Denkerinnen und Lenkerinnen

Ein Frauenbuch wie seine Titelheldinnen: stark und gefährlich...

Angela Merkel: César, CC BY-SA 2.0. S. de Beauvoir: Milner Moshe/Government Press Office, CC BY-SA 3.0. Alice Schwarzer: Tohma (talk), GFDL. „Aung San Suu Kyi: Comune Parma, CC BY-SA 2.0. Arundhati Roy: Augustus Binu, CC BY-SA 3.0
Angela Merkel: César, CC BY-SA 2.0. S. de Beauvoir: Milner Moshe/Government Press Office, CC BY-SA 3.0. Alice Schwarzer: Tohma (talk), GFDL. „Aung San Suu Kyi: Comune Parma, CC BY-SA 2.0. Arundhati Roy: Augustus Binu, CC BY-SA 3.0

Nicht nur schöne und reiche Frauen faszinieren - auch kluge und mächtige. Von ihnen handelt ein neuer Sammelband biografischer Porträts. Frauen, die denken, sind stark, sagt der Titel - und gefährlich. Das trifft auch auf das ganze Buch zu: Stark sind die ansprechend bebilderten Texte über die zwanzig Vordenkerinnen, Wissenschaftlerinnen, Frauenrechtlerinnen, Journalistinnen und Politikerinnen. Gefährlich ist eine Botschaft des Buches, die zwischen den Zeilen steht: Auch heute haben es Frauen, die denken, schwerer als ihre männlichen Kollegen, erfolgreiche Lebenswege zu beschreiten... 

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Frauen bewegen die Welt: Angela Merkel regiert seit über 10 Jahren als deutsche Bundeskanzlerin, Hillary Clinton ist eine aussichtsreiche Kandidatin für das Amt der US-Präsidentin, Sharyl Sandberg führt mit Facebook einen Weltkonzern - die Reihe ließe sich fortsetzen. Warum also erscheinen so viele Bücher, die uns nahelegen, dass die Leistungen von Frauen etwas besonderes sind? Es dürfte wohl niemand bestreiten, dass auch Männer, die denken, stark und gefährlich sind. Solche Bücher sucht man aber vergebens. Das ist aus zwei Gründen bedenklich. Erstens können die ausschließlich auf Frauenkarrieren beschränkten Bände den Eindruck erwecken, dass die Leistungen der Frauen besonders bemerkenswert seien. Das würde aber bedeuten, dass man Frauen insgeheim doch weniger zutraut - und das wiederum wäre nicht nur falsch, sondern auch kontraproduktiv. Zweitens gibt zu denken, dass trotz großer Vorbilder und unerschrockener Pionierinnen viele Frauen augenscheinlich nach wie vor Probleme haben, ihre - mindestens - gleichwertigen Qualifikationen und Fähigkeiten einzubringen; auch wenn erfolgreiche Frauen in Führungspositionen  unverdrossen dafür werben, es ihnen gleichzutun.

Stefan Bollmanns Sammelband versteht sich in diesem Sinn als "kämpferisches Buch". Geschickt schlägt er den Bogen von den ersten berühmten Frauen, die sich hinaus gewagt haben ins Rampenlicht der Gesellschaft (z. B. Bertha von Suthner) und der Wissenschaft (z. B. Simone de Beauvoir) bis hin zu aktuellen Beispielen weiblicher Durchsetzungskraft in der Politik (z. B. Angela Merkel) und im Journalismus (z. B. Alice Schwarzer). Er schlägt aber auch die Brücke zu weniger bekannten Frauen, die viel erreicht haben: die Soziologin Anna Myrdal etwa - oder die Verhaltensforscherin Jane Goodall. Bei allem Mutmachen lässt Bollmann aber auch nicht nicht außer Acht, wie viel manche seiner Protagonistinnen haben aufgeben müssen: Die birmanesische Freiheitskämpferin Aung San Suu Kyi hat lange unter der Trennung von ihrer Familie gelitten, die russische Journalistin Anna Politkowskaja ist für ihre kritische Berichterstattung sogar einem Attentat zum Opfer gefallen.

Es müssen ja nicht immer solche Extrembeispiele sein - aber auch dieser Punkt ist durchaus nachdenkenswert: Solange Frauen verhältnismäßig mehr aufgeben müssen als Männer, um gleichermaßen erfolgreich zu sein, solange werden sie es schwerer haben, den Vorbildern dieses Bandes nachzueifern. Und deshalb müsste sich ein solches Buch auch an diejenigen richten, die politische und gesellschaftliche und betriebliche Weichen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf schaffen können.

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