Hennes Weisweiler: Der Meistertrainer

Foto: J. Küch. Lizenziert unter CC BY 3.0
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Er formte die legendäre Fohlen-Elf: Hennes Weisweiler. Als der Trainer die junge Mannschaft von Borussia Mönchengladbach Mitte der 1960er Jahre übernimmt, ist er schon eine mittelgroße Nummer im deutschen Fußball. Die aber ist er ausgerechnet beim rheinischen Rivalen aus Köln geworden. Dort ist Weisweiler 1919 geboren und aufgewachsen, dort hat er  in Vororten und Stadtteilen früh Erfahrungen in verschiedenen Vereinen gesammelt und dort ist er an der Sporthochschule zum Fußballlehrer ausgebildet worden. Da er zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal 30 Jahre alt ist, läuft er bald als Spielertrainer für den 1. FC Köln auf. In den späten 1940er Jahren feiert er seine ersten Erfolge: die Meisterschaft in der Rheinbezirksliga und den Aufstieg in die Oberliga. Die Kölner setzen ihm ein eigenwilliges Denkmal: Als ein Zirkus dem FC einen Geißbock als Maskottchen schenkt, benennen sie ihn (wie alle seine Nachfolger) nach dem Trainer: Hennes. Dabei ist schon der erste Hennes länger im Amt als sein Namesvetter auf der Trainerbank. Anfang der 1950er Jahren bleiben der Erfolg und Weisweilers Vertragsverlängerung aus. Das spornt den Ehrgeiz des jungen Trainers an: "Zeige mir einen zufriedenen Zweiten, und ich zeige dir einen ewigen Verlierer." Weisweiler ist kein Verlierertyp. Um in die Erfolgsspur zurückzukommen, begibt er sich als Assistent in die praktische Ausbildung bei Deutschlands oberstem Fußballlehrer: Sepp Herberger. Der hatte gerade mit der Nationalmannschaft um Fritz Walter und Helmut Rahn das Wunder von Bern geschafft und Deutschland zum Weltmeister gemacht. Aber auch hinter Herberger will Weisweiler kein Zweiter sein. Deshalb kehrt er nach kurzer Zeit nach Köln zurück, wo er zunächst wieder beim FC anheuert, dann bei Victoria Köln. Der große Durchbruch aber gelingt in Mönchengladbach. Weisweiler übernimmt 1964 eine geschwächte Regionalligamannschaft, setzt auf junge Talente wie Günther Netzer (damals gerade 20 Jahre alt) und hat damit Erfolg. Die Elf vom Niederrhein steigt in die Bundesliga auf (1965), gewinnt die Meisterschaft (1970 und 1971), den DFB-Pokal (1973) und den UEFA-Pokal (1975). Weisweilers Erfolgsrezept ist es, seine zu Weltstars gereiften Jugendspieler auf dem Boden zu halten. Selbst den genialen Gladbacher Passgeber Güntzer Netzer hat Weisweiler im Griff. "Abseits ist, wenn das lange Arschloch zu spät abspielt." Nun ist der Meistertrainer auf dem Zenit. Beim FC Barcelona sammelt er erste Auslandserfahrung, um später seine Bundesliga-Karriere dort ausklingen zu lassen, wo sie begann: beim 1. FC Köln. Wiederum holt er beide nationalen Titel - und wiederum zieht es ihn in die Ferne: Nach New York und Zürich. Doch aus dem anvisierten Lebensabend in der Schweiz wird nichts. Am 5. Juli 1983, heute vor 30 Jahren, stirbt der 63jährige Weisweiler. Er bleibt über den Tod hinaus einer der größten deutschen Fußballlehrer.

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