Richard Wagner: Der Monumentalkomponist

Richard Wagner (Foto: Franz Hanfstaengl, Lizenz: gemeinfrei)
Richard Wagner (Foto: Franz Hanfstaengl, Lizenz: gemeinfrei)

Er polarisiert bis heute: Richard Wagner (1813-1883). Als Musiker unerreicht ist er als Schöpfer monumentaler Opern - darunter ‚Die Meistersinger von Nürnberg’, ‚Lohengrin’ und ‚Der Fliegende Holländer’ (im Clip die Berliner Philharmoniker unter Claudio Abbado). Als Mensch aber war Wagner ein Ekel, das in selbstgefälligem germanischem Größenwahn schwelgte und dauernd über seine Verhältnisse lebte: Das hat ihm zwar immer wieder Schulden eingebracht, aber auch die zweifelhafte Gunst mancher Mächtiger: Der bayrische Märchenkönig Ludwig II. finanzierte dem aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Wagner, der nicht nur einmal Hals über Kopf vor seinen Gläubigern fliehen musste, ein Leben im Luxus. In Bayreuth errichtete er ihm mit dem Festspielhaus auf dem grünen Hügel einen Tempel, in dem in den 1870er Jahren die Operntetralogie ‚Der Ring des Nibelungen’ uraufgeführt wurde (16 Stunden Musik über menschliche und göttliche Intrigen, vorgetragen überwiegend von schwerem Blech).

Nach Ludwig II. erkor auch Adolf Hitler Wagner zu seinem Lieblingskomponisten. Dazu hat beigetragen, dass der Komponist aus seinem menschenverachtenden Judenhass keinen Hehl machte. Hitler erkannte in Wagners bombastischen Bühnenwerken die wahre arische Kunst – und diese Assoziation wirkt bis heute nach: Intendanten und Regisseure haben immer wieder den Holocaust in Wagners Opern auf die Bühne gebracht. Zuletzt ist in Düsseldorf eine ‚Tannhäuser’-Inszenierung sogar abgesetzt worden, weil sich mehrere Zuschauer nach allzu realistisch dargebotenen Vergasungs- und Erschießungsszenen in ärztliche Behandlung begeben hatte. In Israel ist es nach wie vor Tabu, Wagner-Opern überhaupt aufzuführen. Als Daniel Barenboim es dennoch wagte, in Jerusalem eine Zugabe aus ‚Tristan und Isolde’ zu geben, provozierte er damit einen handfesten kulturpolitischen Skandal. Wie schwer es ist, den genialen Musiker von dem unerträglichen Menschen zu trennen, der heute vor 200 Jahren geboren wurde, hat  der ebenfalls jüdische Dirigent Leonard Bernstein auf den Punkt gebracht: „Ich hasse Wagner, aber ich hasse ihn auf Knien!“

Richard Wagners Biografie weiterzwitschern:

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