Benedikt XVI.: Wir waren Papst

Vor zehn Jahren ist Benedikt XVI. Papst geworden

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Er ist mit seinem Dienstherrn im Reinen: Papst Benedikt XVI. Heute hat er angekündigt, sein Amt als Bischof von Rom niederzulegen. „Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.“ Die sich allzu schnell verändernde Welt stelle die Kirche vor bedeutende Glaubensfragen. Ihm fehle nunmehr die körperliche und die geistige Kraft, das Schifflein Petri - die Kirche - durch diese Weltenstürme zu steuern. Diese Entscheidung ist mutig - und weise. Ein Papst, der sich nicht nur auf seine theologische Unfehlbarkeit verlässt, sondern der auch seine menschlichen Grenzen erkennt und akzeptiert, ist ein großer Papst. Benedikt XVI. hat mit seinem Rückzug vom Heiligen Stuhl viele Kritiker Lügen gestraft, die in Joseph Ratzinger, dem einstigen Uni-Dozenten für Dogmatik und Fundamentaltheologie und dem späteren Chef der Römischen Glaubenskongregation nur einen engstirnigen und kompromisslosen Fortschrittsverhinderer gesehen haben. Waren es eigentlich die selben Kritiker, die sich auch darüber lustig machen, dass sich der Papst im Alter von 85 Jahren noch auf Twitter einlässt (wie auch sein Nachfolger Franziskus, siehe rechte Spalte)? Nur wer sich und seine Positionen immer aufs neue hinterfragt,     ist zu einem so solchen Schritt in der Lage, den Benedikt XVI. heute gegangen ist.

Dabei ist es zweitrangig, dass einige seiner inhaltlichen Standpunkte in der Tat kaum mehr ins 21. Jahrhundert passen: Immer wieder haben seine oder der Kirche Äußerungen zu Verhütung und Abtreibung, zu Homosexualität und Zölibat für Kopfschütteln gesorgt. Mit seinem Rückzug ermöglicht es Benedikt XVI. der Kirche auf eine elegante Art, die wenig Zweifel an seiner geistigen Beweglichkeit lässt, diese Positionen zu überdenken. Er baut ihr mit seinem Verweis auf die Schnelllebigkeit der Welt dazu sogar eine goldene Brücke. Man darf gespannt sein, ob die Kirche willens und in der Lage ist, über diese Brücke zu gehen...

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Kommentare: 2
  • #1

    Markus Häfner (Montag, 11 Februar 2013 21:00)

    So "zweitrangig", wie der Verfasser schreibt, sind die inhaltlichen Standpunkte des Papstes keineswegs - im Gegenteil: die Inhalte, die der Papst predigt und die sein Pontifikat bestimmen, überlagern alle Fragen der Amtsführung und letztlich auch den fraglos achtbaren Schritt des Rückzugs aus dem Amt. Benedikt XVI. hat das Leiden und Sterben seines Vorgängers aus nächster Nähe mitverfolgt, er hat gesehen, wie Johannes Paul II. wichtige Entscheidungen zuletzt nicht oder kaum mehr selbst treffen konnte, sondern sie anderen Personen der Kurie übertragen musste. Dieses Machtvakuum unklarer Zuständigkeiten wollte Benedikt XVI. nicht noch einmal entstehen lassen und ist deshalb zurückgetreten. Dieser Schritt verdient Anerkennung - auf einen wirklich "großen Papst" wartet die Welt allerdings weiterhin. Ein großer Papst kann nicht Ansichten zu Verhütung, Sexualität, Piusbrüdern und Zölibat vertreten, wie sie Benedikt XVI. zum Schaden vieler Menschen bis heute predigt. Ein großer Papst müsste endlich die Ökomene erst nehmen und der katholischen Kirche einen echten inhaltlichen Modernisierungschub geben. Ein großer Papst könnte endlich einmal nicht aus Europa, sondern aus Afrika oder Südamerika kommen und der katholischen Kirche ein frisches und liberaleres Gesicht geben. Ein großer Papst würde Brücken bauen, die für viele Menschen - und weit über die Anhänger der katholischen Kirche hinaus - wirklich neue und zukunftsweisende Perspektiven eröffnen.

  • #2

    Markus Häfner (Montag, 11 Februar 2013 21:09)

    Nachtrag: Meinen Tippfehler oben bitte ich zu entschuldigen - es muss natürlich "Ökumene" heißen.