Robert McNamara: Der Verteidigungsminister mit Moral

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Cecil Stoughton, White House - The John F. Kennedy Presidential Library, Boston. Licensed under Public Domain_
Oscar Porter, U.S. Army, lizenziert unter Gemeinfrei
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Ein Intellektueller im Pentagon - das geht gar nicht. Die Militärs murren schon, als John F. Kennedy Robert McNamara zum Verteidigungsminister beruft. Das kann nichts Gutes bedeuten. Kennedy aber hält den schneidigen McNamara mit der markanten Gelfrisur für einen der Besten, die ihm je begegnet sind.  Als Manager hat es McNamara bis an die Spitze des Ford-Konzerns gebracht, als ihn Kennedy 1961 in die Verantwortung nimmt. Dass er auch etwas vom Krieg versteht, hat McNamara in den 1940er Jahren bewiesen, als er den Einsatz von Brandbomben während der Luftangriffe auf japanische Städte mit mathematischen Berechnungen nach ökonomischen Gesichtspunkten optimierte. Ganz nebenbei ist es Kennedy und seinem Bruder Robert ganz recht, dass mit dem 1916 geborenen McNamara noch ein Mittvierziger im Kabinett sitzt, der für den Generationenwechsel steht. In der Kuba-Krise behält McNamara einen kühlen Kopf. Während Kennedy mit dem sowjetischen Außenminister Andrej Gromyko zusammensitzt, brütet  McNamara im ExComm die Idee aus, eine Seeblockade über Kuba zu verhängen. Am 20. Oktober 1962, heute vor 50 Jahren, findet sich in Kennedys geheimem Stab eine Mehrheit für die Blockade und damit gegen Luftangriffe auf die sowjetischen Raketenbasen auf Kuba. Die Militärs toben, aber McNamara ist den ersten Schritt auf seinem persönlich Weg vom Hardliner zum Kriegskritiker gegangen. Obwohl er für die massive atomare Aufrüstung verantwortlich zeichnet, obwohl er den Vietnam-Krieg forciert hat, ist sein Name auch mit einem grundsätzlichen Strategiewechsel der US-amerikanischen Außenpolitik verbunden: Nicht mehr der nukleare Erstschlag ist fortan die Doktrin, sondern die Flexible Response - eine Strategie, die der Entspannung im Kalten Krieg dient. Mehr noch: 2003, sechs Jahre vor seinem Tod, räumt McNamara in einer bewegenden Dokumentation eigene Fehler ein und beschwört die Nachwelt, daraus zu lernen (siehe Clip). Die unter Politikern seltene Fähigkeit zur öffentlichen Selbstkritik macht McNamara zu einem der bedeutendsten Weltenlenker des 20. Jahrhunderts.

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