Curt Liebmann: Der nibelungentreue General

General Curt Liebmann (Bundesarchiv, Bild 183-E03804 / CC-BY-SA)
General Curt Liebmann (Bundesarchiv, Bild 183-E03804 / CC-BY-SA)

Er war ein mitschreibender Soldat: General Curt Liebmann (1881-1960). Während seines dreißigjährigen Militärdienstes hat er sich immer wieder Notizen gemacht, wenn seine Vorgesetzten redeten. Denn als Stratege im preußisch-deutschen Generalstab oder als Statistik-Sachwalter im Truppenamt hat er den Bleistift als wirksame Waffe schätzen  gelernt. Und so schreibt er auch am  3. Februar 1933 eifrig mit: Dieses Mal ist es der neue Reichskanzler Adolf Hiter, der im konspirativen Wohnzimmerkreis bei General Kurt von Hammerschmidt-Equord die Reichswehrführung in seine politischen und militärischen Ziele einweiht. Während Hitler sich in Rage redet ordnet der Schreibtisch-General seine Ergießungen in vier nüchterne Kategorien: 1. Inneres, 2. Äußeres, 3. Wirtschaft, 4. Wehrmacht.

Was Liebmann aber zu Papier bringt, das hätte ihm den Atem verschlagen müssen. Ungeschminkt diktiert ihm Hitler bereits volle Programm seiner militärischen Verbrechen in den Block, vom Angriffskrieg über die Gleichschaltung bis zum Völkermord: 

  • "Einstellung der Jugend u. des ganzen Volkes auf den Gedanken, dass nur der Kampf uns retten kann..."
  • "Ertüchtigung der Jugend u. Stärkung des Wehrwillens mit allen Mitteln. Todesstrafe für Landes- u. Volksverrat. Straffste autoritäre Staatsführung. Beseitigung des Krebsschadens der Demokratie!" 
  • "Eroberung neuen Lebensraums im Osten u. dessen rücksichtslose Germanisierung..."

Welche Ironie des Schicksals, dass dieser Eroberungskrieg auf den Tag genau zehn Jahre später im Kessel von Stalingrad enden wird (2./3. Februar 1943). Aber die Generäle nickten nur dienstbeflissen und akurat mit den Köpfen. Das hat Liebmann nicht notiert. Dafür aber die Tochter des gastgebenden Generals, die als Spitzel den kommunistischen Nachrichtendiensten zuarbeitet. Ihrem mutigen Zeugnis ist zu verdanken, dass seit einigen Jahren bekannt ist, wie wenig die führenden Generale den verbrecherischen Größenwahn Hitlers hinterfragt oder gar hintertrieben haben: "Er sprach die ersten Worte gesetzt, dann in immer grösserer Ekstase, über den Tisch gelegt, gestikulierend. Nach der Meinung der Generale sehr logisch und theoretisch gut, überzeugend betreffend der innerpolitischen Probleme. Aussenpolitisch wenig klar. Nach Art seiner Agitationsreden wiederholte er die markantesten Stellen bis zu 10 Mal..." Die Masse der "Mein Kampf"-Käufer mag sich noch mehr schlecht als recht damit entschuldigen  Hitlers menschenverachtendes Programm nicht gelesen zu haben. Die militärische Führung konnte es nach dieser Rede Hitlers heute vor 80 Jahren nicht mehr.

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