Wilhelm II.: Der selbstverliebte Kaiser

Kaiser Wilhelm Biographie im Biografien-Blog
Wilhelm II. am Totenbett seines Großvaters Wilhelm I. (Bild: Anton von Werner, Lizenz: Gemeinfrei)

Er war der letzte Deutsche Kaiser - und er den Deutschen nicht gut getan: Wilhelm II. (1857-1942). Düstere Vorahnung umfängt das Bild vom Totenbett des alten Kaisers Wilhelm. Der uralte Monarch war im Volk beliebt wie ein gütiger Großvater bei seinen Enkeln. Wilhelm I. war ein echter Preuße gewesen: Soldat durch und durch, aber bei allem königlichen Standesdünkel von bescheidener, zurücknehmender, ruhiger Natur. Er hatte seinen Kanzler Otto von Bismarck machen lassen und der hatte in drei Einigungskriegen (mit den Dänen, Österreichern und Franzosen) und geschickten Verhandlungen (mit den Bayern, Badenern und Württembergern) das Deutsche Reich geschmiedet. Am Sterbebett seines nominell obersten Dienstherren steht Bismarck schon im Abseits (zweiter von links). Er ahnt das Unheil. Wilhelms legitimer Nachfolger Friedrich III. (Mitte im Vordergrund) ist selbst bereits sterbenskrank - Kehlkopfkrebs. Er wird nur 99 Tage Kaiser sein, dann läuft es wohl oder übel - eher übel - auf den jungen Wilhelm II. hinaus, der sich über seinen sterbenden Großvater beugt, während der Arzt (rechts) auf die Uhr sieht, die gegen das alte Preußen läuft. Denn der Neue hält wenig von Bismarck und noch weniger von gottesfürchtiger Demut. Er verklärt die soldatisch-preußischen Ideale seines Großvaters in einer rückwärts gerichteten nationalen Romantik. Das Ergebnis ist

Wilhelm II. Biographie im Biografien-Blog
Bild: Max Koner, Lizenz: Gemeinfrei

ein realitätsfremder, uneinsichtiger Größenwahn, von dem ein Brief an seine Mutter Kaiserin Friedrich (vormals: Victoria von Großbritannien) Zeugnis gibt: „Für immer & ewig gibt es nur einen wirklichen Kaiser in der Welt & das ist der Deutsche, ohne Ansehen seiner Person & seiner Eigenschaften, einzig durch das Recht einer tausendjährigen Tradition […].“ Einzig Gott fühlt er sich verantwortlich, keineswegs will er sich von Menschen in die Parade fahren lasse. Bismarck muss als Erster daran glauben - er wird 1890 als Kanzler entlassen und zieht sich grollend aufs Altenteil zurück. Mit einer ganzen Reihe von Personalentscheidungen umgibt sich Wilhelm II. mit willfährigen Vollstreckern, die ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen. Auch formelle Beschränkungen seiner Macht, etwa durch die Verfassung lässt Wilhelm nicht gelten: „Ich kenne keine Verfassung, ich kenne nur das, was Ich will.“

Anders denkende Regenten werden verhöhnt, Parlamentarier erniedrigt: Wilhelm bezeichnet sie als „Hundskerle, die man mit der Peitsche traktieren muss, elendes Pack, Lumpenkerle, Sauhunde“, den Reichstag als „Reichsaffenhaus“. Selbst die eigene Regierung wird von Wilhelm II. gemaßregelt. „Der Kanzler muss gehorchen“, schrieb er seiner Mutter nach Bismarcks Tod und in seiner Autobiographie heißt es: „Ich persönlich habe die Genugtuung, dass Bismarck […] von mir gesagt hat: ‚Der wird einmal sein eigener Kanzler sein.’“ Aber ach: War auch die Politshow des Kaisers Metier, die Weltpolitik war es nicht. Die klugen Bündnissysteme Bismarcks hat er weder verstanden noch erhalten. Er war nur ein Säbelrasseler, der die Chinesen beleidigt, die Engländer brüskiert und die politischen Gegner im eigenen Land beschimpft und bedroht. Aber er rasselt eben nur - und als der Krieg dann kommt, da rasselt er noch einmal besonders laut ("Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!") und überlässt dann seinen Generälen um Paul von Hindenburg das Feld.

Der Kaiser dankt ab im Biografien-Blog
Die Flucht ins Exil (Bundesarchiv, Bild 183-R12318 / CC-BY-SA)

So laut er dreißig Jahre gebellt hatte, so heimlich, still und leise tritt er ab: von der Bahnsteigkante ins Exil nach Holland. Zurück bleiben die in ihren Weltmachtsfantasien enttäuschten Deutschen. Es wird nicht lange dauern, bis sie dem Nächsten nachlaufen der verspricht, sie zu bedienen. Mit seiner unverantwortlichen Regierung hat auch Wilhelm seinen Teil dazugetan, Hitler den Boden zu bereiten. Heute vor 125 Jahren, am 15. Juni 1888, wurde Wilhelm II. zum Deutschen Kaiser von Gottes Gnaden gekrönt.


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