Jakob Kaiser: Christ und Demokrat

Quelle: ACDP-Fotoarchiv
Jakob Kaiser (Lizenz: ACDP)

Er lebte Volkspartei: Jakob Kaiser (1888-1961), ein Christdemokrat der ersten Stunde. Geboren im Kaiserreich lernt Jakob bei seinem Vater, Bücher zu binden (ab 1901), und bei Vater Staat den Umgang mit der Waffe (1908-1910). Ehe er davon im Ersten Weltkrieg an der Ost- und an der Westfront Gebrauch machen muss und schwer verwundet wird, findet er sein politisches Zuhause bei den christlichen Gewerkschaften. Schon dem jungen Jakob Kaiser ist eine bemerkenswerte Mischung aus Patriotismus, Katholizismus und Sozialismus zu eigen. Was andere in innere Widersprüche stürzen würde, bewirkt bei Jakob Kaiser das Gegenteil: Er reift zum Brückenbauer zwischen nur vermeintlichen Gegensätzen. Das sind gute Voraussetzungen für einen Volkspartei-Politiker.  Dazu kommt, dass er politische Prinzipen praktiziert, die von einer tiefen demokratischen Gesinnung zeugen: Denn seine Vaterlandsliebe verpflichtet ihn nicht zur Nibelungentreue gegenüber Verbrecherregierungen. Er beugt sich weder Hitlers Nazionalsozialismus noch Walter Ulbrichts DDR-Unrechtsregime: "Es gibt keine linke und keine rechte Diktatur, es gibt nur eine Diktatur. Wir sagen jeder Form von Totalität Feindschaft an." Solche Überzeugungen machen ihn gleich zweimal zur unerwünschten Person: Die Nazis setzen ihn fest und die DDR-Führung entmachtet ihn als Vorsitzenden der Ost-CDU, der er kurz nach dem Krieg geworden ist. Dabei steht Kaiser zeitlebens für eine arbeitnehmerorientierte Politik, die im Sozialismus ebenso Anklang findet, wie in der West-CDU, in der Kaiser nun seine neue politische Heimat findet: Er tritt für betriebliche Mitbestimmung ein, will das Wirtschaftsleben planen, Bodenschätze und wichtige Industriezweige verstaatlichen. Für ihn, den Brückenbauer, ist es auch kein Widerspruch, Christdemokrat und Gewerkschaftler zugleich zu sein. Nur einen Widerspruch hält der Patriot kaum aus: Die deutsche Teilung. Sein Vorschlag, "Brücke sein zu wollen zwischen Ost und West" stößt beim Bundeskanzler Konrad Adenauer auf wenig Gegenliebe. Der Kanzler setzt auf Westbindung und dagegen kann auch ein (Jakob) Kaiser seine Vorstellungen nicht durchsetzen.

Vergeblich oder gar vergessen ist seine Meinung nicht. Im Gegenteil: Die Persönlichkeit und die Politik Jakob Kaisers erinnern daran, wie wichtig Gegenmeinungen und Diskussionen, Strömungen und Flügel für die  Zukunft der Volkspartei CDU sind: Nur innerparteiliche Kontroversen und Reibungspunkte halten Volksparteien gedanklich beweglich. Konrad Adenauer wusste das. Bis zuletzt suchte er das Gespräch mit seinem parteiinternen Gegenspieler, selbst an dessen Krankenbett (siehe Bild). In diesem Sinn darf es ab und an gerne ein bißchen mehr Jakob Kaiser sein in der CDU - der einzig verbliebenen Volkspartei.  Heute, am 8. Februar 2013, wäre Jakob Kaiser 125 Jahre alt geworden.

 

Ein ausführlicher und ein tabellarischer Lebenslauf Jakob Kaisers finden sich sich im Internetportal zur Geschichte der CDU, das von der Konrad-Adenauer-Stiftung gepflegt wird.

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