Hans Scholl: Der Kopf der Weißen Rose

Foto: Jessica Deringer
Foto: Jessica Deringer
Hans Scholl (Verwendung des Fotos mit freundlicher Genehmigung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand)
Hans Scholl (Verwendung des Fotos mit freundlicher Genehmigung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand)

Er war Sophies Bruder: Hans Scholl, der Kopf der Weißen Rose. Dass der Student Scholl einmal Widerstand gegen Hitler leisten würde, hätte der Gymnasiast Hans weit von sich gewiesen. Denn eine ganze Weile hatte er ganz anders über den "Führer" gedacht. Geboren im September 1918 wächst Hans Scholl mitten hinein in die ersten Tage der von Anfang an wackeligen Weimarer Republik. Sein Vater, ein liberaler Bürgermeister, ist eine Säule der jungen Demokratie. Hans' erwachende politische Neugier aber gilt den Nationalsozialisten: Marschieren, Fahnen schwenken - und vor allem eine kernige Gemeinschaft. Das reizt Hans und seine Schwester Sophie. Sie geht zum Bund Deutscher Mädel (BDM), er  hat bei der Hitlerjugend (HJ) bald einiges Sagen: Über 150 Jungs hören auf sein Kommando. Auf dem Nürnberger Reichsparteitag defiliert der stolze Fähnleinführer an Hitler vorbei. Seine Briefe zeichnet er mit

 

 

Aus dem ersten Flugblatt der Weißen Rose

 "Wenn jeder wartet, bis der andere anfängt, werden die Boten der rächenden Nemesis unaufhaltsam näher und näher rücken, dann wird auch das letzte Opfer sinnlos in den Rachen des unersättlichen Dämons geworfen sein. Daher muß jeder einzelne seiner Verantwortung als Mitglied der christlichen und abendländischen Kultur bewußt in dieser letzten Stunde sich wehren, soviel er kann, arbeiten wider die Geißel der Menschheit, wider den Faschismus und jedes ihm ähnliche System des absoluten Staates."

"Heil! Hans." Zu Hause ist die Hölle los. Der Vater tobt, der Sohn hält Tränen der Wut und Trotz dagegen: "Unsere Lehrer sagen aber ganz anders als du. Und die müssen doch auch etwas wissen". Einen empfindlichen Dämpfer erfährt der Enthusiasmus der Geschwister Scholl vier Jahre nach Hitlers Machtergreifung: Hans wird verhaftet, weil er sich unerlaubterweise auch in der  unabhängigen und ungezwungeneren Bündischen Jugend engagiert, die von Hitlerjugend und Regime argwöhnisch beäugt wird. Auch die übrige Familie wird von der Geheimen Staatspolizei schikaniert - ein Stigma im Nazi-Staat. Zwar wird das Verfahren später eingestellt, aber innerlich geht Scholl seinem "Führer" von der Fahne. Nach außen unaufällig schlägt er eine bildungsbürgerliche Karriere ein, so gut, wie das eben möglich ist: Dem obligatorischen Arbeitsdienst folgt der obligatorische Militärdienst. Dann beginnt Hans sein Medizinstudium, besucht die Sanitätsschule und zieht als Feldsanitäter in den Krieg. "Der Dienst an den Kranken ist die große Menschlichkeit", vertraut er seinem Tagebuch an. Im Feldlazaratt in Frankreich macht sich das Elternhaus bemerkbar. Schon der Vater war Sanitäter im Ersten Weltkrieg und seine Frau, Scholls Mutter Magdalena, ist eine kirchlich ausgebildete Krankenschwester.


Die christlichen Werte, die sie einst säten, blühen nun in Hans. Dass er Kontakte zu christlichen Gelehrten knüpft, tut ein Übriges. Unvereinbar sind das christliche Menschenbild und die nationalsozialistische Menschenverachtung. Ist da Widerstand nicht legitim? Die spitze Feder und Flugblätter sind für die Geschwister Scholl und ihre Mitstreiter geeignete Mittel, um die Deutschen wachzurütteln. Sechs Flugblätter bringt die Weiße Rose in Umlauf. ehe man sie denunziert, verhaftet und dem selbstgerechten obersten Nazi-Richter Roland Freisler vorführt. Bei seiner Vernehmung bekennt Hans: "Als ich mich zur Herstellung und Verbreitung von Flugblättern entschlossen habe, war ich mir darüber im Klaren, daß eine solche Handlungsweise gegen den heutigen Staat gerichtet ist. Ich war der Überzeugung, daß ich aus innerem Antrieb handeln mußte und war der Meinung, dass diese innere Verpflichtung höher stand, als der Treueid, den ich als Soldat geleistet habe. Was ich damit auf mich nahm, wußte ich, ich habe auch damit gerechnet, dadurch mein Leben zu verlieren." Die Eltern richten ein Gnadengesuch"Bei unseren Kindern handelt es sich um arglose Idealisten, die noch nie in ihrem Leben irgend jemand etwas Unrechtes zugefügt haben." Sie haben viel mehr getan als nichts. Sie haben sich gegen das Unrecht gestemmt, dafür ihre Leben riskiert und gegeben. Am 22. Februar 1943 - heute vor 70 Jahren - werden Sophie und Hans Scholl hingerichtet. Seine letzten Worte sind sein Vermächtnis, das es zu bewahren gilt: „Es lebe die Freiheit!“

Übrigens: Die Konrad-Adenauer-Stiftung erinnert heute an die Weiße Rose mit einer Facebook-Veranstaltung.

Hans Scholls Biografie weiterzwitschern:

Ein Klick auf die Eule führt zum Eulengezwitscher-Extra zur Machtgreifung...

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