Axel Springer: Für Berlin, gegen die Mauer

Der Verleger und Freiheitskämpfer Axel Springer hat gegen die deutsche Teilung gekämpft und alles auf Berlin gesetzt.

 

Im Dunkel der Nacht verlieren Millionen von Ostdeutschen ihre Freiheit: Um Westberlin, das letzte Schlupfloch zur Bundesrepublik, wird in wenigen Stunden ein 160 Kilometer langer Grenzzaun hochgezogen. Als die Berliner am nächsten Morgen arglos aufwachen, ist die Tat des Ostens vollbracht und das DDR-Regime feiert seinen Überraschungscoup. Und der Westen? Was tut die freie Welt dagegen?„Der Westen tut NICHTS“, befindet der Verleger Axel Springer und in Riesenlettern verkündet es seine wichtigste Zeitung, die BILD.

Axel Springer Biografie

Axel Springer, geboren 1912 in Altona, ist ein geborener Verleger: Seinem Vater gehört eine Lokalzeitung, die Stammhalter Axel irgendwann einmal übernehmen soll. Hitler macht den Springers einen Strich durch die Rechnung. Der liberal gesinnte Verlag passt den Nazis nicht und wird erst geschlossen, dann ausgebombt. Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt Axel Springer von vorne. Er ist ein begnadeter Überredner und gewinnt fähige Leute, mit denen er in kurzer Zeit einen erfolgreichen Verlag aufbaut - noch in seiner ersten Heimat an der Alster: Das Hamburger Abendblatt, die Programmzeitschrift Hörzu, Die Welt und schließlich BILD sind die wichtigsten Presseprodukte des Hauses Springer.  Der Hausherr träumt allerdings von mehr als von Medienmacht. Er träumt von Einigkeit und Recht und Freiheit für sein geteiltes deutsches Vaterland. Deshalb setzt er alles auf Berlin, den heißesten Ort des Kalten Krieges. Auf den Trümmern des alten Zeitungsviertels, direkt an der Berliner Mauer, errichtet er seine millionenschwere Konzernzentrale: ein goldenes Hochhaus als Leuchtturm der Freiheit für die eingesperrten Ostdeutschen. Seine Zeitungen lassen  keine Gelegenheit aus, die Lügen und DDR-Regierung aufzudecken, ihre Propaganda zu enttarnen und das Unrecht in der sozialistischen Diktatur anzuprangern. Während Springer gegen die Berliner Mauer anredet und anschreiben lässt, wird er selbst zum Feindbild einer ganzen Generation. Die 68er kommen mit den Schlagzeilen und der Berichterstattung des  Kalten Kriegers nicht klar: Sie sehen in Springer einen selbstverliebten Machtmenschen und einen unverbesserlichen Nationalisten. Berlin wird zum Kriegsplatz, als gewaltbereite Studenten zum Springerhaus ziehen. Steine und Brandsätze fliegen, Auslieferungsfahrzeuge werden umgestoßen und gehen in Flammen auf. Die Mauer bleibt stehen. Am Ende ist es aber das goldene Hochhaus, dass die Berliner Mauer überdauert. Springer erlebt es nicht mehr. Er stirbt 1985, vier Jahre zu früh. Nur sein Traum, der ist nicht gestorben. Mehr noch: er hat sich erfüllt.

Buchbesprechungen

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Über Springer ist viel geschrieben worden. Die einen hassen ihn für seine Geltungssucht, seinen Größenwahn und sein vermeintlich persönliches Regiment als Verleger. Die anderen kommen meistens aus seinem eigenen Haus. Und sie kommen leider kaum hinterher, das leidige Feindbild Springer endlich in Scherben zu schlagen und den von Überzeugungen geleiteten Unternehmer, den patriotischen Freiheitskämpfer und gesellschaftlich engagierten Mäzen zu würdigen. Ein zu Springers 30. Todestag soeben erschienener Sammelband aus der Edition Braus geht neue Wege. Keine Gesamtschau, keine überbordende Beweihräucherung, keine durchsichtige Deutung. Das von Autorinnen und Autoren der WELT-Gruppe verfasste Buch erzählt in Anekdoten und Ausschnitten von Springers Liebe zu Berlin. Jeder Beitrag nimmt sich ein Detail dieser innigen Beziehung vor. Allesamt sind sie kurzweilig geschrieben und sie lassen sich voneinander unabhängig lesen (ein großer Vorteil). Manche fallen etwas aus dem Format ("10 Gründe, warum Axel Springer kein Kaninchen ist"). Andere zeigen den Kulturförderer, den Sportbegeisterten, den Volksnahen, den Gönner und den Snob - denn all das ist Springer gewesen. Wer sich mal abseits aller gängigen Vorurteile (positiv wie negativ) auf Springer einlassen will, ist mit diesem Buch gut beraten.

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Und wer noch einmal jenseits aller schrillen, lauten und bunten Fernsehbilder die bewegten Tage erleben will, an denen sich Axel Springers Traum vom Fall der Berliner Mauer und von der Freiheit aller Deutschen erfüllt hat, der kann getrost den wunderbaren Bildband mit Fotografien von Jürgen Hohmut in die Hand nehmen (ebenfalls in der Edition Braus erschienen). Ganz in schwarzweiß gehalten laden diese eindrucksvollen Momentaufnahmen zum Innehalten ein - und zur Freude darüber, dass die schrecklichen vier Jahrzehnte der deutschen Teilung Geschichte sind.

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