Leo X.: Der Pontifex

Die Sixtinische Kapelle im Vatikan (Foto: Antoine Taveneaux, Lizenz: CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0)
Die Sixtinische Kapelle im Vatikan (Foto: Antoine Taveneaux, Lizenz: CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0)
Papst Leo X. (Gemälde: Raphael, Lizenz: gemeinfrei)
Papst Leo X. (Gemälde: Raphael, Lizenz: gemeinfrei)

Er war mit sieben Jahren Domherr von Florenz, als Dreizehnjähriger Kardinal und als Mittdreißiger Papst: Leo X. (1475-1521). Wenn morgen die Kardinäle der römisch-katholischen Kirche zum Konklave in der Sixtischen Kapelle zusammenkommen, um den Nachfolger Benedikts XVI. zu wählen, werden sie zumindest ein Problem nicht haben, das ihre Kollegen vor 500 Jahren lösen mussten: Denn  als sie Giovanni de' Medici am 11. März 1513 als Leo X. zum Nachfolger Petri wählten, da war er zwar Kardinal, aber weder Priester noch Bischof. Dafür hatte der Spross der einflussreichen Florentiner Familie Medici bereits einige schöne wie unschöne weltliche Erfahrungen gemacht: einerseits eine künstlerisch geprägte Erziehung, andererseits  die zwischenzeitliche Vertreibung der Medici aus Florenz und sogar eine kurze Kriegsgefangenschaft. Dass das Konklave mit ihm einen Nicht-Geistlichen zum Papst gewählt hat, macht weiter keine Umstände. Der Vatikan  händelt den Fall pragmatisch und schnell: Binnen weniger Tage empfängt der Auserkorene die Priester- und Bischofsweihen. Dann kann sein Pontifikat beginnen.  Leo X.  sieht sich als politischer Papst. Aber ach! Angesichts großer Ambitionen im europäischen Machtgefüge bleibt für den kleinen Mönch Martin Luther nur wenig Aufmerksamkeit. Der schreibt und predigt in der deutschen Provinz gegen den Ablasshandel an, mit dem sich das Kirchenoberhaupt kleine und große Wünsche wie den prunkvollen Ausbau des Petersdoms finanziert: Auf Marktplätzen und in Dorfkirchen verkauft die Kirche in Gestalt von Wanderpredigern wie Johann Tetzel Vergebung: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt!“ Was kann schon ein einzelnes Mönchlein bewegen, das sich darüber und über andere vermeintliche Missstände empört? Leo X. reagiert gelassen: Erst Bannandrohung und dann Exkommunikation - das muss reichen! Dass es nicht reicht, um die Einheit der Kirche zu wahren, erlebt Leo X. nicht mehr. Er stirbt 1521, kurz nachdem er Luther aus der Kirche ausgestoßen hat. Der kommende Papst wird es nicht mit einem Luther zu tun bekommen. Mit Kritik muss er trotzdem rechnen, denn die öffentliche Kontroverse macht längst auch vor der Kirche nicht mehr halt. Deshalb wäre ihr künftiges Oberhaupt  gut beraten, sich den drängenden Fragen unserer Zeit zu widmen - und zeitgemäße Antworten zu finden, die mit der Lehre Christi in Einklang stehen.

Leos X. Biografie weiterzwitschern:

Ein Klick auf die Eule führt zu allen Gläubigen im Biografien-Blog Eulengezwitscher...

Kommentar schreiben

Kommentare: 0