Joseph Goebbels: Der Hetzer

Joseph Goebbels spricht im Berliner Lustgarten (Bundesarchiv, B 145 Bild-P046287 / CC-BY-SA)
Joseph Goebbels spricht im Berliner Lustgarten (Bundesarchiv, B 145 Bild-P046287 / CC-BY-SA)
Demagoge Goebbels (Bundesarchiv 102-17049/CC-BY-SA)
Demagoge Goebbels (Bundesarchiv 102-17049/CC-BY-SA)

Er war Hitlers Marketing-Stratege: Joseph Goebbels (1897-1945). Wie bei Adolf Hitler beginnt auch Goebbels' Leben mit Demütigungen und Niederlagen: Als kleiner Junge wird er wegen seines Klumpfußes gehänselt. "Kinder können manchmal furchtbar grausam sein", klagt er seinem Tagebuch, "ich weiß ein Liedchen davon zu singen". Auch Erwachsene können grausam sein. Goebbels' Wunschdoktorvater - ein Jude - lehnt die Betreuung seiner Dissertation ab. Selbst als er dann doch noch zu Doktorwürden kommt, bei einem anderen und ebenfalls jüdischen Professor, startet er holprig ins Berufsleben. Der promovierte Germanist tut sich schwer, als Journalist, Dramaturg oder Schriftsteller Fuß zu fassen. Erst in Hitler scheint Goebbels einen neuen Lebenssinn zu finden. Dieses Mal feiert er mit seinem Tagebuch: "Ein Stern ist aufgegangen. Ich kann endlich wieder glauben. Ich liebe ihn." Weniger liebt er seine jüdische Freundin Else, die er für seinen "Führer" verlässt, um dann Magda zu heiraten - Hitler bezeugt die Ehe. Ebenso wie Else legt Goebbels auch seine Sympathie für den internationalen Sozialismus ad acta. Es ist, als ob er durch den Pakt mit dem Teufel seine ganze Versagensvergangenheit abstreift, um sich als Werbetrommler für Hitlers menschenverachtende Wahnvorstellungen neu zu erfinden.

Der wiederum revanchiert sich beim verhinderten Sprachvirtuosen für die bedingungslose Loyalität mit einflussreichen Jobs in der  Bewegung: Endlich kann Goebbels selbst grausam zu anderen sein - und das macht er genüsslich. Als Redakteur von national-sozialistischen Kampfblättern hetzt er gegen Juden und Kommunisten. Als Gauleiter von Berlin steht ihm nicht mehr nur das gehässige Wort als Waffe zur Verfügung, sondern auch die Knüppel von Hitlers Straßenschlägern. Auch Wahlkämpfe führt Goebbels für die Nationalsozialisten.


Reichspropagandaleiter darf er sich nun nennen. Nach der Machtergreifung lässt Hitler seinem Marktschreier eigens ein Ministeriums einrichten. Am 13. März 1933, heute vor 80 Jahren, verfügt der greise Reichspräsident Paul von Hindenburg in einem amtsdeutsch-trockenen Erlaß : "Für Zwecke der Aufklärung und Propaganda unter der Bevölkerung über die Politik der Reichsregierung und den nationalen Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes wird ein Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda errichtet." Goebbels ist am Ziel. Nach eigenem Gutdünken schaltet er die Presse und den Kulturbetrieb gleich und sorgt dafür dass die Deutschen über Radio und Kinofilme indoktriniert werden. Über den Volksempfänger schreien Hitler und er täglich ihre Hasstiraden in die Wohnstuben. Die Nürnberger Reichsparteitage und die Olympischen Spiele lässt Goebbels von der Leinwandästhetin Leni Riefenstahl inszenieren, die sich nicht lange bitten lässt. Es ist Goebbels' Propagandamaschine, die den Völkermord an den Juden rhetorisch vorbereitet, es ist seine fanatisch sich überschlagende Stimme, die den totalen Krieg ausruft. In der Stunde der totalen Niederlage nehmen sich Magda und Joseph Goebbels das Leben. Die letzte Grausamkeit verüben sie an ihren sechs Kindern, keines älter als zwölf Jahre. Sie reißen sie mit in den Tod, damit sie nicht in einer Welt ohne den Nationalsozialismus aufwachsen müssen. 

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