John F. Kennedy: Der Führer der freien Welt

Die ExComm - John F. Kennedys geheimer Stab

U-2-Pilot - National Archives, John F. Kennedy Presidential Library, Boston, Massachusetts. Licence: Public Domain
U-2-Pilot - National Archives, John F. Kennedy Presidential Library, Boston, Massachusetts. Licence: Public Domain
White House photo portrait. Licensed under Public Domain
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"Nicht Kuba", stöhnt John F. Kennedy (1917-1963), als ihm sein Berater McGeorge Bundy die Aufklärungsfotos von den Bauarbeiten an sowjetischen Raketensilos zeigt (siehe oben), "nicht schon wieder Kuba!"  Die kleine Insel entwickelt sich zum großen Trauma des jüngsten US-Präsidenten aller Zeiten (vereidigt 1960 im Alter von 43 Jahren). Zwar ist er exzellent ausgebildet und hat die elitäre Erziehung einer der einflussreichsten amerikanischen Familien genossen; zwar gilt er als Hoffnungsträger der jungen  Generation; zwar ist er mit der Stilikone Jackie verheiratet; aber all' das hilft im nicht im täglichen Kleinklein des Kalten Krieges. Sein Umgang mit Kuba hat ihm gar den Ruf des Zauderers und Zögerers eingebracht: Erst hat ihn die amerikanische Wirtschaft bedrängt, energisch gegen Castros antikapitalistische Enteignungspolitik vorzugehen, dann hat er nur halbherzig die exilkubanische Invasion in der Schweinebucht unterstützt. Der umsichtige Kennedy weiß, dass sein eigentlicher Gegenspieler nicht Havanna, sondern in Moskau lauert. Und doch: Sein sowjetischer Widersacher Nikita Chruschtschow traut Kennedy ebensowenig  wie die Hardliner in dessen  eigenem Lager zu, Moskau die Stirn zu bieten und die Aufrüstung Kubas zur atomaren Raktenbasis zu verhindern. In der Tat donnert Kennedy nicht mit der starken Faust des Kalten Kriegers auf den Tisch des Schicksals. Er wählt die verborgene Variante. Am 16. Oktober 1962 - heute vor 50 Jahren - setzt er als überlegter Weltenlenker das geheime Gremium ExComm (Executive Committee) ein, in dem der nationale Sicherheitsrat, verdiente Diplomaten und Militärexperten sorgsam verschiedene Handlungsoptionen durchdenken kann, noch ehe die Sowjets wissen, dass sie enttarnt sind. Von der Öffentlichkeit unbemerkt spielen Kennedy und sein Bruder Robert (1925-1968) in der ExComm ihre Stärken aus: klares Kalkül, diplomatischen Feinsinn, nüchterne Analyse komplexer Entscheidungssituationen. Denn noch ist unklar, ob der Präsident einen Luftschlag gegen Kuba anordnen oder eine andere Alternative wählen wird.

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