Sir Simon Rattle: Der progressive Kapellmeister

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Sir Simon Rattle (Foto: Monika Rittershaus)

Er leitet das berühmteste Orchester der Welt: Sir Simon Rattle. Seit gut zehn Jahren steht der gebürtige Liverpooler als Chefdirigent am Pult der Berliner Philharmoniker. Und weil man aufhören soll, wenn's am schönsten ist, hat Rattle vor kurzem angekündigt, dass in fünf Jahren Schluss ist. Damit ist dem 1994 von der englischen Queen geadelten Sir Simon ein wahrhaft ritterlicher Abschied geglückt: Er gibt dem Orchester die Zeit, die Nachfolge zu regeln. Sich selbst nimmt Rattle die Zeit, mit den Berlinern neue Klangwelten zu entdecken. Dass er dazu in der Lage ist, hat ihm nicht nur Lob eingebracht.


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Sir Simon Rattle (Foto: Mat Hennek)

Immer wieder monierten die Traditionalisten, dass ein Chefdirigent der ehrwürdigen Berliner Philharmoniker vor allem Beethoven und Brahms, Bruckner und Wagner beherrschen müsse, anstatt Benjamin Britten zu dirigieren (siehe mp3-Download) oder noch neumodischeres Zeugs zu Gehör zu bringen, wie es beispielsweise György Ligeti zu Notenpapier gebracht habe. Solche Stimmen verkennen, dass Rattle mit den Berliner Philharmonikern viel mehr erreicht hat als ein verkürzendes Entweder/Oder zwischen klassischer und zeitgenössischer Musik. Dass er die Klassik und Romantik bewältigt, hat er in den Klavierkonzerten mit Mitsuko Uchida und den Bruckner-Einspielungen eindrucksvoll bewiesen. Mit Mahler schlägt Rattle musikalisch die Brücke zur Gegenwart. Aber er kann mehr, als Partituren in Musik umzusetzen, um den erfahrenen Konzertbesuchern gerecht zu werden. Seine vielleicht größte Leistung liegt darin, auch jüngere Menschen für die Musik zu gewinnen.

In den kostenlosen Lunchkonzerten erreichen Rattle und seine Philharmoniker die Neugierigen, die nicht gleich beim ersten Besuch der Philharmonie für ihre Konzertkarten bezahlen wollen. Mit dem Education-Programm der Berliner Philharmoniker trägt Rattle den Zauber von Klang und Bewegung in Berliner Schulen. Im groß angelegten Projekt Rhythm is it haben 250 Jugendliche gelernt, zu Igor Strawinskys Ballett


'Le Sacre de Printemps' (Die Frühlingsweihe') zu tanzen.  Aber auch die Probenarbeit mit Nachwuchsmusikern liegt Rattle am Herzen (siehe Clip). Selbst für Nachtschwärmer, für die Musik nicht nur gut klingen, sondern auch ansprechend inszeniert sein muss  hat Sir Simon mit den unverkrampften 'Late Night'-Konzerten ein spannendes Format erfolgreich eingeführt. Von einer zunehmenden Ideenlosigkeit - auch das ein manchmal geäußerter Vorwurf - kann also keine Rede sein. Im Gegenteil. Rattle ist nach wie vor voller Schaffenskraft und man darf gespannt sein, was er in den kommenden fünf Jahren ins Werk setzt. Heute, am 19. Januar, feiert Sir Simon seinen 58 Geburtstag - herzlichen Glückwunsch! 

Dirigenten Biografien

Sir Simon Rattles Biografie weiterzwitschern:

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Kommentare: 1
  • #1

    StefanOstsee (Mittwoch, 22 Oktober 2014 21:12)

    Toller Artikel! Ich fand es interessant wie Sie die kleine Biografie aufgebaut und strukturiert haben. Ich versuche mich auch seit Kurzem am Schreiben von kurzen Biografien über bekannte Persönlichkeiten.

    Lieben Gruß, StefanOstsee