Franz Josef Strauß: Der letzte König von Bayern

Bundesarchiv, B 145 Bild-F074245-0031 / Arne Schambeck / CC-BY-SA
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Er war der wichtigste bayrische Nachkriegspolitiker: Franz Josef Strauß. Fast drei Jahrzehnte hat er die Christlich Soziale Union geführt, zehn Jahre davon als Ministerpräsident des Freistaats Bayern. München ist ihm nicht nur politische Heimat. Hier wird er 1915 geboren. Hier rockt er das alt ehrwürdige Maximilianeum und macht dort das jahrgangsbeste Abitur. Auch sportlich ist das spätere (politische) Schwergewicht als Radrennfahrer ganz vorne dabei. Beruflich lässt es Strauß katholisch solide angehen: Er studiert Sprach- und Literaturwissenschaft und legt damit die Wurzeln seines künftig bewunderten wie gefürchteten Redetalents. Aber die Wurzeln werden jäh gekappt. Hitler will Krieg führen und Strauß ist im wehrfähigen Alter. Er wird zu den Waffen gerufen. Wie sein kommender Gegenspieler Helmut Schmidt beweist Strauß im Feld Führungsqualitäten und bringt es bis zum Oberleutnant. Viel schlimmer aber: Das Manuskript seiner Doktorarbeit verbrennt in den Flammen eines Bombenhagels auf München. Die Tür zur Wissenschaft ist erstmal zu und Strauß muss umplanen. Nach Krieg und kurzer Gefangenschaft steigt Strauß in die Politik ein. Er macht rasant Karriere: Stellvertretender Landrat im Schongau, Jugendvertreter im CSU-Vorstand, Mitarbeit im Frankfurter Wirtschaftstrat (wo er sich für Ludwig Ehrhards Soziale Marktwirtschaft stark macht), schließlich Mitglied des ersten Deutschen Bundestages. In der Fraktion leitet er die CSU-Landesgruppe. 1955 macht Bundeskanzler Konrad Adenauer den Vierzigjährigen zum Minister - erst für Atomfragen, dann für Verteidigung. Anfang der 1960er Jahre endet der politische Höhenflug des Hobbypiloten Strauß mit einer Bruchlandung: In der Spiegelaffäre lastet man ihm an, dass die Redaktionsräume des Hamburger Nachrichtenmagazins nach missliebiger Berichterstattung über die Bundeswehr durchsucht und der Herausgeber Rudolf Augstein nebst leitenden Redakteuren wie Conrad Ahlers vorübergehend verhaftet werden. Strauß muss zurücktreten und liebäugelt wieder mit einer nachgeholten akademischen Laufbahn. Aber die Verlockungen der Politik sind stärker. Strauß ist nur vorerst gescheitert und kehrt 1969 als Finanzminister an den Kabinettstisch zurück. In der Großen Koalition unter Kurt Georg Kiesinger arbeit er noch mit seinen späteren sozialdemokratischen Widersachern zusammen. Dann aber schmiedet die FDP mit ihnen ein Regierungsbündnis und Strauß wird zum leidenschaftlichen Oppositionspolitiker. Den einstigen Koalitionspartner schmäht Strauß als "Hund der mit zwei Schwänzen wackelt". Im Bundestag liefert er sich legendäre Rededuelle mit Herbert Wehner und Helmut Schmidt. Die Kunst der politischen  Rede ist in den 1970er Jahren auf dem Zenit. Wortwitz, schlagfertige Pointen und Metaphern machen Lust auf Politik:


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Auch in Bierzelten und in der Partei poltert Strauß (nicht immer ganz nüchtern): "Der Helmut Kohl wird niemals Bundeskanzler. Der ist total unfähig." Niemals Kanzler wird ein anderer: Strauß höchstselbst. In einem hitzigen und ideologisch aufgeladenem Wahlkampf ("Stoppt Strauß!") scheitert er 1980 als Kanzlerkandidat. Zwei Jahre spätere tritt ausgerechnet Helmut Kohl seine sechszehnjährige Regierungszeit an. Strauß verfolgt inzwischen andere Interessen. Als Ministerpräsident (seit 1978) macht er Bayern zukunftsfähig und zeigt sich weltgewandt (beispielsweise mit einem Staatsbesuch in Mao Zedongs kommunistischem China). Dabei ist Strauß ein unermüdlicher Antikommunist. Einer seiner Lieblingswitze:  "Was passiert, wenn in der Sahara der Sozialismus eingeführt wird? Zehn Jahre überhaupt nichts, und dann wird der Sand knapp... (mehr Strauß-Zitate gibt's hier) Welche Sensation also, dass Strauß Erich Honeckers DDR einen Milliardenkredit verschafft. Allerdings muss die SED als Gegenleistung den Menschen in Ostdeutschland den Alltag erleichtern und Selbstschutzanlagen an der innerdeutschen Grenze abbauen. Diese Grenze hat Strauß nicht überlebt. Sein Todestag jedoch hat im nachhein sehr viel mit der Wiedervereinigung zu tun. Seit 1990 ist es der Tag der Deutschen Einheit. Am 3. Oktober 1988 - heute vor 25 Jahren - trifft ihn auf dem Weg zur Jagd der Schlag. Der spätere Papst Kardinal Joseph Ratzinger spricht beim Trauergottesdienst vielen Bayern aus der Seele: „Wie eine Eiche ist er vor uns gestanden, kraftvoll, lebendig, unverwüstlich, so schien es. Und wie eine Eiche ist er gefällt worden.“

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