Johannes Brahms: Der verspätete Klassiker

Johannes Brahms, Lizenz: gemeinfrei
Johannes Brahms, Lizenz: gemeinfrei

Er war ein tragisches Genie: Johannes Brahms wäre heute 180 Jahre alt geworden. Sein Werk und sein Wirken sind eingequetscht zwischen Beethoven und Brucker:  Beethovens neun Symphonien sind kaum überhörbar die Vorbilder von Brahms' eigenen Kompostionen. Hans von Bülow, ein zeitgenössicher Dirigent, behauptet sogar, Brahms erste Symphonie sei Beethovens zehnte. Doch obwohl Brahms immer wieder als würdiger Erbe des Genies gerühmt wird, leidet er unter dem Vergleich. Denn für einige seiner Komponistenkollegen, darunter auch Anton Bruckner, ist Beethoven zwar Vorbild, aber auch Vergangenheit: Vor allem Franz Liszt und Richard Wagner machen sich für "neudeutsche Musik" stark: in der Mitte des 19. Jahrhunderts ist schweres Blech angesagt, das in symphonischen Dichtungen und Musikdramen dröhnt und schmettert. Brahms dagegen bleibt bis ins hohe Alter den zarten Streichern und Holzbläsern treu. Und doch verzweifelt er fast an der schlichten Eleganz, die sein Schaffen so besonders macht: „Es ist nicht schwer, zu komponieren", sagt Brahms. „Aber es ist fabelhaftschwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen.“ Welche Höchstleistung also, dass er in den ersten Takten seiner letzten Symphonie - der vierten - mit nur vier kleinen Akkorden auskommt (siehe oben)... Und wie gut, dass einer der bedeutendsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts, Carlos Kleiber, dieses filigrane Motiv unnachahmlich zum Klang gebracht  hat (Video-Clip).

Johannes Brahms' Biografie weiterzwitschern:

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