Hjalmar Schacht: Hitlers Geldedintreiber

Foto: Broom R R (Fg Off)/Royal Air Force, 1942-1945 CL2383“. Lizenz: PD
Foto: Broom R R (Fg Off)/Royal Air Force, 1942-1945 CL2383“. Lizenz: PD
Hjalmar Schacht (Bundesarchiv, Bild 102-12733 / CC-BY-SA 3.0)
Hjalmar Schacht (Bundesarchiv, Bild 102-12733 / CC-BY-SA 3.0)

Er war des Teufels Geldeintreiber: Hjalmar Schacht. Erst sorgt der ehemalige Reichsbankpräsident im "Freundeskreis der Wirtschaft" dafür, dass eine Reihe deutscher Industrieller und Bankiers Reichspräsident Paul von Hindenburg darum bitten, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Kaum einen Monat nach dessen Machtübernahme redet Schacht den Industriellen selbst ins Gewissen: Die knappen Wahlkampfkassen der Nationalsozialisten sollen sie auffüllen. Schacht ist der Strippenzieher hinter dem Geheimtreffen am 20. Februar 1933 - heute vor 80 Jahren. Reden lässt er erst Hitler und der eröffnet den Wirtschaftsbossen, was er zuvor den Wehrmachtsgeneralen angekündigt hatte: „Wir müssen erst die ganzen Machtmittel in die Hand bekommen, wenn wir die andere Seite ganz zu Boden werfen wollen." Die dafür benötigten Mittel soll der erfahrene Staatsbanker Schacht beschaffen und vermehren. Denn der hat nicht nur Erfahrungen bei Privatbanken gesammelt (u. a. Dresdner Bank), sondern er hat sich in der Weimarer Republik auch als erfolgreicher Finanzpolitiker bewährt: Als Delegationsleiter hat er verschiedentlich die Verhandlungen um die deutschen Reparationszahlungen nach dem  Ersten Weltkrieg geführt. Als Reichswährungskommissar hat er die Inflation von 1923 beendet wurde dafür an die Spitze der Reichsbank berufen. Aber alle kleinen und großen Erfolge des liberalen Demokratien befriedigen Schacht nicht. Er wendet sich mehr und mehr den rechten Parteien zu. In Hitler findet er den Macher, dem er seine finanzpolitische Expertise lieber zur Verfügung stellt als der gescheiterten Demokratie. Das gilt auch für seine Wirtschaftsfreunde. Krupp, Quandt und Konsorten stellen bereitwillig die Millionen, die Schacht von ihnen nach einem peniblen Schlüssel einfordert: Den Löwenanteil soll die Kohle- und Eisenindustrie beisteuern - aber die wird ja auch kräftig am kommenden Krieg verdienen. Auch Chemie, Automobil- und Maschinenbau dürfen  sich gerne beteiligen. Der erfolgreiche Geldeintreiber Schacht findet sich schon bald wieder an der Spitze des Reichswirtschaftsministeriums und der Reichsbank. Zwölf Jahre später wird aus der Reichsbank die Anklagebank der Nürnberger Prozesse. Auch wenn die Allierten ihn freisprechen, die Stuttgarter Entnazifizierungsspruchkammer verurteilt ihn als "Hauptschuldigen" zu acht Jahren  Arbeitslager. Obwohl er sich auch dort wieder herausklagen kann, nehmen ihm die Deutschen  die Selbstreinigungsschrift "Abrechnung mit Hitler" nicht ab.

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