James Watson: Der DNA-Entschlüsseler

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Sie entschlüsselten die DNA: Frances Crick und James Watson
Auszug: Nature (1953)
Auszug: Nature (1953)

Er enträtselte das Erbgut: James Watson. Geboren 1928 in Chicago interessiert sich der kleine James nicht für die Geschäfte seines Vaters, sondern beobachtet lieber Vögel. So verwundert es kaum, dass er als 18-Jähriger die Universität von Chicago bezieht, um dort Zoologie zu studieren. Das Augenmerk aber verländert sich. Was einst das liebe Federvieh war, ist nun die Genetik - auch in Indiana, wo Watson Ende der 1940er Jahre seinen Doktor macht. Der große Durchbruch aber gelingt in England. Dort beginnen Watson und sein Kollege Frances Crick den Geheimnissen der menschlichen Programmierung auf den Grund zu spüren. Am 25. April 1953 - heute vor 60 Jahren - unterbreiten die beiden Nachwuchswissenschaftler der verblüfften Fachwelt in der Zeitschrift Nature ein bestechend schlichtes Modell des Erbgutes: "Wir möchten eine DNA-Struktur vorschlagen", beginnen die beiden ihren kaum zweiseitigen Aufsatz, "die einige neue Aspekte von besonderem biologischen Interesse hat". Die präsentierte Struktur hat es buchstäblich in sich: In ihr verbirgt sich die messbare menschliche Identität in zwei ineinander verschlungenen Spiralen (siehe Abbildung rechts). Dass Augen- und Haarfarbe, Geschlecht und Erbkrankheiten irgendwo gespeichert sind, wusste man schon vorher. Die Entschlüsselung der molekularen Struktur der Desoxyribonukleinsäure (DNS, englisch DNA) aber ist der erste Schritt, den genetischen Code verstehen - und verändern zu können. Dafür gab es 1962 den Nobelpreis. Und schon damals munkelte man vom Plagiat, denn Watson und Crick sahen sich dem Vorwurf ausgesetzt, sich mit fremden Federn zu schmücken. Denn den entscheidenden Einfall hatten die beiden wohl, als sie eine Röntgenstrukturanalyse der Biochemikerin Rosalind Franklin auswerteten - ohne deren Wissen. Noch schwerer aber lasten manche inhaltlichen Interpretationen auf Watson, die er im Lauf seines langen Forscherlebens aus den bahnbrechenden DNA-Entdeckungen gezogen hat: Wenn die Genanalyse eines Ungeborenen dessen Homosexualität prognostiziere, sollten Frauen abtreiben dürfen, ließ Watson verlautbaren. Auch diktierte er der Presse in den Block, dass Schwarze weniger intelligent seien als Weiße. Das kostete ihn nicht nur die Kanzlerschaft beim New Yorker Cold Spring Harbor Laboratory, sondern auch einen guten Teil seines sehr guten Rufes als wegweisender Molekularbiologe. Der Widerstand gegen Watsons überzogene Schlussfolgerungen - gerade aus der Wissenschaftler - ist beruhigend: Die menschliche Identität ist eben nicht vollständig messbar - auch wenn der Vollblutforscher Watson das nicht immer wahrhaben wollte.

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