György Ligeti: Der Komponist des Makabren

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Györgi Ligeti (Foto: H. J. Kropp)

Er war der Meister der makaberen Musik: György Ligeti. 1923 in eine rumänisch-jüdische Familie geboren, hat Ligeti früh erfahren, wozu Menschen fähig sind: Seine Mutter überlebt Auschwitz nur knapp, Vater und Bruder verlieren in den Vernichtslagern der Nazis ihr Leben. Ligeti selbst entkommt gleich mehrfach aus russischer Kriegsgefangenschaft und flüchtet sich in die Musik. In Budapest lehrt er Harmonielehre, Kontrapunkt und Musikanalyse. Doch schon zehn Jahre später ist Ligeti wieder auf der Flucht: Der gewaltsam niedergeschlagene ungarische Volksaufstand vertreibt ihn aus der einen in die nächste Donaumetropole, nach Wien. Dort verarbeitet er seine düsteren Erlebnisse in die makabere Musik, die ihn in den Rang eines der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts hebt. Nicht, indem er das Geschwätz der vermeintlichen Glücklichmacher vertont: "Silence is golden", zischt die schöne Sopranistin im Geheimpolizei-Mantel in den 'Mysteries of the Macbre' (siehe Clip). "What are you talking about?", schreit der Dirigent der Berliner Philharmoniker, Sir Simon Rattle. Mit zunehmendem Alter verzichtet Ligeti dann aber darauf, seine Interpreten für sich sprechen zu lassen und selbst vornehm zu schweigen. Jetzt ergreift er selbst das Wort: „Verstehen Sie, was Sloterdijk sagt? Schaum! Nichts! Ich halte nichts von diesen Schwätzern und Pseudowissenschaftlern." Nein, Ligeti glaubt nicht an die hohlen Worte weiser Welterklärer. Und nein, Ligeti gibt nicht vor, selbst eine frohe Botschaft zu verkünden - er hat auch keine. Stattdessen hat er die Fratze der menschlichen Abgründe zu zeigen, in die er geblickt hat - Botschaft genug. Heute, am 28. Mai, wäre Györgyi Ligeti 89 Jahre alt geworden.

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Kommentare: 1
  • #1

    Brigitta v. Schilling (Dienstag, 29 Mai 2012 17:06)

    Wow!!!
    Wie sind sie denn auf DEN gekommen?
    Genial! Erschütternd!
    Herzliche Grüße
    Brigitta v. Schilling