Ulf Merbold: Der Deutsche im All

Der erste Westdeutsch im All: Ulf Merbold (2. v. r.) und die Crew der Weltraummission STS-9 sind guter Dinge. Foto: NASA, Lizenz: public domain
Der erste Westdeutsch im All: Ulf Merbold (2. v. r.) und die Crew der Weltraummission STS-9 sind guter Dinge. Foto: NASA, Lizenz: public domain

Er war der erste Westdeutsche im Weltall: Ulf Merbold. Dabei ist Merbold 1941 in Thüringen geboren und in der ehemaligen DDR aufgewachsen. Früh interessiert er sich für die Naturwissenschaften und speziell für die Physik. Studieren darf er allerdings nicht, weil er nicht der Freien Deutschen Jugend (FDJ) angehört. Kurz bevor die DDR-Oberen um Walter Ulbricht Beton anmischen und die Berliner Mauer hochziehen, zieht es Ulf Merbold in den Westen. Dort muss er zwar nochmal sein Abi machen, aber dann ist der Weg frei für die Physik. Merbold studiert erfolgreich, macht seinen Doktor und heuert beim Max-Planck-Institut für Metallforschung an, wo Forscherträume in Erfüllung gehen. Merbold aber will noch höher hinaus.

Als er in der Frankfurter Allgemeinen über eine Stellenanzeige der europäischen Weltraumbehörde ESA stolpert, will er „Wissenschaftler im Weltraumlabor“ werden. Damit ist er nicht allein. Über 2000 Bewerbungen gehen bei der ESA ein - aber am Ende ist es Merbold, der mit der NASA-Mission STS9 (Space Transportation System) ins All darf. Am 28. November 1983 - heute vor 30 Jahren - erlebt Merbold erstmals die für ihn "sinnliche Erfahrung" eines Raketenstarts. Als Wissenschaftler experimentiert er im Weltraumlabor Spacelab und sammelt wertvolle Daten. Wer aber glaubt ein Vollblutforscher wie Merbold habe keinen Sinn für Romantik, der irrt. In der Zeitschrift Stern (gegründet von Henri Nannen) wird der Festkörper-Physiker beinahe zu einem Reisedichter des Raumfahrtzeitalters: "Die Sonne leuchtet aus einem rabenschwarzen Himmel. Die Erde ist von einem königsblauen Saum aus Luft umgeben." Den Weg in die Schwerelosigkeit des Orbits schildert Merbold dagegen ganz unverblümt:

"Die ersten zwei Minuten fühlen sich an, als würde man ungefedert über Bahnschienen brettern." Weder solche körperlichen Strapazen, noch die Lebensgefahr bei der Landung (zwischenzeitlich fallen die Computer aus) halten Merbold davon ab, noch zweimal zu Weltraummissionen aufzubrechen - einmal sogar im Rahmen einer russischen Mission. Beim Blick aus der winzigen Kapsel auf die Erde hat Merbold gelernt, dass das All Raum für Völkerverständigung: bietet: "Von oben sieht man keine Grenzen."


Deshalb hat er, der Astronaut,  sich auch nie als Konkurrent des DDR-Kosmonauten Siegmund Jähn gesehen, der fünf Jahre vor ihm im Orbit war; und deshalb stellt er seine Erfahrungen und Dienst seit über zwei Jahrzehnten in den Dienst des Europäischen Astronautenzentrums.  Dort arbeitet er an europäischen Weltraumprojekten - und träumt von einer Mars-Mission.

Ulf Merbolds Biografie weiterzwitschern:

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