Aldous Huxley: Der Dystopist

Aldous Huxley (Lizenz: Public Domain)
Aldous Huxley (Lizenz: Public Domain)

Er hat eine (Alb)traum-Welt erschaffen: Aldous Huxley. Sein Roman Schöne Neue Welt (Brave New World) ist die Negativ-Utopie von totaler Gesellschaftsordnung. In sozialer Vorherbestimmung werden Embryonen auf ihre künftige gesellschaftliche Rolle programmiert und Kleinkinder im Feinschliff konditioniert.  Alle Menschen sind in streng in hierarchische Klassen geteilt: von den geistig überlegenen Führungseliten (Alphas) bis hin zu stumpfsinnig gezüchteten Arbeitssklaven (Epsilons). Aldous Huxley selbst steht nicht im Verdacht, aus gesellschaftlichem Neid heraus geschrieben zu haben. Er selbst wäre in nahezu allen Belangen ein Alpha gewesen. Huxley, 1894 geboren, kommt aus gutem Haus. Väterlicher- wie mütterlicherseits blickt er auf eine Ahnengalerie talentierter Künstler und Wissenschaftler zurück.

Auch er selbst ist ein vielseitig begabter Überflieger. Seine Schul- und Studienleistungen (Anglistik in Oxford) lassen nichts zu wünschen übrig - ganz anders als seine Gesundheit. Schon als Kind droht Aldous Huxley beinahe zu erblinden (zwischenzeitlich muss er sogar die Schule verlassen). Aber mit eisernem Willen und täglichem Training gewinnt er den Kampf um  sein Augenlicht. Dass auch sein  gesellschaftsanalytischer Blick ungetrübt ist, zeigt er in über vier Jahrzehnten als Schriftsteller. Aus seiner Feder stammt Weltliteratur der verschiedensten Gattungen. Neben Romanen hat Huxley auch Gedichte, Essays, Kurzgeschichten und Drehbücher geschrieben. Sein bekanntestes Werk, die Schöne Neue Welt, ist 1932 erschienen. 

Wie schnell Huxleys düstere Zukunftsahnungen aus seinen Buchdeckeln ausbrechen und Wirklichkeit werden, das hat ihn selbst überrascht. Ende der 1950er Jahre hat er sein fiktives Arsenal der totalen Sozialsteuerung einer Zwischenbilanz unterzogen (Brave New World Revistited) und dabei seine dunkeln Prognosen bekräftigt. Die Welt des 21. Jahrhunderts ist manchen seiner Schreckensvorstellungen noch viel näher gekommen. Die rasante technische und gesellschaftliche Entwicklung hat für das Leben und Zusammenleben ungeahnte neue Möglichkeiten eröffnet. Gerade technische Errungenschaften sind indes vor dem Missbrauch im Sinne Huxleys kaum gefeit:


Der Weltstaat ist durch Globalisierung und Digitalisierung zumindest virtuell ins Werk gesetzt - den Weltpolizisten USA gibt's gleich dazu. In Sozialen Netzen, die Menschen zusammenbringen, wird der Wunsch nach Privatsphäre zusehends stigmatisiert. Es gibt nahezu keinen Lebensbereich mehr, den die Medien nicht für sich erschlossen haben kann - selbst Geburten und Sterbeprozesse können von der Öffentlichkeit verfolgt werden. Datenspionage wird mehr oder minder hingenommen. Körperliche Befriedigung durch Sex und gesellschaftsfähige Drogen drängen Werte und Gefühle zurück. Die Präimplantationsdiagnistik und die Stammzellenforschung eröffnen zumindest die technischen Voraussetzungen, die Huxley befürchtet. Seine Schöne neue Welt  ist aktueller denn je. Allerdings haben wir es noch in der Hand, ob die neuen Möglichkeiten ge- oder missbraucht werden. Huxleys Hauptwerk ist in diesem Sinn eine wertvolle Warnung: Seine Zukunftsprognosen sind die Herausforderungen unserer Gegenwart, auch wenn Huxley selbst bereits heute vor 50 Jahren, am 22. November 1963, gestorben ist. 

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