Ernst Reuter: "Ihr Völker der Welt"

Bundesarchiv, Bild 102-18493 / Pahl, Georg / CC-BY-SA 3.0
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Scanned by NobbiP. Licensed under Public Domain
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Seine Stimme hält der Aufregung kaum Stand, doch Ernst Reuter achtet nicht darauf: "Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien! Schaut auf diese Stadt und erkennt, daß ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt!" Es ist ein Hilferuf, ja. Die Sowjets haben die Zufahrtswege nach Berlin blockiert, um die Übergabe der drei Westsektoren zu erzwingen. Aber nicht mit Ernst Reuter. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie die Moskauer Machtzirkel funktionieren: Im Ersten Weltkrieg war er schwer verwundet in russische Kriegsgefangenschaft geraten und hatte dort die Sprache gelernt. Als begeisterter Anhänger der russischen Revolution sollte er die Kommunistische Partei Deutschlands mit aufbauen. Allerdings schreckten ihn die zusehends radikaleren Ideen der Moskauer Führung ab und er überwarf sich mit den Sowjets. Seither trauen sich Reuter und die Russen nicht mehr über den Weg. Die sowjetische Militärführung legt ihr Veto ein, als Reuter 1947 für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands zum Berliner Oberbürgermeister gewählt wird. Und während die Rosinenbomber das von der Roten Armee eingeschlossene Berlin aus der Luft mit dem Nötigsten versorgen, wehrt sich Reuter mit Worten: "Es gibt nur eine Möglichkeit für uns alle: gemeinsam so lange zusammenzustehen, bis dieser Kampf gewonnen, bis dieser Kampf endlich durch den Sieg über die Feinde, durch den Sieg über die Macht der Finsternis besiegelt ist." Ernst Reuters, der später doch Regierender Bürgermeister von Berlin wurde, hat seine berühmteste Rede  heute vor 64 Jahren gehalten: am 9. September 1948.

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