Paul von Hindenburg: Der Soldat

Hitler verneigt sich vor Hindenburg auf dem Tag von Potsdam
Bundesarchiv, Bild 183-S38324 / CC-BY-SA

Er war der erste Soldat des Kaiserreiches: Paul von von Hindenburg (1847-1934). Schon mit zwölf Jahren tritt Hindenburg als Kadett in die preußische Armee ein. Für seinen abgöttisch geliebten König Wilhelm I. zieht er gegen Österreich (1866) und Frankreich (1870/71) in den Krieg und erlebt  Wilhelms Kaiserkrönung in Versailles aus nächster Nähe mit. In den darauf folgenden vier Friedensjahrzehnten durchläuft Hindenburg eine tadellose Miltärkarriere, ehe er 1911 hochdekoriert in den Ruhestand geht. Kaum dass der Erste Weltkrieg ausbricht, ruft man den alten Haudegen an die Front: Ob er bereit zur sofortigen Verwendung sei, telegrafiert man ihm aus Wilhelms II. Hauptquartier. Hindenburg ist kein Mann großer Worte: "Bin bereit!"

Paul von Hindenburg: Stationen eines Soldatenlebens (Lizenzen: alle gemeinfrei)
Paul von Hindenburg: Stationen eines Soldatenlebens (Lizenzen: alle gemeinfrei)
Hindenburg und Ludendorff (Foto: Bundesarchiv)
Bundesarchiv, Bild 146-1970-073-47 / CC-BY-SA

Im Eilzug fährt er gen Osten, wo die Russen gewaltige Armeen mobilisiert haben. In der Schlacht bei Tannenberg wird der Feind eingekesselt und vernichtend geschlagen. Dass die operative Planung Hindenburgs engster Mitstreiter Erich Ludendorff erledigt hat, interessiert zuhause niemanden. Der Oberbefehlshaber ist der Held von Tannenberg. Weitere Erfolge an der Ostfront festigen den Mythos Hindenburg. Bald wird das kongeniale Duo zur Obersten Heeresleitung berufen. Als der Krieg verloren ist, ziehen sich beide fein aus der Affaire. Das Friedensgesuch richtet schon die neue demokratische Regierung. Sie ist es auch, die den völlig überrumpelten Deutschen die  Niederlage erklären muss - die militärischen Lageberichte waren bis zuletzt voll von Siegesmeldungen. Der Mythos Hindenburg bleibt unberührt. Als man ihn 1925 bei der vaterländischen Ehre packt und das Reichspräsidentenamt anträgt, da sagt er nicht nein. Ein Mann großer Worte ist er immer noch nicht, dafür aber ein Mann von großer Symbolkraft. 

Das und nur das hat Adolf Hitler im Sinn, als er am Tag von Potsdam am 21. März 1933 - heute vor 80 Jahren - demütig sein Haupt vor Hindenburg beugt. Die unterwürfige Geste vor dem greisen Generalfeldmarschall des Kaiserreiches gilt weder der Person Hindenburgs noch dem Reichspräsidentenamt. Sie ist die kühle Berechnung von Joseph Goebbels, seines Propagandastrategen, der den  Tag von Potsdam inszeniert. Der offizielle Anlass, die Eröffnung des neuen Reichstags, ist eine Farce.


Die kommunistischen Abgeordenten sitzen längst in den Konzentrationslagern und die Sozialdemokraten um ihren Fraktionsvorsitzenden Otto Wels sind auch nicht gekommen. Goebbels hat ohnehin anderes im Sinn. Er will seinen "Führer" in eine Traditon mogeln, in der Hitler weder als gebürtiger Österreicher noch als einfacher Gefreiter des Weltkrieges etwas verloren hat: In die Tradition der preußischen Könige und Kaiser. Der Glanz glorreicher Tage und gewonnener Kriege soll auf Hitler übergehen. Dafür allein braucht man Hindenburg, der es mit Deutschland gut meint und es doch in schlechtere Hände nicht hätte legen können.  Dass er beim Tag Potsdam den unbequemen Frack des Politikers abgelegt und die Pickelhaube des preußschen Soldaten aufgezogen hat, tut ein übriges. Den Deutschen muss es so erscheinen, als ob das das alt-ehrwürdige Preußen das junge Nazideutschland ermächtigt, sein Erbe anzutreten - zwei Tage vor der unheilvollen Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz.

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