Edward Said: Der arabische Humanist

Edward Said (links) und Daniel Barenboim (rechts). Lizenziert unter CC0
Edward Said (links) und Daniel Barenboim (rechts). Lizenziert unter CC0

Er war ein streitbarer Versöhner zwischen Orient und Okzident: Edward Said. Geboren 1935 in Jerusalem wächst Said als Sohn palästinenischer Christen in Kairo auf - jenseits aller kulturellen Grenzen: Er genießt die hervorragende Ausbildung einer der letzten kolonialen Eliteschulen, ehe er in Princeton studiert und in Havard promoviert. Dann zieht es Said in die Vereinigten Staaten. Seit Mitte der 1960er Jahre lehrt er an der Columbia University in New York Vergleichende Literaturwissenschaft. Seine Studie zum 'Orientalismus' (1978) ist ein Frontalangriff auf die britischen und französischen Nahostforscher. Der Vorwurf: Der Westen und seine Literaturwissenschaft würden arrogant und von oben herab auf den arabischen Raum und seine Kultur schauen. Said sieht darin eine literatische Spielart des Kolonialismus.

In aller Herren Länder streiten sich die Gelehrten um Saids Thesen - bis heute. Eine andere seiner Botschaften findet bald ihren Weg heraus aus dem akademischen Elfenbeinturm: Said will die Welt dafür sensibilieren, wie sehr die vertriebenen Palästinenser leiden. Deshalb bringt er sich als Berater und Mahner in den Nahostkonflikt ein. Dabei macht er sich mehr Feinde als Freunde, denn Said wählt keine Seite, sondern hält allen Parteien ihre Ignoranz und Fehler vor - auch der palästinenischen Führung um Jassir Arafat. Man müsse sich gegenseitig anerkennen und respektieren: nur dann könne man friedlich miteinander leben. Ob in zwei Staaten oder in einem gemeinsamen, da ändert Said im Lauf seines Lebens die Meinung. Denn in Staaten denkt er nicht: "Ich habe bis heute nicht verstanden, was es bedeutet, ein Land zu lieben", schreibt er noch kurz vor seinem Tod. Said denkt in Freundschaften.


Das West-Eastern-Divan-Orchestra (Foto: Fernando Delgado Béjar, Lizenz:  CC-BY-SA-3.0-migrated)
Das West-Eastern-Divan-Orchestra (Foto: Fernando Delgado Béjar, Lizenz: CC-BY-SA-3.0-migrated)

Eine friedensstiftende Freundschaft pflegt er in seinem letzen Lebensjahrzehnt mit dem israelischen Dirigenten und Pianisten Daniel Barenboim. Wie Said stellt auch Barenboim gerne unbequeme Fragen im Nahostkonflikt. Was die Politik nicht vermag, setzen Barenboim und Said ins Werk: praktizierte Völkerverständigung. Gemeinsam gründen sie das West-Eastern-Divan-Orchestra, in dem junge Israelis und Araber gemeinsam musizieren und miteinander ins Gespräch kommen. Das eindrucksvollste Konzert gibt das gemischte Jugendorchester in Ramallah. Said hat es nicht mehr erlebt. Kurz zuvor, am 25. September 2003  ist er an Leukemie gestorben - heute vor 10 Jahren. Sein Vermächtnis lebt nicht zuletzt im westöstlichen Diwan weiter, das nach wie vor von Daniel Barenboim dirigiert wird.

Übrigens: Ein schönes Said-Portait hat Tony Judd in seine Essay-Sammlung "Das vergessene 20. Jahrhundert" aufgenommen (siehe linke Spalte).

Edward Saids Biografie weiterzwitschern:

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