Angela Merkel: Bundeskanzlerin seit 2005

Angela Merkel ist seit 2005 für die CDU Bundeskanzlerin

Foto: א (Aleph). Licensed under CC BY-SA 2.5
Foto: א (Aleph). Licensed under CC BY-SA 2.5

Sie ist die amtierende Kanzlerin: Angela Merkel. Im Kanzleramt ist Angela Merkel gleich in dreifacher Hinsicht eine Pionierin: Sie ist die erste Frau, die erste Ostdeutsche und die erste Naturwissenschaftlerin an der Regierungsspitze. Geboren ist Merkel 1954 in Hamburg, aufgewachsen im uckermärkischen Templin. Ihr Vater, Horst Kasner, ist evangelischer Pfarrer. Merkels Jugendzeit in der DDR verläuft unspektakulär. Sie absolviert ihr Abitur an der Erweiterten Oberschule (EOS) "Hermann Matern" bezieht dann die Marl-Marx-Universität in Leipzig, um Physik zu studieren. Lehrerin will sie werden, aber das ist nicht möglich, weil sie kirchlich gebunden und politisch nicht aktiv ist.


Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0803-017 / Settnik, Bernd / CC-BY-SA
Lothar de Maiziére und Angela Merkel (Foto: Bernd Settnik)

In die Politik zieht es Angela Merkel schon - aber nicht im DDR-Unrechtsregime. Dann aber bringt die friedliche Revolution für Freiheit und Demokratie den alten sozialistischen  Staats- und Parteiapparat zum Einsturz. Merkel, die über Zerfallsreaktionen promoviert hat, ist zur Stelle. Erst im Demokratischen Aufbruch, dann in der CDU gestaltet sie als Sprecherin der Regierung von Lothar de Maiziére Wende und Wiedervereinigung mit. Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl erringt Merkel ein Direktmandat. Helmut Kohl, der Kanzler der Einheit, holt sie an den Kabinettstisch. Als "Kohls Mädchen" wird Merkel Bundesjugendministerin. Die allgemeine Verwunderung über diesen Karrieresprung bleibt eine treue Begleiterin auf Merkels Weg ins Kanzleramt. Bis heute wird sie immer wieder unterschätzt. Dabei hat sie mehr als einmal bewiesen, welche politischen Berge sie versetzen kann: Helmut Kohl zum Beispiel. Ihr einstiger Förderer hat es am eigenen Leib erfahren. Als er wegen der CDU-Spendenaffäre gewaltig in der Kritik stand, musste er in der FAZ lesen, wie die mittlerweile zur Generalsekretärin avancierte  Angela Merkel die Basis von ihm löst: Die Partei muss also laufen lernen, muss sich zutrauen, in Zukunft auch ohne ihr altes Schlachtross, wie Helmut Kohl sich oft selbst gerne genannt hat, den Kampf mit dem politischen Gegner aufzunehmen", schreibt Merkel, "sie muss sich wie jemand in der Pubertät von zu Hause lösen, eigene Wege gehen.“ Kurz darauf wählt sie die CDU zur Bundesvorsitzenden. Noch immer traut man ihr weniger zu, als sie zu leisten im Stande ist. Dieses Image hat ihr seltener geschadet als genutzt und Merkel hat es schon als Jugendministerien geschickt bedient. In einem Interview mit Campino, dem Frontmann der Toten Hosen, zeigt sich Merkel als Mauerblümchen: "Auf Feten war ich unheimlich traurig, dass ich mich nicht in die Musik reinsteigern konnte. Ich war immer das Mädchen, das Erdnüsse isst und nicht tanzt." Im Kreis der europäischen Staats- und Regierungschefs ist Merkel längst nicht mehr graues Mäuschen, sondern farbiger Mittelpunkt.

Foto: Bundesregierung/Bolesch
Foto: Bundesregierung/Bolesch

Nicht nur modisch kommt der deutschen Bundeskanzlerin in Europa eine besondere Rolle zu. Ihr Wort hat Gewicht in Brüssel. Angela Merkel ist als Kanzlerin erst in einer Großen Koalition mit den Sozialdemokraten, dann in einem christlich-liberalen Regierungsbündnis mit der FDP zur mächtigsten Frau der Welt gereift - und zu heimlichen EU-Kanzlerin in der europäischen Schuldenkrise. Manchen ist der Sparkurs der neuen "Eiserne Lady" eher unheimlich. Nicht nur bei Demonstrationen in Griechenland wird Angela Merkel schon mal in Nazi-Kluft und mit Hakenkreuzbinde gezeigt.


Foto: Armin Linnartz, Lizenz: CC-BY-SA-3.0-DE
Foto: Armin Linnartz, Lizenz: CC-BY-SA-3.0-DE

Die Kanzlerin lassen solche geschmacklosen Anfeindungen kalt. Die Hände zur "Merkel-Raute" geformt erklärt sie, dass sie sich immer freut, wenn Menschen ihre Meinung äußern dürfen. Dort wo sie aufgewachsen sei, im DDR-Unrechtsregime, habe man das nicht gedurft - und das sei schlimmer gewesen. Ganz abgesehen davon kann die Kanzlerin sogar dem Sozialismus und der Schuldenkrise mit Humor nehmen. Ihr Lieblingswitz jedenfalls verbindet beide: Was ist der Unterschied zwischen Sozialismus und Kapitalismus? Im Sozialismus wird erst verstaatlicht und dann ruiniert...

 

Alle Kanzler im Eulengezwitscher Extra zur Bundestagswahl: