Seid mutig! - 32 Vorbilder für gute Vorsätze

Marlene Dietrich spricht einem verwundeten US-Soldaten Mut zu. Lizenz: gemeinfrei
Marlene Dietrich spricht einem verwundeten US-Soldaten Mut zu. Lizenz: gemeinfrei

Es gibt gute Vorsätze für neue Jahre, die gehen immer:  Weniger Stress und mehr Ruhe, Rauchen aufgeben und abnehmen undsoweiterundsofort... Das Eulengezwitscher macht einen anderen Vorschlag für 2014: Mutig sein! Dieser Vorsatz findet sich zwar nicht auf den ersten Plätzen einschlägiger Ranglisten. Dabei ist dieser Vorsatz so universell wie individuell: Mut hat viele Gesichter. 32 davon stellt der Porträtband "Mutige Menschen" vor, der soeben bei insel taschenbuch neu aufgelegt worden ist. Das ist eine Steilvorlage für einen Biografien-Blog, der selbst regelmäßig von mutigen Menschen erzählt...

 


Die Runde der 32 mutigen Menschen ist außergewöhnlich. Kommunistinnen wie Clara Zetkin neben Großindustriellen wie Robert Bosch, Ärztinnen wie Ruth Pfau neben Schlagersängerinnen wie Marlene Dietrich, Theologen wie Dietrich Bonhoeffer neben Astronauten wie Reinhard Furrer. Sie alle haben auf unterschiedlichste Weise Zivilcourage bewiesen - und das macht die Versammlung der Mutigen aus, von der Bundespräsident Joachim Gauck im Vorwort spricht. Diese Versammlung ist eine Jahrhundertversammlung. Herausgeber Ulrich Kühne hat seine Auswahl auf das 20. Jahrhundert (plus/minus wenige Jahre) und auf den deutschsprachigen Raum beschränkt. Bemerkenswert - und Mut machend - ist der Wandel der Zivilcourage im Laufe der Jahrzehnte. Auf den inhaltlichen Schwerpunkt des Buches, den Widerstand gegen die beiden Unrechtsregime auf deutschem Boden, folgt die humanitäre Zivilcourage: Mutige Medizinierinnen, die in die Dritte Welt gehen, werden ebenso porträtiert wie engagierte Antirassisten und protestierende Schüler. Ein weiterer Vorzug des Buches ist, dass Herausgeber Kühne nicht nur prominente Widerstandskämpfer wie Julius Leber, Hans von Dohanyi und die Geschwister Scholl in den Blick nimmt, sondern auch den Mut und die Mutigen, die nicht ins Licht der Öffentlichkeit gerückt sind. So findet sich auch Ludwig Metz in der Versammlung der Mutigen. Er hat sich getraut, von der Fahne zu gehen und nicht mehr für Hitler zu kämpfen. Die Autoren der sehr kurzen (aber mitunter intimen) Portraits sind Textpaten (meist aus Politik, Wissenschaft oder privatem Umfeld der Protagonisten), die aus eigener Bekanntschaft oder Bewunderung  von den mutigen Menschen berichten. Allerdings ist der Raum, der den Laudatoren zur Verfügung steht, deutlich zu knapp bemessen. Nicht immer können die wagemutigen (Lebens)-Leistungen klar herausgearbeitet oder gewürdigt werden. Dennoch führt diese Verkürzung auf biografische Fragmente dazu, über Mut nach- und weiterzudenken. Damit erreicht der Porträtband sein Ziel, denn die Zivilcourage will nicht nach  angenehmer Lektüre wieder zwischen Buchdeckeln verschwinden.

Fazit: Wer "Mutig sein" als guten Vorsatz fassen will, der findet in diesem Band (sehr kurzer Porträts) biografische Appetitanreger. Denn Zivilcourage eignet sich prima als Vorsatz: "Mut ist ein schönes, sich selbst genügendes Lebensgefühl", schreibt Herausgeber Ulrich Kühne. "Eine Tat vollbringen, eine Initiative starten, die ihren Wert in sich trägt, ist ein reines Glück." Wie recht er hat...

Übrigens:  Mutige Menschen, von denen sowohl der Suhrkamp-Sammelband, als auch das Eulengezwitscher  erzählt, sind Clara Zetkin, Rudolf Augstein und Hans Scholl...

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