Nikolaus Harnoncourt: Der Unzeitgemäße

Der österreichische Dirigent Nikolaus Harnoncourt ist tot. Seine Sehnsucht galt dem Originalklang. Jetzt ist er verklungen.

Nikolaus Harnoncourt (Foto: Marco Borggreve/Sony Music)
Nikolaus Harnoncourt (Foto: Marco Borggreve/Sony Music)

Er war der Historiker unter den Dirigenten: Nikolaus Harnoncourt. Heute ist er im Alter von 86 Jahren gestorben. Auf der Suche nach dem Orginalklang hat er die Klassiker in die Gegenwart geholt. Haydn, Mozart und vor allem Beethoven haben bei ihm nie ihren geheimnisvollen Zauber verloren. Selbst das berühmte Tadada Daaa! am Anfang von Beethovens fünfter Symphie klingt bei Harnoncourt aufregend. Jetzt ist der Meister der Originalklangs verklungen. 

Sein Lebenswerk ist das Ensemble Concentus Musicus in Wien. Nikolaus Harnoncourt hat es 1953 gegründet - über sechzig Jahre ist das her. Seine Mission: Die Suche nach dem Originalklang. Gespielt wird auf historischen Instrumenten. Die großen Orchester nehmen ihn nicht ernst. Eine Zeitreise zurück bedeutet ja auch technischen Verzicht - und klingt das nicht alles ein bisschen holprig, unausgereift und altertümlich? Nein! Es klingt natürlich, authentisch - und erfrischend unverbraucht vom dauernden Rauf- und Runtergedudel auf allen Kanälen. Musikalische Kleinodien wie Mozarts Kleine  Nachtmusik, Haydns Symphonie mit dem Paukenschlag und gar manches Beethoven-Thema sind diese Weise geschleift worden. Bei Harnoncourt blühen sie neu auf. Spät, aber nicht zu spät haben das auch auch die großen Orchester bemerkt und Harnoncourt eingeladen, ihnen den Zauber der barocken und klassischen Komponisten neu zu vermitteln. Ein großes Konzert ist etwa der Beethoven-Abend mit den Berliner Philharmonikern:

Dass der langezeit nur belächelte Harnoncourt selbst nicht nur die renommiertesten Komponisten ernst nimmt, sondern auch ebenso belächelte Walzerschreiber wie Johann Strauß, macht ihn nur umso sympathischer. Harnoncourt ist tot - seine genialen Interpretationen aber werden bleiben...

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