit der braunen Lederschürze und dem hellblauen Kragen ans Mikrophon tritt, dann brechen die Närrinnen und Narrhalesen in Jubel, Trubel und Heiterkeit aus (siehe Clip):

Dabei hat Ernst Neger das Leben nicht nur von der fröhlichen Seite kennengelernt: Geboren wird er 1909 im Mainzer Vorort Bretzenheim. Dort baut sein Vater Karl-Josef gerade erfolgreich einen Dachdeckerbetrieb auf. Das Glück währt nur kurz. Im Ersten Weltkrieg zerfetzt ihm eine Granate beide Hände - und damit auch den Traum vom Handwerkerleben. Die frohsinnige Mainzer Lebensart erwischt sie nicht. Karl-Josef Neger hält unerschrocken optimistisch solange durch, bis sein Sohn die Firma übernehmen kann. Ernst Neger lernt, den Schrecken des Krieges mit Herz und rheinhessischem Humor zu trotzen. „Mit dem Herz musst du immer dabei sein, ganz egal, was du denkst, was du tust, was du fühlst“. Wenn er über die Dächer von Mainz kraxelt, ist Ernst Neger mit dem Herzen dabei - aber auch, wenn er in geselliger Runde Gossenhauer trällert oder in der fünften Jahreszeit in die Bütt' steigt. Kaum, dass sich alles ein wenig beruhigt, kehrt der Krieg zurück. Aber Ernst Neger bleibt das Schicksal seines Vaters erspart. Er kehrt gesund zurück in ein ausgebomtes Mainz. Dort baut er nicht nur die Dächer wieder auf, sondern auch die Mainzer selbst. Sein "Heile, heile Gänse" singt Ernst Neger (begleitet am Klavier von Toni Hämmerle) mit einer Nachkriegsstrophe, die bis heute unter die Haut geht, weil sie jecke Leichtigkeit zur Trösterin in schweren Zeit  macht (im Clip ab Minute 3:30 oder im Text).

"Wenn mich emol de Herrgott holt, dann wüsste ich nur eens:
Ich nähm' in meine Arme weit mein arm' zertrümmert´ Meenz.
Und streichel es ganz sanft und lind und sag' "Hab' nur Geduld!
Ich bau Dich widder auf geschwind! Ja, Du warst doch gar net schuld.
Ich mach dich widder wunnerschön,
Du kannst, Du derfst net unnergehn…

Heile, heile Gänsje
Es is bald widder gut,
Es Kätzje hat e Schwänzje
Es is bald widder gut,
Heile heile Mausespeck
In hunnerd Jahr is alles weg.

Nicht alles kann das Gänsje heilen und nicht alles is in hunnerd Jahr weg. Ernst Negers Klassiker werden bleiben - auch über seinen Tod am 15. Januar 1989 hinaus (heute vor 25 Jahren). Was in der Erinnerung verblasst, dass lassen Ernst Negers Sohn Karl und sein Enkel Thomas wieder aufleben. Sie führen nicht nur den Familienbetrieb weiter, sondern tragen auch mit Stolz die Meenzer Fassenachtsfarben Rot, Weiß, Blau und Gelb.

Übrigens: Das  Humba-Täterä ist mit dem 1. FSV Mainz 05 als Feierhymne in die Bundesliga eingezogen und wird gerne kopiert. Mit dem Original schunkelt sich' trotzdem am besten...

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