Carl Hagenbeck: Der Zoodirektor

Carl Hagenbeck im Wildtiergehege - heute vor 100 Jahren ist der Hamburger Tierparkgründer gestorben. Lizenz: gemeinfrei
Carl Hagenbeck im Wildtiergehege - heute vor 100 Jahren ist der Hamburger Tierparkgründer gestorben. Lizenz: gemeinfrei
Lizenz: Gemeinfrei
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Er stellte Tiere und Menschen zur Schau: Carl Hagenbeck (1844-1913). Als der kleine Carl vier Jahre alt ist, beginnt sein Vater Tiere vorzuführen und mit ihnen zu handeln. Gut zwanzig Jahre später übernimmt Carl selbst das Geschäft. Bald beginnt der gebürtige Hamburger, den Hafen als Tor zur Welt zu nutzen: Noch ehe sich die deutsche Politik in Afrika nach Kolonien umschaut, schickt Hagebeck seine Schiffe zum schwarzen Kontinent, lässt dort exotische Wildtiere einfangen und in Hamburg zeigen - zusammen mit Tieren aus den anderen Erdteilen. Doch bei Tieren bleibt es nicht. Je neugieriger man in Europa auf andere Länder und andere Sitten wird, desto mehr macht sich auch der weltgewandte Schausteller seine Gedanken. Dann rät ihm ein befreundeter Maler,  nicht nur die skandinavischen Rentiere, sondern auch deren Hirten zu zeigen. Also lässt Hagenbeck erstmals auch Menschen einschiffen. Diese Weltpremiere wird ein voller Erfolg, wie Hagenbeck selbst berichtet:

Plakat zur Völkerschau bei Hagebeck in Hamburg, Lizenz: gemeinfrei
Plakat zur Völkerschau bei Hagebeck in Hamburg, Lizenz: gemeinfrei

"Schön konnte man sie gerade nicht nennen. Die Augen stehen ein wenig schief, die Nase ist klein und platt. Dagegen ist das Knochengerüst dieser im Durchschnitt nur 1,30 bis 1,60 m großen Menschen sehr fein und zart, und kleinere Hände und Füße als bei den Lappländern habe ich nur noch an den Eskimoschönen bewundern können. Wie daheim brachen sie ihre Zelte ab und bauten sie vor den staunenden Hamburgern aus Stangen und gegerbten Häuten wieder auf. Die Männer fertigten aus Rentierfell und Sehnen Schneeschuhe, schnitzten Bestandteile ihrer Schlitten, und es war ein Vergnügen zu sehen, wie die Männer in ihren langen Pelzröcken und spitzen Pelzmützen die flüchtigen Rentiere mit dem Lasso einfingen. Großes Interesse erweckte jedesmal das Melken der Rentiere, und Aufsehen erregte geradezu die kleine Lappländerfrau, wenn sie in aller Natürlichkeit ihrem Säugling die Brust reichte."

Es dauert nicht lange, bis auch Afrikaner und Eskimos im fremden Hamburg zeigen, wie sie in der Heimat leben und arbeiten. Der Publikumsansturm ist ungebrochen. Im Europa des ausgehenden 19. Jahrhunderts - beileibe nicht nur in Deutschland - herrscht ein Überlegenheitsdenken, das ethische Bedenken an solchen Völkerschauen gar nicht erst aufkommen lässt. Carl Hagenbeck ist kein mittelalterlicher Menschenschinder, wie manch einseitige Darstellung vermuten lässt,  sondern lediglich ein Kind seiner Zeit, die in den europäischen Völkern die Herren der Welt sieht. Sinnbild dafür ist der Deutsche Kaiser Wilhelm II., der selbst Hagenbecks Völkerschauen aufsucht (siehe Bild unten): Das rechtfertigt nicht die Tat, aber es erklärt, wie sie zustande kommen konnte. Dass Hagenbeck seinen Unternehmer- und Erfindergeist auch nachhaltig eingesetzt hat, können wir übrigens in jedem Wildtierpark bewundern. Er nämlich war es, der mit angemeldetem Patent die Wildgehege ohne Gitter erfand und einführte. Am 14. April 1913, heute vor 100 Jahren, ist Carl Hagebeck in Hamburg gestorben. Ganz verlassen hat er seine Heimatstadt auch danach nicht, denn der Tierpark Hagebeck wird bis heute in sechster Generation als Familienunternehmen geführt. 

Kaiser Wilhelm II. auf einer Völkerschau bei Hagenbeck (Bundesarchiv, Bild 183-R52035 / CC-BY-SA)
Kaiser Wilhelm II. auf einer Völkerschau bei Hagenbeck (Bundesarchiv, Bild 183-R52035 / CC-BY-SA)

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